Stuttgart - Weiterhin spurlos verschwunden sind die unbekannten Einbrecher, die an Heiligabend eine Villa in der Hauptmannsreute im Stuttgarter Norden ins Visier nahmen – und spektakulär flüchteten. In einem gestohlenen Audi fuhren sie mit einem 250-Kilo-Tresor einer Polizeistreife auf und davon. Der Wagen wurde später ausgebrannt im Strohgäu gefunden. Von dem Safe, der womöglich in einen gestohlenen VW Golf umgeladen wurde, fehlt jede Spur. Die Ermittler der Kripo stehen vor einem ungewöhnlichen Fall. Nicht nur, weil der Geschädigte ein Prominenter ist: Der Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz Werner.

Bei den Tätern handelt es sich wohl kaum um Amateure, die zufällig an das Anwesen an der Hauptmannsreute geraten waren. Sie ließen sich nicht davon abschrecken, dass eine Videokamera und das rote Blinklicht einer Alarmanlage deutlich sichtbar an der Frontfassade des Hauses angebracht sind. Die Täter drangen über eine Terrassentür im ersten Obergeschoss in das Haus ein und durchsuchten sämtliche Räume.

War es Zufall oder genau ausbaldowert, dass die Bewohner nicht zu Hause waren? War es Zufall oder gezielte Manipulation, dass die Eindringlinge in aller Ruhe suchen konnten, ohne dass sie von der Alarmanlage gestört wurden? Weil in der Nachbarschaft Geräusche gehört wurden, konnte die Polizei die Tatzeit an Heiligabend nachträglich auf 22.30 Uhr eingegrenzt werden.

Polizisten verloren den Wagen am Birkenkopf aus den Augen

Eine Polizeistreife, die in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag im Stuttgarter Norden unterwegs war, hatte nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Ulmer keine Kenntnisse von dem Einbruch, als sie einen verdächtigen Audi A 6 sichteten. Wären die Insassen mit normaler Geschwindigkeit unterwegs gewesen – sie hätten ihre Pläne mit weitaus weniger Aufsehen abwickeln können. So aber mussten sie mit Vollgas in Richtung Birkenkopf davonrasen. Schließlich hatten sie zu befürchten, dass die Polizei bereits wusste, dass der Audi A 6 zuvor gestohlen war. Das Kennzeichen aus dem niederrheinischen Kreis Wesel war auffällig genug. Die Besitzerin aus Moers war aus Nordrhein-Westfalen zu Besuch im Strohgäu.

Warum der Audi mit der 250 Kilo schweren Beute dem Streifenwagen davonfahren konnte, ist unklar. Die Polizisten verloren den Wagen am Birkenkopf aus den Augen und gaben auf. Im Bereich Wildpark sind zu viele Fluchtrichtungen möglich. Vermutlich entkamen die Täter Richtung Autobahn.

Es sollte bis in die frühen Morgenstunden des ersten Weihnachtstages dauern, bis der Audi wieder auftauchte: Ausgebrannt im Gewann Kernwald zwischen Ditzingen-Heimerdingen und Weissach. Die Täter waren an der Grenze der Kreise Ludwigsburg und Böblingen mit ihrer Beute umgestiegen – in einen roten VW Golf, den sie in Heimerdingen gestohlen hatten. Vermutlich fuhren sie von dort weiter nach Weissach und Flacht, um an der Anschlussstelle Rutesheim auf die Autobahn 8 zu gelangen.

Inzwischen steht fest, dass die Täter sich an Heiligabend reichlich Mühe machten, um an Autos für ihren Coup zu gelangen. Im Weissacher Ortsteil Flacht gab es sechs Versuche, von denen einer klappte. Das erbeutete Auto verweigerte aber nach kurzer Fahrt den Dienst. In Heimerdingen gab es drei Autoaufbruchversuche. Einer davon führte zum Ziel. Wo die Täter den womöglich aufgebrochenen Tresor zurückgelassen haben, ist noch unklar.