Epfendorf Kummerkasten gibt’s jetzt online
Maja Dick, 11.04.2012 09:01 Uhr
Der Bürgermeister zeigt, wie aktive Bürgerbeteiligung aussehen kann. Das Bild, das er gerade von der »Rindenmulch-Wüste« macht, könnte er als »Ärgernis« über die Homepage der Gemeinde online stellen. Foto: Dick
Epfendorf - Bürgermeister Peter Boch rümpft die Nase: Die Blumenbeete vor seinem Rathaus gleichen einer Rindenmulch-Wüste. Aber eigentlich ist das normal: Anfang April sehen Beete nun mal so aus. Denn bepflanzt wird erst in ein paar Tagen. Die Frühjahrsblumen kommen also noch, und diese braune Wüste ist kein echtes Ärgernis – das weiß auch Boch. Er lächelt, zückt trotzdem sein Smartphone und macht ein Bild davon. "Das könnte ich jetzt über die Homepage der Gemeinde Epfendorf online stellen, und ein paar Zeilen dazu schreiben, was mir an dem Bild nicht gefällt," scherzt er. Freilich tut er es nicht. Sinn der Aktion war zu zeigen, wie in Epfendorf in Zukunft Bürgerbeteiligung aussehen kann.
Was, wenn man keinen Zugriff auf's Internet hat?
Seit ein paar Tagen nämlich können die Epfendorfer über die Homepage der Gemeinde auf ein Programm namens "buergermeldungen" zugreifen, dass wie ein "Kummerkasten" funktioniert. Aus verschiedenen Kategorien wie "Freizeit", "Kultur", "Gehwege" und weiteren mehr kann der Bürger auswählen, sein "Ärgernis" notieren und es dann per Mail abschicken – selbstverständlich auch ohne Foto.
Durch die Wahl einer Kategorie wird die Mail gleich an den richtigen Sachbearbeiter im Rathaus weitergeleitet. "So wird eine schnellere Bearbeitung gewährleistet." Viele weitere Möglichkeiten bietet das Programm, von dem sich Boch mehr direkte Bürgerbeteiligung erhofft. Außerdem betont er: "Ich möchte, dass die Bürger sehen, dass wir ihre Anfragen ernst nehmen." Jede Mail werde beantwortet. Dabei soll helfen, dass auch andere Nutzer diese Anfragen – also die Ärgernisse – online sehen können. Sie können auch sehen, ob sie bereits von der Gemeinde in Angriff genommen wurden, oder ob es auch andere Bürger gibt, die sich über das Gleiche ärgern.
Unter Ärgernis versteht Boch Schäden, Schlaglöcher, andere Auffälligkeiten – schlicht das, "was einen persönlich bewegt", sagt er. Natürlich dürften die Bürger auch Lob loswerden. "Da sind wir unbegrenzt belastbar", sagt er schmunzelnd.
Mit der Nutzung dieses speziellen Programms nimmt Epfendorf – laut Boch – in Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle ein. Keine andere Gemeinde sei ihm bisher bekannt, die diesen Kummerkasten schon benutze. Und die Erfahrungen, die man bisher – vor allem aus dem österreichischen Raum – habe, seien gut.
Was aber, wenn man gar keinen Zugriff auf das Internet hat? Talhausen und Teile Trichtingens seien noch nicht an die Daten-Autobahn angeschlossen, räumt Boch ein. Wie gewohnt, könnten die Bürger auch zum Telefon greifen oder zu einem Gespräch ins Rathaus vorbeikommen, um Anregungen loszuwerden, sagt er. In Sachen Internet für besagte Teilorte der Gemeinde sei er außerdem in Gesprächen mit der Telekom und KabelBW. Wie lange es noch dauern werde, bis man wisse, wie es dort internetmäßig weitergehe, könne er nicht sagen. Nur soviel: "Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein ungeduldiger Mensch bin."
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Ja!
Geile Sache! Der Boch hats einfach drauf :-)