Enzklösterle Kunstdorf-Bewerbung abgewiesen
Schwarzwälder-Bote, 10.12.2012 04:30 UhrEnzklösterle (rz). Enzklösterle wird nicht zum "Kunstdorf". Vor kurzem erreichte Bürgermeisterin Petra Nych die Absage aus Berlin: Der Luftkurort wird nicht in das Projekt "Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst 2013" aufgenommen.
Die Entscheidung wurde von zwei Fachjurys der "Deutschen Stiftung Kulturlandschaft" getroffen. Sowohl die Bürgermeisterin mit dem Gemeinderat als auch der Touristikverein mit seiner Vorsitzenden Sabine Mast hatten gehofft, Enzklösterle unter der Begleitung zweier Fernsehsender stärker in den Vordergrund rücken zu können. Ziel des Projektes wäre gewesen, punktuelle und nachhaltige Impulse für mehr bürgerschaftliches Miteinander zu setzen und ein verstärktes Bewusstsein für die spezifische Identität sowie die verbindenden Werte eines Dorfes zu schaffen.
Es wäre ein etwa sechsmonatiger Aufenthalt eines Künstlers im Dorf vorgesehen gewesen, um zusammen mit den Bewohnern ein Kunstprojekt zu realisieren. Aus den 101 Bewerbungen, darunter auch Enzklösterle, wurden Blankensee in Vorpommern, Lichtenfels-Sachsenberg in Hessen und Traucha-Sehlis in Sachsen ausgewählt.
"Wir können mit dieser Entscheidung umgehen und lassen den Kopf nicht hängen", sagte Sabine Mast. Sie hatte zum achten Touristik-Treff im "Café am Kurpark" eingeladen und deutete dabei ein anderes Projekt wohl in der Art eines Fotowettbewerbes an, dessen Konzept es allerdings noch zu entwickeln gilt. Als Arbeitstitel wurde der Begriff "Bilderbuch" gewählt.
Auch 2013 wird es in Enzklösterle wieder ein Frühlingsfest in Verbindung mit einem Ostermarkt geben, und zwar am 24. März (Palmsonntag). Und nachdem bei der erfolgreichen Premiere in diesem Jahr die Osterhasen-Aktion eine so gute Resonanz gefunden hat, stehen Mast zufolge schon jetzt 50 hölzerne Hasen zum Bemalen bereit.
Favorisiert wird von Mast der geplante Nationalpark Nordschwarzwald. Enzklösterle müsse die Weichen möglichst frühzeitig stellen, um in touristischer Hinsicht bei der Vergabe von dabei zu schaffenden Einrichtungen vorne dabei zu sein.
Die Einstellung zu einem Nationalpark sei die ganz persönliche Sache jedes Einzelnen, hielt Dieter Hoffmann Mast entgegen. In weiteren Ausführungen forderte er eine Verbesserung der örtlichen Infrastruktur.
Nicht überzeugt ist Mast von Bestrebungen zur Stärkung der "Schwarzwaldregion Calw". "Wenn sich 16 Verlierer zusammenschließen, werden sie noch lange keine Weltmeister", meinte sie dazu und befürchtete den Verlust wichtiger Kompetenzen für den örtlichen Tourismus in Enzklösterle.
Für reichlich Diskussionsstoff sorgte die Absicht des neuen Wildbader Touristik-Geschäftsführers Bernhard Mosbacher, die bisherigen Messeaktivitäten einzuschränken und die dadurch frei werdenden finanziellen Mittel in die Öffentlichkeitsarbeit der Enztal-Kooperation umzuschichten. Dietmar Haß als Chef der Tourist-Information gab zu bedenken, dass Umfragen zufolge bei Messen die Gästeanwerbung einen geringeren Erfolg habe als angenommen. Dies wurde von einigen Besuchern des Touristik-Stammtisches allerdings angezweifelt.




