
Epfendorf - "SchiScha" an der Schule, vom Lehrer unterstützt – wird an der Epfendorfer Grund- und Hauptschule etwa der Gebrauch von Wasserpfeifen gefördert? Weit gefehlt: Unter dem urschwäbischen Motto "Schialer schaffad, schnell isch’s gmachad", kurz "Schischa", packen sechs fleißige Achtklässler seit Schuljahresbeginn in einer Schülerfirma verschiedene Dienstleistungsarbeiten an und lernen dabei Arbeitsabläufe wie in einem Unternehmens kennen.
John Ehmig und Selina Höflinger betreten das Klassenzimmer der Klasse acht. Gerade kommen sie von ihrem zweiten Auftrag zurück, eine Stunde waren sie Laub rechen. Im Raum warten ihre Klassenkameradinnen Kereth Goamus, Susanne Gabele und Natalie Becker mit ihrer Lehrerin Petra Botzenhart und fragen, wie die Arbeit war. "Anstrengend, hat aber auch Spaß gemacht", sagen die zwei "Arbeiter". Ein bisschen Geld in die Klassenkasse hat der Auftrag auch gespült. Denn wie in einem echten Unternehmen verdient sich "SchiScha" mit seinen Dienstleistungsangeboten echtes Geld, das der Klasse zugute kommt. Zum Beispiel bei Ausflügen.
Zwar existiert "Schischa" erst seit Anfang dieses Schuljahres, aber angefangen hat alles schon viel früher: "Es war im Jahr 2008, als die Schule in Epfendorf erstmals das BoriS-Berufswahl-Siegel als Anerkennung für besondere Projekte zur Berufsorientierung erhielt – mit dem Hinweis, wir sollten doch eine Schülerfirma ins Leben rufen," erzählt die Klassenlehrerin Petra Botzenhart. "Das ist aber bei kleinen Klassen und dem damit verbundenen Mehraufwand an Arbeit gar nicht so einfach." Dem neuerlichen Ruf ein Jahr später folgte man dann, und so wurde das Experiment Schülerfirma in die Hände genommen.
Der Sinn hinter dem Projekt ist offensichtlich: "Die Schüler sollen lernen, wie ein Arbeitsablauf in einem Unternehmen aussieht: Auftrag entgegennehmen, den Vertrag unterzeichnen und die Arbeiten ausführen, egal bei welchem Wetter", sagt Botzenhart.
Wer Aufträge abgeben will, muss allerdings genau auf die Uhr schauen. Die Schüler sitzen immer mittwochs von 11 bis 11.15 Uhr im Sekretariat der Schule, um Aufträge entgegenzunehmen. Ausgeführt werden diese donnerstags in der Zeit zwischen 11.05 und 12.50 Uhr. Auf die Idee, Laub zu rechen, Besorgungen zu machen, Altglas zu entsorgen, bei der Grabpflege zu helfen oder Personen zu begleiten, sind die Schüler schnell gekommen. Wegen ihres Wahlpflichtfachs "Gesundheit und Soziales" stand fest, dass sie "irgendwas Soziales machen wollten", wie es Susanne ausdrückt.
Noch mangelt es der Firma trotz verschiedener Werbeaktionen an Kunden, also ist Ursachenforschung angesagt. "Vielleicht denken manche ältere Leute, wir Jugendliche wären nur frech und faul", überlegt Susanne. "Dabei macht es uns viel Spaß, mit Leuten zu kommunizieren und praktisch zu helfen."
"Die Bürger scheinen noch eine gewisse Hemmschwelle zu haben", ergänzt Botzenhart. Dabei sind sich alle einig: Sie machen die Arbeit gern und bekommen dabei wertvolles Wissen für ihr späteres Berufsleben mit auf den Weg.