Ebhausen-Rotfelden. Etwas ruhig geworden ist es um ein mögliches Trias-Zentrum in Rotfelden. Bekanntermaßen wurden beim ehemaligen Steinbruch am Ortseingang des Ebhauser Teilorts so einzigartige Fossilien gefunden wie die Giraffenhalsechse oder auch der Schädel einer Panzerechse.

Mit neu entdeckten Saurierarten, eine davon erstmalig in Europa, wird Rotfelden unter Paläontologen weltweit zu einer der bedeutendsten Fossillagerstätten des Buntsandsteinerdzeitalters (Trias) gezählt. Die Gemeinde Ebhausen hat daraufhin in einer Machbarkeitsstudie prüfen lassen, was eine Dokumentation und Erschließung der Lagerstätte kosten würde. Dabei wurde für ein interaktives Dokumentationszentrum in Rotfelden über die Funde und die Erdsteinzeit ein Kostenvolumen von rund 1,8 Millionen Euro ermittelt.

"Für die Gemeinde Ebhausen wäre der Bau und Betrieb eines Dokumentationszentrums eine einzigartige Chance, die Besonderheit der Funde herauszuarbeiten, für die Gemeinde zu werben, Tagesausflügler – insbesondere Familien – nach Ebhausen zu bringen und das regionale Marketing und den Tourismus im Landkreis zu stärken", heißt es in einer Pressemitteilung der Kommune. Neben den Kosten für den Bau des Trias-Dokumentationszentrums müssen jedoch auch die Unterhaltungs- und Betriebskosten eines solchen Projektes bedacht werden. Insgesamt werden rund 250 000 Euro an Ausgaben für Personal, Sachkosten, Werbung und aktuelle Inhalte angesetzt. Dafür müssten jährlich 50 000 Besucher das Zentrum besuchen. Ein Wert, der nur schwierig zu erreichen sein dürfte.

Die Investition von 1,8 Millionen Euro für das Gebäude und die Erschließung der Grube könnte über verschiedene Zuschüsse und Beteiligungen des Landkreises auf einen Eigenanteil der Gemeinde Ebhausen von etwa 300 000 Euro fixiert werden. "Ein Betrag, der sicher diskussionsfähig ist und grundsätzlich vorstellbar wäre", heißt es in der Pressemitteilung. Auch wäre die wissenschaftliche Begleitung durch das Naturkundemuseum in Stuttgart gesichert.

Große Bedenken bestehen jedoch hinsichtlich der Betriebskosten. Eine kleinere und finanzschwache Gemeinde wie Ebhausen könne sich ein laufendes Betriebskosten-defizit von jährlich bis zu einer sechsstelligen Höhe nicht leisten, zumal die Gemeinde das Projekt innerhalb eines regionalen Zusammenhangs sieht.

Verschiedene Versuche, weitere Betriebsträger wie zum Beispiel das Land, den Landkreis oder auch private Sponsoren mit einzubringen, scheiterten bisher. "Die Gemeinde Ebhausen hat deshalb die Reißleine gezogen und das Vorhaben vorerst storniert", lässt Bürgermeister Volker Schuler mitteilen.

Ähnlich erging es dem Projekt eines Archäoparks in Niederstotzingen. Dieses Vorhaben scheiterte zuerst auch an der mangelnden Abdeckung und Beteiligung an den Betriebskosten. Daraufhin konstituierte sich ein Freundeskreis aus Politik, Wirtschaft und Bürgern, welcher der Stadt unter die Arme griff. Dieser Freundeskreis sammelte den stolzen Betrag von über 600 000 Euro, der dem Archäopark für die Deckung von Betriebsdefiziten zur Verfügung gestellt wird. Der Archäopark wird gerade gebaut; Eröffnung wird im Frühsommer 2013 sein.

Unkonventionelle Projekte bedürfen unkonventionelle Lösungen: Die Gemeinde Ebhausen kann sich deshalb vielfältige Ansätze vorstellen, wie über einen Förderkreis ähnlich wie in Niederstotzingen die Bürger und die Wirtschaft eingebunden werden könnten. Es bleibt aber ausgeschlossen, dass die Gemeinde Ebhausen als alleiniger Projektträger auftritt und das finanzielle Risiko alleine stemmt. "Wir sehen dieses einzigartige kulturhistorische Vermächtnis unserer Region auch nicht alleine in den Händen eines kommunalen Gremiums angesiedelt, sondern erwarten eine breite Basis und Unterstützung aus der Region. Wenn dieses Interesse nicht besteht, dann hat das Projekt auch keine Chance", erklärt Volker Schuler. Für Gespräche über Initiativen oder Ideen stehe er jedem gerne zur Verfügung.