Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

Eisenbahner-Wohnungen Abfuhr für die Stadt: Patrizia behält Wohnungen im Norden

Josef Schunder, vom 16.02.2012 10:35 Uhr
Die Patrizia AG will Eisenbahner-Wohnungen im Stuttgarter Norden behalten. Foto: Piechowski
Die Patrizia AG will Eisenbahner-Wohnungen im Stuttgarter Norden behalten. Foto: Piechowski
Siehe auch

stuttgart - Den Poker um den großen Wohnungsbestand der Firma LBBW-Immobilien hatten OB Wolfgang Schuster, Finanzbürgermeister Michael Föll und ihre Partner in einem Baden-Württemberg-Konsortium schon am Montagabend verloren. Die Verkäuferin von 21.500 Wohnungen gab den Zuschlag einem Konsortium um die Augsburger Patrizia AG. Am Mittwoch folgte der nächste Dämpfer für die Stadtoberen.

Patrizia ließ wissen, dass sie alle Wohnungen im Bestand halten und verwalten wolle. Der Verkauf einzelner Gesellschaften sei ausdrücklich nicht vorgesehen – das war auf die 4884 Eisenbahner-Wohnungen gemünzt, die über die Eisenbahn-Siedlungsgesellschaft (ESG) in den Bestand der LBBW gekommen waren und von denen ein Teil im Nordbahnhofviertel liegt.

Die Stadtverwaltung möchte sie kaufen und so sicherstellen, dass die Mieter den größtmöglichen Schutz vor Mietpreissteigerungen erhalten und die soziale Struktur in dem Viertel sich nicht völlig wandelt. Umso mehr dürfte die Begründung der Patrizia AG für die Absage verwundern: So eine Veräußerung „widerspräche auch der Sozialcharta“, erklärte Patrizia-Sprecher Andreas Menke.

Große Unterschiede beim Sozialschutz

Die Frage, welcher Anbieter die bessere Sozialcharta versprach und wie die LBBW-Muttergesellschaft damit hätte verfahren müssen, sorgte am Mittwochmittag prompt für Turbulenzen. Hinter verschlossenen Türen stand der LBBW-Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter dem Finanzausschuss des Gemeinderats Rede und Antwort. Manche Teilnehmer sprachen danach von Ernüchterung über das städtische Beteiligungsunternehmen LBBW und ihren Vorstandschef. Ein anderer Stadtrat sagte unserer Zeitung: „Da gab es auch Enttäuschung und Verbitterung.“ Ein weiterer Teilnehmer berichtete, die Fraktionen, allerdings nicht die Liberalen, hätten erkennen lassen, dass man das Engagement der Stadt bei der LBBW mittelfristig überdenken sollte, wenn die Bank ihren öffentlich-rechtlichen Charakter und die ­soziale Verpflichtung verloren habe.

Grund des Ärgers: Zwischen den Angeboten habe es beim sozialen Schutz für die Mieter große Unterschiede gegeben. Die LBBW hätte Konsequenzen daraus ziehen müssen.

Vetter bestritt offenbar jedoch, dass diese Gesichtspunkte berücksichtigt werden durften. Das beim eigentlichen Angebotspreis günstigere Gebot habe nach den Vorgaben der EU-Kommission zwingend berücksichtigt werden müssen. Eine anders lautende Aussage der Pressesprecherin des zuständigen EU-Kommissars, die sich gegenüber unserer Zeitung erklärt hatte, wischte Vetter als verkürzte Position vom Tisch. Andererseits soll er wie am Dienstag die Unterschiede zwischen den sozialen Konditionen als vernachlässigbar dargestellt haben.

Placebo für die Stadt

Wenn die Patrizia AG für gleiche Sozialstandards stehe, könne sie ja die vom BW-Konsortium entworfene Sozialcharta unterschreiben, meinten die Fraktionen. Nach der Sitzung sagten Teilnehmer, falls die Patrizia AG sich dazu durchringe, könnte es eine Mehrheit geben für eine zehnprozentige Beteiligung der Landeshauptstadt am kompletten Wohnungspaket, ohne Zusage nicht.

„Dass unsere Sozialcharta unterschrieben wird, ist die Voraussetzung“, sagte Föll auf Anfrage. Seine Zuversicht ist aber gering, denn mit dem Angebot habe der Stadt nach seinem Eindruck „ein Placebo verabreicht werden“ sollen. Dem Vorstand und dem Verwaltungsrat der LBBW sei der Gedanke der sozialen Verpflichtung einfach nicht wichtig gewesen. Sonst hätten sie dem Patrizia-Konsortium gleiche Sozialkonditionen auferlegen können. Insofern habe man bei Vetters Besuch im Rathaus „den Auftritt des Unschuldslamms erlebt, das Krokodilstränen vergießt“. Strategische Entscheidungen über das Engagement bei der LBBW aus der Verärgerung heraus, lehnte Föll ab. Die Zeit und der Anlass, über die Sinnhaftigkeit nachzudenken, „werden aber kommen“.

Mindestens der Form halber wolle man das Angebot für den Wohnungskauf im Nordbahnhofviertel noch schriftlich abgeben. Außerdem werde man sich heute, wenn die Fraktionen das Thema beraten, wohl eine Erhaltungssatzung für das Viertel vornehmen. „Das ist nicht seligmachend, aber damit können wir wenigstens etwas die Mietpreiserhöhungen nach Wohnungsmodernisierungen begrenzen“, sagte Föll.