Kunstdorf
In welche Sphären driften die Ideen vom Gemeinderat in Enzklösterle noch ab? Die Erfolgreichen bleiben bodenständiger und von denen könnte man lernen. Sicherlich würde ein Mann besser im Gemeinderat, wie auch in Bad Wildbad die Entscheidungen auseinandersetzten. Dafür haben wir eine Feminine mit Vereinsarbeitende Bürgermeisterin die sich Objektiv einsetzt. Mir scheint, Enzklösterle hat die Entwicklung der letzten Jahre nicht nur verschlafen, sondern gibt sich auch noch realitätsfremden Träumereien hin. Wie hier agiert wird, verliert man nicht nur weitere Gäste, sondern wird auch für die Einwohner/Bürger - und hier gerade jüngere Menschen - immer unattraktiver. Wie soll unsere Jugend eine lebenswerte Zukunft in der Gemeinde, vor das Auge geführt werden?
Kunstdorf?
@ COR: Zuviele Wechsel der Bürgermeister??? Die letzten 3 Bürgermeister vor Frau Nych in Enzklösterle waren: Hr. Wägerle (1992-2000), Hr. Mack (2000-2006) und Hr. Faschon (2006-2011). Also ich würde das nicht als zu häufige Wechsel bezeichnen. Und bei Frau Nych, die erst seit letztem Jahr im Amt ist, von Kontinuität zu sprechen, erscheint mir nun wirklich etwas überzogen. :-))) Das, was der Kommentator BGR hier schreibt, kann ich nur unterstützen, auch wenn es vielen aus Enzklösterle und manchen Träumern nicht gefallen wird: Wegen eines Kunstdorfs oder eines Feng-Shui-Dorfs kommt kein nennenswerter Tourismus zurück nach Enzklösterle. Da sind zuerst einmal die Hausaufgaben bzgl. Infrastruktur zu machen und sich dann die Realitäten der heutigen Interessen der Schwarzwaldtouristen zu verinnerlichen: Kurzurlaube statt wochenlange Urlaube, sportliche Aktivitäten, Wellness, kulinarische Genüsse und vor allem: Anziehungspunkt für Kurzurlauber aus der REGION. Wenn viele meiner Berufskollegen, die aus dem Raum Baden-Baden bis Karlsruhe kommen, Enzklösterle noch nicht einmal kennen, dann läuft hier etwas schief mit der Eigenvermarktung der Gemeinde. Ein wenig mehr an gesundem Menschenverstand würde den Gemeindeverantwortlichen in Enzklösterle schon helfen, die Probleme besser anzugehen. Und zur Finanzlage stellt sich immer die Frage, was die eigentliche Ursache dafür ist. Eine Gemeinde, die in keine (sinnvolle) Infrastruktur als Vorleistung investiert, darf sich nicht wundern, wenn dann keine Gäste kommen ... und wenn dann kein Geld für Investitionen vorhanden ist. Wer dann noch die Steuerschraube für die eigenen Bürger immer weiter anzieht (siehe Erhöhung der Hundesteuer) darf sich über fehlendes Engagement der Bürger auch nicht wundern.
Kunstdorf Enzklösterle
Schade, dass die Kommission den Blick nach Osten gerichtet hat. Aber der Nutzen für Enzklösterle liegt darin, dass ein Denkanstoss jenseits der Wanderwege erfolgte, den Ort aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Bodenständiges gewinnt durch Außergewöhnliches an Attraktivität, das geht gut zusammen. Ortsentwicklung und Marketing sind mittelfristige Themen, die gut durchdacht, geplant und finanziert sein müssen, damit sie erfolgreich sein können. Hier eine Aktion, dort ein Event - das reicht nicht, um das Bild nach außen (und nach innen) positiv zu prägen. Der Rote Faden muss erkennbar sein. Das Gesamtkonzept für Enzklösterle scheint mir - als nichteingeweihte zukünftige Enzklösteranerin - noch nicht ganz ausgereift zu sein. Kein Wunder, dazu gab es in der nahen Vergangenheit zuviele Wechsel der Bürgermeister. Erst mit Frau Nych ist wieder Kontinuität gegeben und damit die Chance, attraktive Konzepte zu entwickeln. Enzklösterle und seine Nachbargemeinden haben definitiv Potenzial, wieder begehrte Erholungs- und Eventregion zu werden. Dazu braucht es ein stimmiges Konzept, öffentliches Budget und bürgerliches Engagement. Allerdings: Angesichts der Finanzlage der Kommune wird die Aktivität der Enzklösteraner stark sein müssen.