Eschbronn 60-jährige Love-Story beginnt mit einem Fahrrad
Schwarzwälder-Bote, 25.07.2012 21:03 Uhr
Gertraude und Günter Laubmann gaben sich heute vor 60 Jahren das Ja-Wort. Foto: HerzogFoto: Schwarzwälder-Bote
Eschbronn-Locherhof (lh). Gertraude und Günter Laubmann feiern am heutigen Donnerstag das Fest der Diamant-Hochzeit. Dem rüstigen Jubelpaar gratulieren fünf Kinder, sechs Enkel und zwei Urenkel.
Die Laubmanns können auf eine bewegte Lebensgeschichte mit Krieg, Flucht und Neuanfang zurückblicken. Doch die Art und Weise, wie sie sich kennen und lieben gelernt haben, gleicht einer buchreifen, außergewöhnlichen Love-Story, die selbst nach 62 Jahren noch nicht zu Ende ist.
"Wenn wir uns heute noch richtig lieb haben und streicheln können, dann ist das eine Gnade und Gottes Segen", bringt es Günter Laubmann, der am 20. Juni 1928 in Zöpen, südlich von Leipzig, geboren wurde, auf den Punkt. Drei Jahre nach Kriegsende habe er einen Fahrradrahmen aufgestöbert. Bis 1950 habe es gedauert, ehe das Damenfahrrad mit Felgen, Speichen und Naben fertig geworden sei.
Eines Tages habe ein kleines Mädchen, das ihm als Organist in der Kirche in Lebstadt durch die tolle Stimme aufgefallen sei, in seinem Zimmer gestanden und gefragt, wem denn das schöne Fahrrad gehöre. "Derjenigen, die zu mir passt", habe er geantwortet. Es habe nicht lange gedauert und dieses Mädchen habe sich auf das Fahrrad gesetzt.
"Von da an lief alles rund", schildert der frühere Physik-Lehrer den Beginn einer Liebesbeziehung, die am 26. Juli 1952, dem 19. Geburtstag von Gertraude Jacob, vor dem Traualtar in der evangelischen Kirche von Zöpen mit dem Ja-Wort besiegelt wurde. Vom damaligen DDR-Regime wurden Günter Laubmanns Lehrertätigkeit und das gleichzeitige Spielen der Orgel in der Kirche mit Argusaugen beobachtet. So wagte er 1958 nach gründlicher Überlegung mit der ältesten Tochter die riskante Flucht nach Berlin, kurz danach kam seine Frau mit den beiden anderen Kindern nach.
Über Frankfurt/Main landeten sie schließlich im Schwarzwald in Locherhof. Während Günter Laubmann sich noch einmal als Lehrer ausbilden musste und in Aistaig und Dunningen bis zur Pensionierung unterrichtete, widmete sich seine Frau Gertraude ganz dem Haushalt und den inzwischen fünf Kindern. 1973 bauten sie "am Berg" in Locherhof in Eigenleistung ein Haus, das sie nach vier Jahren bezogen.
Als gebürtige Sachsen hätten sie mit den Schwaben nur gute Erfahrungen gemacht und seien fürsorglich aufgenommen worden, versichert das Jubelpaar, das sich mit täglichem Schwimmen im eigenen Hallenbad, Radfahren, Gartenarbeit, Briefeschreiben (sie) und Orgelspielen (er) geistig und körperlich fit hält.
Heute werden Gertraude und Günter Laubmann ihr Eheversprechen im Gottesdienst in der Christuskirche Locherhof erneuern. Danach geht es mit der Familie und Verwandtschaft zum Festtagsmenü in die Fliegerklause am Flugplatz Winzeln.


