Empfingen (jb). Die Diskussion um neue Kennzeichen erregt auch in Empfingen die Gemüter. Das Landesverkehrsministerium prüft gerade, ob es auch den Empfingern die Rückkehr zum alten HCH erlauben soll. Der Schwarzwälder Bote hat vor Ort Bürger befragt, was ihnen lieber wäre.

Rudolf Pokorny, 80 Jahre alt, Rektor a.D., hat viel Erfahrung mit den Kennzeichen HOR und HCH. Er ist dagegen, dass es jetzt wieder die alten Kennzeichen gibt. Durch die Verwaltungsreform, bei der doch auch Gemeinden aus den Altkreisen zu einem anderen Kreis kamen, sieht er ein Problem darin, dass es in einem Kreis verschiedene Kennzeichen geben könnte. So geht es im Landkreis Freudenstadt nicht nur um HOR. Aus dem Altkreis Horb wurden Gemeinden wie Sulz dem Landkreis Rottweil zugeordnet; Ergenzingen, früher zum Landkreis Horb gehörend, kam nach Tübingen. Es sei einfach in manchen Landkreisen eine unmögliche Aufspaltung von verschiedenen Kennzeichen. Auch die Kostenfrage dürfe nicht vergessen werden. Wer müsse die höheren Verwaltungskosten bezahlen – der Steuerzahler.

Max Molitor, 87 Jahre alt, kann sich sogar noch erinnern, nach dem letzten Weltkrieg das Kennzeichen FW (Französisch Württemberg) gehabt zu haben. Ihm ist es egal, ob HCH kommt. Wenn er ein neues Auto kaufen würde, wäre es für ihn noch offen, ob er FDS oder HCH nehmen würde.

Dietrich Gerhardt, 72 Jahre alt, findet die Geschichte um HCH eine nette Idee. Er fühle sich mit FDS gut bedient. Das alte Kennzeichen sei nicht mehr zeitgemäß. Auch bei einem neuen Auto würde er sich für FDS entscheiden.

Bärbel Schindler kam 1980 nach Empfingen. Sie hat zum Kennzeichen keine "emotionale" Bindung. Es sei nicht richtig, das Rad zurückdrehen zu wollen. Sie spricht sich für das Kennzeichen FDS aus. Aber sie sieht auch durchaus wichtige Indentifikationen für das Kennzeichen HCH.

Albert Reich, 64 Jahre alt, betrachtet die aktuelle Diskussion um die alten Kennzeichen als "infantile" Kirchturmspolitik, vor allem, was in Horb und Hechingen passiere. "Wir sollten schauen, dass wir ein vereintes Europa bekommen mit einfacheren Strukturen (weniger Bundesländer, weniger Landkreise)". Es sei lächerlich, über alte nostalgische Kennzeichen zu streiten. Er ist für FDS, auch aus Kostengründen.

Heinz Hipp, 68 Jahre alt, findet die Diskussion um die alten Kennzeichen einen Witz. Zu HCH (Hechingen) habe man keine Beziehung mehr. Das Kennzeichen sei nostalgisch. "Wir leben mit FDS (Freudenstadt), ob uns das gefällt oder nicht. Man sollte die Zeit nicht zurückschrauben."

Karl Bauser, 77 Jahre alt, ist lange mit HCH-Kennzeichen gefahren. "Wir wollen zusammenwachsen, nicht auseinander gehen. Auch für die Verwaltung wäre es viel Aufwand. Auch der positive Effekt für den Tourismus bringt keine großen Vorteile. HCH bedeutet nostalgische Erinnerungen, die immer noch da sind, aber mehr auch nicht." Bauser freut sich sogar, wenn er noch ein Auto, Traktor oder einen Anhänger mit HCH-Kennzeichen sieht.