Von Manfred Köncke Egenhausen. Judy Bailey war mit den "Söhnen Mannheims" auf Tour, gab ein begeisterndes Open-Air-Konzert in Indien, wurde von 300 000 Menschen in Sydney bejubelt, schrieb einen Song für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika und die Titelmelodie des Kinofilms "Albert Schweizer". Jetzt gab sie mit ihrer vierköpfigen Band ein Konzert in Egenhausen.

Anlass war das 25-jährige Bestehen der Trägergesellschaft der psychiatrischen Fachklinik De’Ignis. Bei der Begrüßung von 250 Zuhörern stellten sich die Gründungsmitglieder Claus J. Hartmann (Geschäftsführer) und Rainer Oberbillig (Leitender Psychologe) sowie die später dazu gestoßenen Rudolf Senst (Leitender Arzt) und Marko Jüttner (Verwaltungsleiter) kurz vor. Steuerberater Hans-Jörg Bäuerle war an diesem Abend verhindert.

Dann gingen in der De’Ignis-Sporthalle die Lichter aus, Regler wurden aufgedreht, rote und gelbe Scheinwerfer tanzten auf der Bühne. Mittendrin Judy Bailey mit strahlendem Gesicht, baumelnden Rastalocken und blendend weißen Zähnen. Sie stampfte mit den Füßen, schwang ihre Gitarre von der Schulter und legte trotz ihrer inzwischen 44 Jahre mit einem Temperament und Rhythmus los, dass ihre Fans begeistert in die Hände klatschten und mit den Fingern schnippten. Daraus wurde im Verlauf des Abends fast ein Mitmach-Programm. Drehungen nach rechts und links und im Kreis, Hände in die Höhe und in den Refrain lauthals einstimmen war angesagt. Und zwar mit offenem Mund: "Ich komme aus der Karibik, da tut man das beim Singen", so die Musikerin, die in London zur Welt kam und auf Barbados aufwuchs.

Die durchweg englischen Lieder, von Bailey mit einer samtrauhen Stimme vorgetragen, haben eine große Bandbreite, sie reichen von fetzigen Pop- und Rockelementen bis zum swingenden Reggae und afrikanischen Klängen. Ihr in unzähligen Livekonzerten gefeierter Sing-along-Song "What i need (O la la)" hat inzwischen Kultcharakter. Ihre Texte sind hymnische, lebensbejahende Lichtblicke und Bekenntnisse ihres tiefen Glaubens. Sie meditiert und philosophiert über die Liebe und beschreibt ihr Glück, drei Kinder geboren zu haben. Sie kennt aber auch traurige Momente.

Judy Bailey verbrachte ihre Kindheit auf einer Insel in den Antillen. Mit 17 Jahren begann sie Gitarre zu spielen und zu komponieren. Auf Barbados produzierte sie bereits ein Album, inzwischen sind es elf geworden – das jüngste datiert auf dieses Jahr und trägt den Titel "Travelling". In Deutschland ist die 44-Jährige einem größeren Publikum durch ihr Album "Found the sun" bekannt geworden, die Single "Extraordinary Light" gelangte in die Charts. Inzwischen tritt sie nicht nur in großen Hallen und auf großen Open-Air-Bühnen auf, sondern bewusst an ungewöhnlichen Orten – wie in Gefängnissen. In Egenhausen war sie an keinem ungewöhnlichen Ort, aber auch dort "mitten im Leben".