Empfingen Schützen bitten um Gnadengeld

Schwarzwälder-Bote, 11.05.2012 20:32 Uhr

Von Jürgen Baiker

Empfingen. Der Empfinger Schützenverein feiert dieses Wochenende zwar sein 100-jähriges Bestehen, doch das Schießwesen hat in der Gemeinde eine lange Tradition. Bereits 1554 fand es erste urkundliche Erwähnung.

Zu verdanken hat man dieses geschichtliche Wissen dem Empfinger Bürger und Historiker Hans-Peter Müller. Direkt anknüpfen an die urkundliche Erwähnung kann der Schützenverein mit seinem Bestehen logischerweise nicht, wäre er sonst doch schon mehr als 458 Jahre alt.

Die Urkunde führt den Forschenden zur ehemaligen Burg Wehrstein. Sie ist heute eine Ruine auf einer Anhöhe über Fischingen bei Sulz am Neckar im Landkreis Rottweil. Um sie kümmert sich der "Freundeskreis Ruine Wehrstein". Der Sage nach soll Karl der Große im Jahr 752 auf der Burg Wehrstein seine Frau Hildegard, eine Schwäbin, kennengelernt haben. 20 Jahre später werden die Orte Fischingen und Empfingen erstmals urkundlich genannt.

Im Staatsarchiv waren bislang die Renteirechnungen der Herrschaften Haigerloch und Wehrstein verzeichnet, maschinenschriftliche Findbücher und Aufzeichnungen wurden auch erstellt. Besonders interessante Schriftstücke darunter sind die der Schützengesellschaften. Dabei handelt es sich zum Teil um Quittungen für das erhaltene Gnadengeld; einen noch größeren Teil aber nehmen die sogenannten Suppliken ein.

Das waren Bittschriften an den Fürsten eben um dieses Gnadengeld, das jedes Jahr neu beantragt werden musste. Heute würde man das Gnadengeld wohl als Spende bezeichnen, das meist wohlhabende Personen (beispielsweise Fürsten) ihren Untertanen bewilligten. Einen Rechtsanspruch auf solche Gnadengelder gab es jedoch nicht.

Solche Schreiben sind in lückenhaften Wehrsteiner Rechnungen von 1660/61 bis 1737, in den Haigerlocher Rechnungen von 1724 sowie von 1741/42 bis 1769/70enthalten. In den Haigerlocher Rechnungen sind neben den Bittschriften der Wehrsteiner Schützengesellschaft auch die der Haigerlocher und die aus Gruol verzeichnet.

In der Haigerlocher Rechnung von 1767/68 wurden letztmals alle drei Gesellschaften bedacht, die Haigerlocher mit 10 Gulden (fl.), die Gruoler mit 6 fl. und die Wehrsteiner mit 6 fl. In der Rechnung von 1768/69 werden nur noch die Haigerlocher und Gruoler Gesellschaft aufgeführt, in den Rechnungen von 1770/71 an keine mehr.

Der Empfinger Schießrain wird im Wehrsteiner Lagerbuch von 1562 als Flurname erwähnt. In den Schriften und Urkunden ist im Original zu lesen (Orginaltext):

"Wehrsteiner Renteirechnung von 1554/55, Ausgaben: Ausser Befehl meins g. H. den Büchsenschützen zu Empfingen 3 fl. laut Urkundt miz Schultheissen zu Hechingen Handt geschriben, zu einem Vorthail verehrt = 4 lb.13 & 9 hlr.

Wir nachbenanten Bläsin Hefel, Schultheiß, Hannß Geiger und Jakob Hegner, alle drei verordnete Schitzenmeister zu Empfingen, bekennen mit diser Urkhundt, daß von unnserer gnedigen Herrschaft wegen durch Handen Gregorio Bürckhlin, Rentmaister zu Haigerloch, anheut dato unns erlegt worden sechs gld., so Ire G(naden) einer gemainen Gesellschaft alhie järlich auser sonderer Gnaden verehren lassen."

 
 
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