Enzklösterle Pflege auf bürgerschaftlicher Basis
Schwarzwälder-Bote, 27.06.2012 20:00 Uhr
Bei der Gemeinderatssitzung in Enzklösterle stellte Ingrid Engelhart (stehend) ein Projekt vor, bei dem es um die Pflege von Menschen vor Ort geht. Daneben ist sitzend Bürgermeisterin Petra Nych zu sehen. Foto: ZiegelbauerFoto: Schwarzwälder-Bote
Enzklösterle (rz). Dürfen Einwohner von Enzklösterle darauf hoffen, in der Zukunft ihren Lebensabend auch im Falle einer Betreuungs- und Pflegebedürftigkeit in ihrem Heimatort verbringen zu dürfen? Wie könnte eine solche Betreuungs- und Pflegeform auf der Basis eines bürgerschaftlichen Engagements aussehen?
Mögliche Visionen dazu entwickelte bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend Ingrid Engelhart, geschäftsführende Vorsitzende von "SPES - Zukunftsmodelle e.V." mit Sitz in Freiburg, am Beispiel der Gemeinde Eichstetten.
Der Gemeinderat beschloss einstimmig, an dem vorgestellten transnationalen "Leader-Projekt" teilzunehmen. Es hat zum Ziel, innovative und barrierefreie Wohnformen mit Betreuungsmöglichkeiten vor Ort zu entwickeln und umzusetzen.
Das "Transnationale Leader-Projekt" geht von der Notwendigkeit örtlicher Betreuungs- und Pflegeformen auf bürgerschaftlicher Basis mit fachpflegerischer Unterstützung aus. Pflege- und Hilfeeinrichtungen vor Ort werden wegen des demografischen Wandels auch für kleinere Gemeinden zunehmend wichtige Infrastruktureinrichtungen. "Vor diesem Hintergrund wurde eine sehr interessante Initiative an uns herangetragen, mit der diese Thematik beleuchtet wird und individuelle Lösungsansätze erarbeitet und umgesetzt werden sollen", schrieb Bürgermeisterin Petra Nych in ihrer Sitzungsvorlage.
Ausgangspunkt für das Gesamtprojekt ist eine Recherche bei 15 innovativen, barrierearmen Wohnformen mit Betreuungsmöglichkeit für ältere Menschen in Deutschland, Österreich, Dänemark und in den Niederlanden in der Federführung der "SPES"-Zukunftsakademie in Schlierbach in Oberösterreich.
Auf Gemeindeebene geht es nach einer entsprechenden Auftaktveranstaltung mit einer Sensibilisierung der Bürgerschaft für das Thema um die Entwicklung eines ortsspezifischen Konzeptes mit einem Maßnahmenplan und einer Einschätzung der Realisierbarkeit. In die Konzeptentwicklung sowie in die Erstellung des Maßnahmenplans werden neben der Gemeinde alle relevanten örtlichen Akteure einbezogen. Das Konzept, der Maßnahmenplan und die Einschätzung der Realisierbarkeit werden dem Gemeinderat vorgestellt, der über die konkrete Umsetzung entscheidet, die im Rahmen eines Folgeprojektes zu realisieren wäre. Dabei würden auch die räumlichen Fragen abgeklärt.
Die Gesamtkosten der Projektentwicklung belaufen sich nach Abzug einer 55-prozentigen "Leader"-Förderung für die Gemeinde Enzklösterle auf 16 000 Euro, die der Gemeinderat mit seinem Beschluss zum Beitritt zu diesem Projekt bewilligte. Ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Projekt für den Fall der Nicht-Realisierbarkeit wäre nach Aussagen von Ingrid Engelhart ohne einen Verlust der "Leader" - Förderung möglich. Die Umsetzung könnte ihrer Prognose zufolge aus Zuschussprogrammen wie etwa "Leader", "Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR)" oder aus Landes-Sanierungsmitteln gefördert werden.
Gemeinderat Dieter Hoffmann betrachtete das Konzept als "durchdacht" und konnte sich mit dem Projekt eine Festigung der örtlichen Infrastruktur vorstellen. Als "toll und zukunftsweisend" bezeichnete Gemeinderat Stefan Waidelich das Konzept, hatte aber Bedenken hinsichtlich der Realisierbarkeit des bürgerschaftlichen Engagements. Gemeinderat Karsten Gauß hielt die Gewinnung von Investoren für notwendig: "Die Gemeinde wird wohl nicht einsteigen können".
"SPES" steht für die "Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen". Diese befasst sich insbesondere mit "Lebensqualität durch Nähe", mit "Dienstleistung und ortsnahe Rundum-Versorgung", mit der "Zeitbank 55+", mit "Hilfen von Haus zu Haus", mit "Alt werden in gewohnter Umgebung" und mit "Schule, Wirtschaft, Nachhaltigkeit". Das Projekt "Zeitbank 55 +" wurde schon vor einiger Zeit dem Höfener Gemeinderat vorgestellt, der sich dann allerdings für ein Projekt in anderer Form entschied.



