
Dornstetten - Jetzt ist es amtlich: Rolf Straub fordert Bürgermeister Dieter Flik heraus. Gestern Vormittag hat der 51-jährige Diplom-Verwaltungswirt seine förmliche Bewerbung im Dornstetter Rathaus abgegeben.
Mitte Januar hatte der verheiratete Vater von fünf Kindern eine Postkarte verteilt und die Bürgerschaft gefragt: "Wünschen Sie einen Wechsel an der Spitze dieser Stadt? Trauen Sie mir dieses Amt zu?" Das Echo auf diese Aktion sei überwältigend gewesen, teilte er gestern mit: "Unglaublich viele Leute aus Dornstetten und aus den Stadtteilen, die mich kennen oder auch nicht, forderten mich auf, zu kandidieren", freut sich Straub über diesen "eindeutigen" Zuspruch. "Wir sind uns offenbar einig – Dornstetten kann mehr", schreibt er weiter.
Das berufliche Rüstzeug bringe er allemal mit, heißt es in der Pressemitteilung Straubs. Sein Studium an der Fachhochschule in Villingen-Schwenningen zum Diplom-Verwaltungswirt-Polizei befähige ihn zum Führen öffentlicher Verwaltungen. Auch Führungspraxis könne er reichlich vorweisen. Im Rang eines Kriminaloberrats leitet Rolf Straub seit 2008 die Kriminalpolizei der Polizeidirektion Freudenstadt. Davor hatte der gebürtige Haiterbacher leitende Positionen in Stuttgart und Karlsruhe inne.
Für Straub ist "die richtige Ansprache entscheidend, im Umgang mit den städtischen Mitarbeitern genauso wie im Dialog mit Gemeinderäten und mit der Bürgerschaft. Hier macht der Ton die Musik." Gerade die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren "des einstmals intakten Gemeinwesens" scheine in Dornstetten derzeit gestört, habe er aus vielen persönlichen Gesprächen der vergangenen Wochen herausgehört. "Es lief einfach schon mal besser in dieser Stadt – und genau da wollen ich und viele mit mir wieder hin."
Dazu möchte Straub im Falle seiner Wahl einen anderen Stil pflegen, wenn Entscheidungen getroffen werden – nämlich "möglichst miteinander, nicht aber gegeneinander oder von oben herab". Die "wenig geschickte Vorgehensweise in der Bahnhofstraße" sei nur ein Beispiel dafür, wie es heutzutage nicht mehr laufen dürfe: "Die Menschen, persönlich Betroffene zumal, wollen nicht übergangen, sondern eingebunden werden." Deshalb würde ein Bürgermeister Rolf Straub "nicht den Konflikt suchen, sondern den Konsens".
Mit seiner Familie wohnt Straub, der in seiner Freizeit gerne sportlich aktiv ist und schreinert, seit den 1990er-Jahren in der Silbergasse. In dieser Zeit habe er ein feines Gespür für die Dornstetter Bedürfnisse und Befindlichkeiten entwickelt. Zugleich habe er sich seine Unabhängigkeit bewahrt. Auch politisch fühle er sich nichts und niemandem verpflichtet: "Ich bin parteilos und werde es auch als Bürgermeister bleiben." Auf diese Weise könne er allen Fraktionen im Gemeinderat uneingeschränkt und vorbehaltlos die Hand reichen. Ihm sei nicht verborgen geblieben, dass auch dieses Gremium von der Bevölkerung schon mal bessere Noten ausgestellt bekommen habe, so Straub. Er sei jedoch zuversichtlich, "dass wir zu einer gedeihlichen Zusammenarbeit zurückfinden können" und wisse aus Erfahrung: "Da werden dann aber alle Beteiligten an sich arbeiten müssen."
Rolf Straub ist evangelisch. Seine Ehefrau Beate, die als Hebamme schon viele kleine Dornstetter mit ihren Müttern betreute, war über Jahre auch als Kirchengemeinderätin aktiv. Die gesamte Familie unterstütze die Kandidatur - und sei es beim Verteilen von Drucksachen in mehr als 3000 Haushalte im gesamten Stadtgebiet. Schon bald wollen die Straubs mit weiteren Helfern ausschwärmen, um Einladungen zum ersten Bürgergespräch in die Briefkästen zu streuen: In Hallwangen lädt der Kandidat auf Donnerstag, 9. Februar, ab 20 Uhr in die Gaststätte Adler ein.
Zur Frage, warum er sich nicht schon früher bewarb, teilt Rolf Straub mit: "Ich hatte zu tun." Ein Kripochef könne sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen. Und die Bewerbungsfrist ende ja erst am Montag, 6. Februar. Ab sofort habe er Urlaub. Straub: "Jetzt geht’s los."