
Von Elfi Roth Epfendorf-Trichtingen. In einer Feierstunde sind in der Turn- und Festhalle den interessierten Bürgern Schätze aus dem Trichtinger Archiv und die Broschüre "Die württembergischen Ruggerichte im Dorf" vorgestellt worden. Nach der Einstimmung mit dem Fidelitas-Quartett durch eine Bläsergruppe des Musikvereins Trichtingen unterstrich Bürgermeister Peter Boch die Bedeutung des Abends.
"Wir blicken zurück auf die erste Nennung der Gemeinde Trichtingen. Was wir heute in den Händen halten, ist ein unglaublicher Schatz an überlieferter Zeitgeschichte und alles nachlesbar." Kreisarchivar Bernhard Rüth nannte es einen Glücksfall, dass neben der Erschließungsmaßnahme mit der Broschüre eine wissenschaftliche Untersuchung vorzustellen sei, die sich auf historische Quellen aus dem Ortsteilarchiv beziehe.
"Der Ortsteil Trichtingen ist ein geschichtsträchiges Gemeinwesen mit einer wechselvollen Vergangenheit. Das Ortsteilarchiv enthält rund 50 Regalmeter an Schriftgut, geordnet und verzeichnet von Archivarin Birgit Tuchen. Die Überlieferungen reichen zurück bis 1716; somit sind annähernd 300 Jahre Ortsgeschichte im Findbuch aufgeführt."
Schon "damals" hates mal Streit gegeben
Tuchen habe mit fachlicher Unterstützung von Diplom-Archivar Armin Braun außerdem die Erschließung der Gemeindearchive Epfendorf und Harthausen vorgenommen. Viele Akten, Rechnungen, Verträge und Inventare von Eheschließungen und Erbfällen habe sie sortiert und katalogisiert, erzählte Tuchen von ihrer Arbeit.
Sie stellte einige alte und gut erhaltene Bücher vor, in denen auf handgeschöpftem Papier mit sauberer, gut lesbarer Schrift Geburten und Sterbefälle eingetragen sind. Die Gäste durften anschließend darin blättern. Diplom-Archivarin Natascha Richter sprach ausführlich über ihre Untersuchung zum württembergischen Ruggerichtswesen am Beispiel der Gemeinde Trichtingen. Als Vorlage zu ihrer 107 Seiten umfassenden Magisterarbeit diente das Ruggerichtsprotokoll von 1783 bis 1822, das Aufschluss gibt über die niedere Gerichtsbarkeit auf dörflicher Ebene.
"Der Alltag der Dorfbewohner wird hier in den kurz und knapp gehaltenen Protokollen greifhaft", sagte Richter und schilderte einige Fälle, die Heiterkeit hervorriefen. Auch damals habe es Streit wegen überhängender Obstbaumzweige auf das Nachbargrundstück gegeben. Es seien Beschwerden, Beleidigungen, Verstöße gegen Persönlichkeitsrechte und die Missachtung der Gebote und Verbote nach der Landesordnung vom Dorfvogt oder Schultheiß verhandelt worden.