
Von Jürgen Baiker Empfingen. Für den Kulturkreis lebendiges Empfingen, hervorgegangen aus Empfingen 2025, war die Lesung mit Professor Hermann Bausinger ein guter Start ins Jahr 2012. Margrit Briegel gab ihrer Freude Ausdruck über die zahlreichen Zuhörer. Sie stellte den Kulturkreis vor. Dieser sei offen für Anregungen und freue sich über die Mitarbeit weiterer Personen. Er möchte keinem Verein bei der Realisierung von dessen Veranstaltungen Konkurrenz machen, so Briegel.
In seiner Begrüßung ging Hermann Bausinger auf Empfingen ein. Aufgefallen seien ihm im Internet das Museum, die Beatparade und die Vielfältigkeit der Fasnet. Eigentlich brauche man nicht nach Rottweil oder anderswo hin zu gehen, Empfingen biete eigentlich alles, so Bausinger. Ihm sei im Internet aufgefallen, dass Empfingen nur vier Einwohner habe. Er hoffe, dass in "Schindlers Liste" noch ein paar Personen mehr stehen. Er freue sich auf alle Fälle, dass mehr als vier Personen gekommen seinen.
Hermann Bausinger las zunächst aus seinem Buch "Der herbe Charme des Landes – Gedanken über Baden-Württemberg". "Bin ich ein Baden-Württemberger?", so seine Frage. Es komme darauf an, wie man sich definiere. Baden-Württemberg sei mehr als ein Staatsgebilde. Die Badener fühlten sich heute noch teilweise benachteiligt, weil Stuttgart die Hauptstadt sei. Dies komme in Form von Frotzeleien hoch, so im Badener Lied, von dem es inzwischen über 400 Strophen gebe. Es gebe viele Schwabenwitze, aber keine Badenwitze.
Bausinger streifte viele Gegebenheiten im Ländle, so auch Begabungen, wie sie Margarete Steiff und Robert Bosch gezeigt hätten. Mit "le" mache man sich klein, aber man wolle sich damit positiv herausheben, so sein Fazit. Mit "Ländle" war ursprünglich Baden gemeint, bezieht sich aber heute auf ganz Baden-Württemberg.
Zu dem Buch "Wie ich Günther Jauch schaffte" stellte Bausinger fest, dass die Kulturwissenschaft modernisierte Volkskunde sei. Vieles, was der Alltag mit sich bringe, werde in der Wissenschaft nicht berücksichtigt. Durch Beobachtungen der Menschen wolle man diesen auf die Spur kommen. Bausinger zu seinem Buch: Es seien Geschichten, die auf der Beobachtung der Menschen beruhen. Zwei Stunden und 40 Minuten schauen die Menschen täglich Fernsehen. Leute, die prominent seien, könnten machen, was sie wollen – für diese interessierten sich die Leute immer. Zu diesem Buch hat Bausinger ein Vorwort geschrieben, welches er vorlas. "In guten Büchern gibt es keinen Fernseher. Oder er bleibt ausgeschaltet. Ihre Verfasser geben so zu verstehen, dass nicht nur die Monitore immer flacher werden, sondern auch das, was auf dem Bildschirm zu sehen ist: nichts, was in die Tiefe reicht."
Bausinger beschrieb in seiner erfundenen, aber doch sehr realitätsnahen Geschichte "Wie ich Günther Jauch schaffte" den Verlauf, wie seine Teilnahme am Quiz "Wer wird Millionär" ablaufen könnte. Die Bemerkungen von Jauch, seine Fragestellungen, seine Überlegungen als Quizteilteilnehmer hörten sich auf Grund seiner Beobachtungen so realistisch an, dass man meinen könnte, er sei dabei gewesen und hätte durch einen nicht alltäglichen Umstand sogar 50 000 Euro gewonnen, wenn da nicht am Schluss stehen würde "In diesem Moment tat es mir zum ersten Mal leid, dass die ganze Geschichte nicht wahr ist."
Ralf Jandl, bekannt für seine Bücher und Lesungen, meinte: Man könne von Bausinger immer noch lernen.