
Von Jürgen Baiker
Empfingen. Die Empfinger Energie-Agentur ist erfolgreich gestartet. Ralph Munz, Vorsitzender des Industrie-, Handels- und Gewerbeverein (IHGV) Empfingen, konnte zum ersten Vortrag im Rahmen der Energie-Agentur über 40 Zuhörer begrüßen.Munz war angenehm überrascht. Er hatte mit weniger Interessenten gerechnet. Die Empfinger Energie-Agentur ist aus dem Gemeindeentwicklungsprogramm "Empfingen 2025" heraus entstanden. Sie ist kein eingetragener Verein. Sie soll Hausbesitzern die Möglichkeit bieten, sich energetisch beraten lassen zu können. Gerade auch in Empfingen ist die energetische Sanierung ein wichtiges Thema, da es viele ältere Gebäude gibt. Für den IHGV-Vorsitzenden ist es wichtig, dass die Beratung neutral erfolgt. Die Energieberater solle nur dem Bauherrn verpflichtet sein.
Der Landkreis Freudenstadt sehe die Einrichtung einer Energie-Agentur immer noch als überflüssig an, aber Empfingen sei groß genug, um dieses Thema selbst anzugehen.
Munz hat bereits einige Ideen für den Sommer. Er kann sich beispielsweise vorstellen, dass falls Bauherren bewusst energiesparsam gebaut haben, sich ein solches Objekt zeigen zu lassen.
Bürgermeister Albert Schindler betonte, dass Empfingen als Maurerdorf bekannt sei und deshalb die Häuser alle gut in Schuss seien. Es gebe in Empfingen 1500 Gebäude. Das Thema Energieeinsparung sei aktueller denn je. Der Ölpreis zwinge dazu, etwas zu machen.
Mittlerweile habe die Stadt Horb ebenfalls eine Energie-Agentur eingerichtet, an die sich Empfingen und Eutingen andocken können. Ein Gespräch dazu werde es am 6. Februar geben, so der Bürgermeister. Passend zum Thema gab Schindler bekannt, dass von den 31 Bauplätzen im Baugebiet "Fischinger Weg/Stunga" 14 verkauft sind. Die Eigentümer müssten innerhalb von zwei Jahren bauen. Dabei werde die Energieeinsparung ein wichtiges Thema sein. Weiter gebe es noch Gebäude, die im Sanierungsgebiet liegen. Dafür seien Zuschüsse möglich. Schindler zeigte sich hocherfreut über die zahlreichen Zuhörer, die zu dem Abend gekommen waren.
Auch der Referent Sebastian Cichon – ein unabhängiger Gebäude-Energieberater – zeigte sich positiv überrascht von der Resonanz. In seinem intensiven Drei-Stunden-Vortrag ging es zunächst um die Schwachstellen eines Hauses. Hier sprach er die Wahl des richtigen Zeitpunktes für die Sanierung an und fragte die Anwesenden, ob sie den Energieverbrauch ihres Hauses kennen. Hierzu wollte Kurt Linder gleich wissen, ob man bei der Berechnung die beheizbare Wohnfläche oder nur die beheizte Wohnfläche zugrunde legt. So werde oft in Schlafzimmern nicht geheizt.
Cichon ist der Meinung, dass auch bei Häusern, die Mitte der 1970er-Jahre gebaut worden sind, Energieeinsparmöglichkeiten von 40 Prozent machbar sind. Im Sinne der Wohnqualität und dem Wohlfühlen riet Cichon, nicht zu warten, bis der Heizkessel kaputt geht. Es gelte, zu entdecken, wo Wärme verloren geht. Wärmebildaufnahmen seien eine gute Möglichkeit, Schwachstellen zu erkennen.
Zur Lüftung von Wohnungen erinnerte Cichon daran, dass man bei der Erneuerung von einem Drittel der Fenster ein Lüftungskonzept brauche. Die energetische Sanierung führe zur Wertsteigerung des Gebäudes. Noch viele weitere Punkte wurden vom Referenten angesprochen, die allesamt interessiert von den Zuhörern aufgenommen wurden. Zusammenfassend stellte Cichon fest, dass die Energieberatung einen Überblicks schaffe und Einsparpotenziale nenne. Ein Maßnahmenkatalog kann erstellt und eine Umsetzungsstrategie entwickelt werden.
Was die Fördermaßnahmen angeht, gab Cichon Tipps. Bauherren, so Cichon, aber auch manche Handwerker, seien überfordert damit, alle Fördermöglichkeiten und deren Vorgaben zu kennen.
Ralph Munz appelierte, dass man bei allem Energiesparen nicht die Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht lassen sollte. Margrit Briegel wollte wissen, wie man Fachwerksbauten einpacke. Dies sei schwierig, so Cichon. Man solle entweder Dämmputze und ökologische Dämmstoffe einsetzen oder – wenn dies nicht gehe – in die Technik investieren.