Kommentare (0)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
Eltern fordern flexiblere Schulzeiten
Gesamtelternbeirat und Verwaltung informierten über das Ganztagskonzept und stießen auch auf Skepsis
Anzeigen
Abo & Service
zum Tourenplaner
Ob Wandern, Radfahren, joggen oder vieles mehr: wir bieten Ihnen viele schöne Touren. Mit dem Tourenplaner können Sie einfach und schnell Touren planen.
zum Tourenplaner »
 
Die passenden iPhone-Apps für unterwegs
Wandern Schwarzwald
Wandern
Schwarzwald
  Mountain-Bike Schwarzwald
Mountain-Bike
Schwarzwald
  Radfahren Schwarzwald
Radfahren
Schwarzwald
  Winter Touren Schwarzwald und Schwäbische Alb
Winter Touren
Schwarzwald/ Schwäb. Alb
Anzeige
 
Ansicht Listenansicht Miniaturansicht
 
Balingen - Kleine EM-Experten
Damit Sie's mal genau wissen: Kinder des Balinger Kindergartens Neige erklären Fußball.
3. Schwarzwald Powwow in Unterkirnach
Indianer im Schwarzwald: Drittes Schwarzwald Powwow mit Teilnehmern aus ganz Europa.
Vorentscheid des VS Music Contest
In der Villinger Scheuer kämpfen seit Freitag 16 Bands um den Einzug ins Halbfinale.
HBW: Knappe Niederlage gegen Göppingen
27:31 - Balingen gelingt es am Ende doch nicht, gegen das Traditionsteam aus Göppingen zu gewinnen.
Was macht die Faszination des Handballs aus?
Was fasziniert die Fans am Handballsport? Wir haben die Fans des HBW Balingen-Weilstetten gefragt.
Springbreak-Party im Fame
Gogo-Girls, Wet-T-Shirt Contest und Partymusik in der Diskothek Fame.
HBW-Handballer verlieren gegen HSV
Balinger Handballer verlieren mit einem eher knappen 21:26 gegen den amtierenden Meister.
HBW-Umfrage: Wie schlägt man starke Mannschaften?
Wir haben die Fans gefragt, wie es die "Gallier von der Alb" schaffen können, auch starke Teams zu besiegen.
Gibts den Traumjob überhaupt?
Was macht den Traumjob aus? Wir haben bei den Besuchern der "Jobs for Future" nach Antworten gesucht.
HBW holt Sieg gegen Wetzlar
Nach einer Woche der Niederlagen konnte der HBW endlich wieder einen Sieg einfahren.
HBW-Fanfrage: Nullschritt
Expertenfrage: Wir wollten wissen, was man beim Handball unter einem "Nullschritt" versteht.
HBW-Fanfrage: Was ist ein Dreher?
Der "Dreher" ist ein österreichischer Volkstanz. Aber was verstehen Handballer darunter?
HBW kämpft bis zur letzten Sekunde
Vasilakis trifft mitten ins Herz: Bundesligist HBW unterliegt Melsungen mit mit nur einem Tor.  
Narrensprung 2012 in Rottweil
Strahlend blauer Himmel zaubert am Fasnetsdienstag die ideale Kulisse für den Narrensprung.
Fackelumzug durch Neufra
Am Fasnetsamstag hat die Burgnarrenzunft Neufra zum Fackelumzug geladen.
Klepferwettbewerb in Rottweil
Bei bitterkalten Temperaturen nahmen weniger Kinder am Klepferwettbewerb teil als gewohnt.
Feuer wütet in Hechingen
Mehrere Häuser schwer beschädigt. Frau unter dramatischen Umständen gerettet. Drei Verletzte.
Sprung der Urhexe in Bräunlingen
Mit Getöse wurden die 16 schaurig-schönen Gestalten vom Hexenmeister geweckt.
22-Jährige stirbt bei Brand
Haus in Tieringen brennt. Mutter und Sohn können sich retten, Tochter kommt ums Leben.
Dieter Thomas Kuhn besingt Balingen
Sonnenblumen und Schlaghosen - hunderte Besucher feiern den Schlagergott DTK.
    Blättern
  • <
  • 1
  • 2
  • 3
  • >
 
Nachrichtenticker
17:32   Kabinett beschließt Mietrechtsreform und besseren Patientenschutz
17:29   Staatsanwaltschaft ermittelt - Fortuna will endlich Aufstieg feiern
17:00   Hollande erneuert Forderung nach Eurobonds
16:58   Neonazi-Mordserie: Beckstein vermutete früh Fremdenhass als Motiv
16:56   Berliner Ermittlungen gegen Wulff abgeschlossen
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren

Jetzt gleich downloaden Mehr Infos

Sporttabellen & Termine
Anzeigen
Interaktiv
  • Umfrage
Unser Star für Baku - Roman Lob

Baku rüstet sich für den Eurovision Song Contest. Glauben Sie, dass Deutschlands Vertreter Roman Lob erfolgreich ist?

 
Ja, sein Beitrag klingt vielversprechend.
Nein, der kommt nicht mal unter die besten Zehn.
Mir egal, ich schau mir das nicht an.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Neueste Artikel
  • Facebook
  • Google+
  • Twitter
  • Weblogs
Sonderthemen

Schwarzwäder Bote Mediengruppe   Partner    
  Gesundheitsnetzwerk Schwrzwald-Baar   Schwarzwald Tourismus