Elektronikverbund Wie kleine Händler Media-Saturn Paroli bieten

Daniel Gräfe, 21.07.2012 13:00 Uhr

Ditzingen - Neulich war Benedict Kober, Vorstandssprecher beim Elektronikverbund Euronics, bei einem Treffen von rund 80 Firmen, was er eine „Plauderrunde unter Mittelständlern“ nennt. „Viele wussten nicht, was hinter Euronics steckt – und wie groß wir sind“, sagt der 44-Jährige. Darüber war er selbst erstaunt.

Ditzingen - Neulich war Benedict Kober, Vorstandssprecher beim Elektronikverbund Euronics, bei einem Treffen von rund 80 Firmen, was er eine „Plauderrunde unter Mittelständlern“ nennt. „Viele wussten nicht, was hinter Euronics steckt – und wie groß wir sind“, sagt der 44-Jährige. Darüber war er selbst erstaunt.

Euronics ist nach Media-Saturn der größte Spieler in der Unterhaltungselektronik, hat aber ein Wahrnehmungsproblem. Anders als bei Media-Saturn können sich viele Kunden nicht so recht vorstellen, was es dort zu kaufen gibt. Am ehesten wissen die Verbraucher, dass sie bei Euronics Waschmaschinen und Fernseher kaufen können, Smartphones dagegen vermutet man eher bei der Konkurrenz. Doch das soll sich ändern. Seit einiger Zeit schärft Euronics sein Profil und schwört die angeschlossenen Geschäfte auf einheitliche Markennamen ein.

Eine Herkulesaufgabe, denn der Verbund besteht aus rund 1700 selbstständigen Elektrohändlern, meist sind es Mittelständler. Sie haben sich als Genossenschaft zusammengeschlossen, um gegen die Großmacht Media-Saturn zu bestehen. Die Zentrale in Ditzingen mit ihren 280 Mitarbeitern handelt bei den Herstellern bessere Konditionen aus und organisiert großteils den Einkauf und auch einen Teil des Versands. Außerdem hilft sie den Händlern bei der Geschäftsstrategie, berät bei der Kredit­aufnahme und bietet Fortbildungen und günstigere Einkaufskonditionen an. „Wir sind nicht nur eine Einkaufsgemeinschaft, sondern auch ein Marketing- und Serviceclub“, betont Kober.

Die Händler werden ganz auf die Marke getrimmt

Der Club hat viel an seinem Image gearbeitet und das Profil geschärft. In den vergangenen Jahren wurden die Geschäfte auf einheitliche Markennamen umgestellt, Kennzeichen ist der gelbe Stern auf blauem Hintergrund. Es gibt rund 130 Märkte in der Größe von Mediamarkt oder Saturn, die unter dem Namen Euronics XXL firmieren. Dann rund 1400 Euronics-Fachgeschäfte, die die Größe eines Eckladens oder einer großen Filiale haben können. Und schließlich 130 Spezialisten im Premium-Segment, die Marken wie Loewe oder Bose verkaufen. Media@home nennen sie sich. „Wir sind verschieden, aber in den Untergruppen einheitlich“, entgegnet Kober der Kritik, dass der Verbund im Grunde noch immer ein heterogener Haufen sei. „Deshalb können wir unsere Mitglieder gezielt betreuen.“

Was wichtig ist, denn es werde immer schwieriger, hochqualifizierte Verkäufer zu bekommen, sagt Kober. Deshalb stärke man derzeit die hauseigene Weiterbildung. Die Zentrale bietet Training und Coaching für Verkäufer an. Außerdem können Mitarbeiter ab September in der eigenen Business School studieren, die mit der Fachhochschule Südwestfalen kooperiert. „Wir haben festgestellt, dass Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, weil sie studieren wollen. Künftig können sie sich berufsbegleitend weiterqualifizieren, um später eine Führungsstelle zu übernehmen oder selbst einen Euronics-Markt zu eröffnen.“

Mit der Weiterbildungsoffensive wolle man bekräftigen, dass man eine hochwertige Beratung biete. „Media-Saturn hat sich mit enormen Werbegeldern ein Billigpreis-Image verschafft, dagegen kommen wir nicht an. Dabei ist es ein absolutes Märchen, dass der Fachhandel teurer ist“, betont Kober. Künftig versuche Euronics, sich nach außen einheitlicher darzustellen. „Die Geschäfte sollen für die Kunden wie Filialen wirken, das stärkt die Marke.“

Auch Handelsexperten halten das für eine notwendige Strategie: Eine bekannte Marke schaffe Vertrauen und suggeriere den Verbrauchern Vielfalt und Kompetenz.

 
 
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