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Enzklösterle Holz ist geduldig - zum Glück

Birgit-Cathrin Duval, vom 23.12.2011 11:28 Uhr
Theo Gütermann arbeitet an einer Holzfigur. Foto: Duval
Theo Gütermann arbeitet an einer Holzfigur. Foto: Duval

Enzklösterle - Schuster, bleib bei deinen Leisten, heißt es. Zum Glück hat sich Theo Gütermann nicht an das Sprichwort gehalten. Der einstige Schuhmacher ist heute einer der letzten großen Schnitzkunstmeister des Schwarzwalds.

"Wenn du schon da bist, dann kannst du auch was schnitzen." 60 Jahre ist das her, als Theo Gütermann als Elfjähriger damals in der Holzschnitzwerkstatt seines Nachbarn zum ersten Mal ein Schnitzmesser in den Händen hielt. Zwischen Kronleuchtern und Treppengeländern, die der Zimmermann im Winter schnitzte, fertigte Theo Gütermann sein erstes Stück und bekam viel Lob dafür: "Lerne du mal das Schnitzen."

Gerne wäre Theo Gütermann dem Rat des alten Zimmermanns gefolgt. "Aber nach dem Krieg, wer hätte mir damals was abgekauft?" Es fehlte auch an Ausbildungsmöglichkeiten. So lernte der gebürtige Pfälzer zunächst Schuhmacher und arbeitete später als Verkaufsberater. Dem Schnitzen blieb er weiterhin treu - in seiner Freizeit.

Wahrscheinlich wäre es noch heute nur ein netter Zeitvertreib, hätte er nicht plötzlich die Nachricht erhalten, dass sein Betrieb geschlossen würde. Eine neue Arbeit suchen, das kam für Gütermann nicht in Frage. Sein Entschluss stand fest: "Ich mache mich selbstständig."

Ein Jahr lang ließ er sich bei einem Schnitzmeister ausbilden, danach besuchte er die renommierte Schnitzschule von Otto Moroder im Südtiroler Lechtal. Nach den Lehrjahren fand der Holzschnitzmeister im Schwarzwald eine neue Heimat: In Enzklösterle (Kreis Calw), zwischen Bad Wildbad und Baiersbronn gelegen, eröffnete er 1983 sein eigenes Schnitzatelier.

Ab da reifte die Idee einer Krippenausstellung. Aber nicht irgendeine. Es musste etwas Besonderes sein. Ein Freund erzählte von einer Holzkrippe, die für den Petersdom in Rom geschnitzt worden war. Diese sei 1,70 Meter hoch. Theo Gütermanns Ehrgeiz war geweckt: "Dann kann’s mir nicht schwerfallen, 1,75 Meter zu machen." Vor 26 Jahren begann er mit der Umsetzung seiner Vision und schnitzte die erste lebensgroße Holzfigur. In jahrelanger Arbeit und unzähligen Stunden am Schnitzmesser sind bis heute 19 Figuren entstanden, darunter ein 1,95 Meter großes Kamel und die größte Figur, ein 2,15 Meter großer Engel. Zwei Enkel hat der Holzschnitzer verewigt - als Hirtenjungen. "Meine Frau und meine Tochter haben sich gewehrt", erzählt er lachend. Gerne hätte er sie ebenfalls in sein Werk mit aufgenommen.

Sein jüngster Enkel gab bereits Instruktionen für seine Figur: Er will auf dem Kamel sitzen. Theo Gütermann hofft, dass er ihm den Wunsch erfüllen kann. Mit der Gesundheit ist es zur Zeit so eine Sache. Früher habe er täglich zwölf bis 15 Stunden gearbeitet, "bis nachts um 2 Uhr." Doch die Zeiten sind vorbei.

Gleichmäßig in der Maserung, hell, schön

Geschnitzt wird aus Lindenholz. Gleichmäßig in der Maserung, hell, schön, kein Harz und ohne einen Ast. "So was bekommen Sie nicht aus einem anderen Holz", beschreibt Gütermann die Vorteile der Linde.

Gütermann zeigt auf das imposante Kamel. "Es sieht zwar aus wie ein Stamm, doch das Kamel besteht aus 14 Blöcken." Zwischen vier und fünf Wochen dauert es, bis ein solches Kunstwerk fertig ist. An Gesicht und Händen erkennt man, ob es eine gute Arbeit ist. Die Arbeiten von Theo Gütermann sind nicht nur gut. Sie sind meisterhaft. Das erkennt sogar der Laie. Gesichter, Hände, alles wirkt lebendig, echt, voller Anmut. Man kann so viel aus Holz herausholen, schwärmt der Holzkunstmeister über sein Werkmaterial. "Holz ist etwas Schönes." Und: "Holz ist geduldig." Das ist auch gut so.

Schließlich dauerte es ein Vierteljahrhundert, bis sein Lebenswerk - die größte handgeschnitzte Krippe der Welt - vollendet war. In den vergangenen Jahren war sie auf verschiedenen Ausstellungen zu sehen, doch das ist nun vorbei. Die Krippe bleibt jetzt in Enzklösterle und kann dort besichtigt werden.

Ideen hat der agile 72-Jährige noch viele. Doch es fehlt ihm an Platz. Denn in Enzklösterle sind auch über 70 Krippen aus aller Welt in einer Dauerausstellung, der Krippena 2000, zu sehen. Darunter Lavasteinkrippen aus Sizilien, eine Oberammergauer Kastenkrippe, eine orientalische Krippe oder die kleinste Krippe der Welt, die in einer Haselnussschale Platz findet.

Das neueste Werk aus des Meisters Hand ist eine Fünf- Stationen-Krippe, die Jesu Geburt bis hin zur Kreuzigung darstellt. Drei Monate hat Theo Gütermann gearbeitet, und es "kribbelte ihn in den Händen, sie fertigzustellen."

Ob die Tradition fortgesetzt wird, steht in den Sternen. Sein Enkel jedenfalls hat bereits seine erste Krippe gebaut.

Weitere Informationen:

Schnitzerstube Theo Gütermann, Krippena 2000, Hirschtalstraße 30, 75337 Enzklösterle, Telefon 07085/7455, Internet www.krippena2000.de

Öffnungszeiten: ganzjährig wochentags von 9.30 bis 17.30 Uhr, Samstag und Sonntag von 9.30 bis 16 Uhr; die Ausstellung ist während der Weihnachtsfeiertage durchgehend von 9 bis 18 Uhr geöffnet; Februar und März geschlossen.

Restaurant, Café, Verkauf von Schnitzfiguren täglich von 9.30 bis 18 Uhr

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