Von Bodo Schnekenburger

Kreis Rottweil. Morgen fällt der Vorhang für ein Großprojekt – und damit lüftet sich der Vorhang für eine lange erwartete Publikation: Das Werkverzeichnis von Landolin Ohnmacht wird vorgestellt. Fast pünktlich zum 252. Geburtstag am 6. November.

Man kann sich vorstellen, dass Initiator Julius Wilbs eher ein anderes Datum im Hinterkopf hatte, doch manche Sache braucht eben ihre Zeit. Und mehr Zeit, Daten zu erheben, schadet ja nicht. Denn es könnte ja noch ein bislang unbekanntes Stück auf dem Kunstmarkt auftauchen.

Vorderhand ist es jedenfalls gelungen, alle bekannten Arbeiten von Landelin Ohnmacht zu erfassen, darunter auch viele Bildwerke aus Privatbesitz in der Region. Das heißt: Auch Arbeiten, die verschollen oder zerstört sind, werden gelistet. Das heißt aber eben nicht, dass es nicht noch die eine oder andere Arbeit geben könnte. Übrigens nicht nur im Privatbesitz, sondern auch in öffentlichen Sammlungen, deren Inventare in den Wirren der diversen Kriege seit Ohnmachts Tod 1836 nicht immer à jour geführt wurden.

Für den Text zeichnet die Kunsthistorikerin Mechthild Ohnmacht verantwortlich, die mit dem in Dunningen geborenen Bildhauer freilich nichts zu tun hat – außer beruflich. Oder doch? Inzwischen könnte es doch zwei feine Linien zu einem gemeinsamen Punkt geben. Was an der Arbeit allerdings nichts ändern würde. An Ohnmacht, die Autorin, kam Julius Wilbs, unter anderem Leiter des Dunninger Heimatmuseums und ein Mann, der sich seit Langem um einen gebührenden Platz des begabten Bildhauers im Bewusstsein der Nachgeborenen bemüht, über eine Recherche zu Ohnmacht, dem Künstler. Wilbs sollte mit Blick auf die 1200-Jahr-Feier Dunningens 1986 über berühmte Persönlichkeiten aus der Gemeinde schreiben. Bei den Recherchen stieß er auf eine Mechthild Ohnmacht, die eine Ar­beit über Landolin Ohnmacht geschrieben habe, erinnert er sich. Zu einer Kooperation im Sinne einer Publikation sei es damals nicht gekommen, allerdings konnte Wilbs die Autorin für einen Vortrag anlässlich der Überlassung der Göttinnen-Büste als Dauerleihgabe ans Heimatmuseum gewinnen. Als Ohnmacht, die Autorin, in Ruhestand ging, war der Zeitpunkt gekommen, das Projekt "Buch" sanft aber bestimmt wieder anzuschieben.

Das Ergebnis wird am morgigen Sonntag ab 10 Uhr in der Aula der Eschachschule vorgestellt. Nicht ohne Stolz – und mit einem Augenzwinkern – spricht Wilbs von "Jahrhundertwerk". Den Anspruch erhebt es, weil es die erste, mit den erwähnten Einschränkungen, vollständige Darstellung desWerks von Landolin Ohnmacht ist. Das Augenzwinkern ergibt sich aus der formalen Begründung. Das bis zu diesem Zeitpunkt einzige Buch über Landolin Ohnmacht ist nämlich von Ignaz Rohr im Straßburger Verlag Karl J. Trübner herausgebracht worden – vor 101 Jahren. Ach ja, und geklärt ist jetzt auch, weshalb Landolin Ohnmacht Landelin heißt.

Dass das von der Gemeinde Dunningen und dem Landkreis herausgegebene "Jahrhundertwerk" zustande kam, ist sicher Wilbs’ Beharrlichkeit und seinem Sinn für die Kunst zu danken und natürlich auch der Autorin. Ohne finanzielle Rückendeckung wäre eine Realisierung unmöglich. OEW und Kreissparkasse sitzen mit im Boot, die Stadt Rottweil will mitpaddeln.

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