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Dornstetten - Weder die Demonstration vor dem Rathaus für einen Bahnhaltepunkt Aach noch der Appell im Rat, einen Kompromiss zu finden, waren von Erfolg gekrönt: Der Dornstetter Gemeinderat hat die Kombination "Aach und Heselwiesen-neu" abgelehnt. Vorerst gibt es also keine neuen Haltepunkte.
Rund 150 Bürger hatten sich am Dienstagabend vor dem Rathaus versammelt, um den Räten ihren Wunsch für die Abstimmung über die Lage der Bahnhaltepunkte in Dornstetten mit auf den Weg zu geben. Manche taten dies mit Vuvuzela-Sound und Trillerpfeifen, andere wählten stille Arten der Willensbekundung: die rote Karte oder ein großes Banner, auf dem "Wertes Gremium, bitte stimmen Sie heute für ›Heselwiesen-neu‹ und ›Aach‹, danke!" geschrieben stand. Der Dank kam zu früh.
Den bisherigen Bahnhof in Dornstetten aufzugeben und neue Haltepunkte als einzige Alternative an den Standorten "Aach" und "Heselwiesen-neu" einzurichten – so lautete der Beschlussvorschlag der Verwaltung. Sieben Stadträte stimmten am Ende dafür, sieben dagegen, drei enthielten sich. Der Patt kommt der Ablehnung des Beschlussvorschlags gleich und hat – bis auf Weiteres – zur Folge, dass Aach keinen eigenen Bahnhaltepunkt bekommt und es in Dornstetten beim Bahnhof bleibt. Denn die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) hatte wiederholt erklärt, dass sie kein Planfeststellungsverfahren mit der Kombination "Aach und Heselwiesen-alt", die von den meisten Gemeinderäten favorisiert wird, einreichen werde.
Bürgermeister Dieter Flik blies, als der Entscheid zu den Bahnhaltepunkten anstand, zum "Finale" und forderte die Räte auf, den Empfehlungsbeschlüssen der Ortschaftsräte Aach und Hallwangen zu folgen, den Zuschuss in Millionenhöhe nicht platzen zu lassen, auf die Vertreter der Bürgerinitiative für Aach zu hören und das Signal auf "grün" für die Haltepunkte "Heselwiesen-neu" und "Aach" zu stellen. Der FW/CDU-Fraktionsvorsitzenden Pascale Peukert gegenüber gab sich Flik verwundert, dass sie "im Wissen, dass diese niemals kommen wird", eine Resolution für die Kombination "Heselwiesen-alt und Aach" verfasst habe. "Es wäre ehrlicher gegenüber dem Bürger gewesen, gleich zu beschließen, dass es beim bestehenden Bahnhof bleiben soll", so Flik.
Neun Kernstadt-Räte hatten die Resolution unterschrieben – Pascale Peukert erklärte nun, wie es dazu kam. Der Gemeinderat respektiere in der Regel Empfehlungsbeschlüsse der Ortschaftsräte in Aach und Hallwangen. In der Kernstadt gebe es ein solches Gremium nicht: "Wir haben keinen Dornstetter Ortschaftsrat, wir haben aber ein Dornstetter Interesse", das in der Resolution zum Ausdruck komme. Für ihre Fraktion stellte Peukert klar, dass diese für zwei Haltepunkte in Dornstetten sei. Sie selbst könne sich aber nicht für "Heselwiesen-neu" erwärmen. Die Stadträtin räumte ein, Flik habe mit dem Vorwurf, sie sei seit drei Jahren mit ihrem Einsatz für "Heselwiesen-alt" bis nach Stuttgart gegen Wände gelaufen, sogar Recht. Peukert konterte: "Wir hatten das Gefühl, dass Sie nicht hinter uns stehen." Deshalb habe man Flik gegenüber das Vertrauen verloren.
Er stimme mit Nein, weil er mit dem Verfahren nicht einverstanden sei, kündigte Erwin Wetzel an. AVG-Vertreter Reinhard Bickelhaupt, dessen Aussagen ohnehin zum Teil "unwahr" seien, habe erklärt, dass er auch ohne den Gemeinderat entscheiden könne. "Wofür braucht man uns eigentlich?", fragte Wetzel. "Ich fühle mich belogen und manipuliert", so Wetzel, der angesichts demonstrierender Bürger vor und buhender Zuhörer im Sitzungssaal gar von "Nötigung" sprach.
Walter Reisbeck verwies auf ein Votum des ehemaligen Gemeinderats, das 18 zu drei für "Heselwiesen-alt" gelautet habe. "Hätte der Bürgermeister seine Aufgabe wahrgenommen", diesen Beschluss zu vertreten, so Reisbeck, "hätten wir dieses Übel nicht". Bahn und AVG planten über Dornstetter Territorium, deshalb müsse man diese "an den Tisch zwingen". Zudem sehe die Situation am Standort Heselwiesen "mit Einbeziehung zweier erworbener Grundstücke ganz anders aus", begründete Reisbeck sein Nein.
"Warum hat man nicht noch einmal überplant, seit wir die Grundstücke haben?", fragte Fritz Fahr. Durch die neue Entwicklung sei der Zugang zum Haltepunkt problemlos möglich. "Jetzt sind wir so unter Zugzwang, dass wir gar nicht anders können." Er wolle zwei Haltepunkte, sei aber kein Verfechter von "Heselwiesen-neu" und enthalte sich, auch weil er nicht abschätzen könne, ob ein Nein bedeute, dass die AVG zurück zum alten Bahnhof gehe.
"Ich gehöre nicht zu den Umfallern", betonte Joachim Kumm, der die Resolution mit unterschrieben hatte. Sein jetziges Ja habe aber damit zu tun, dass es "keine Alternativen" gebe. "Alternativlos" nannte die Entscheidung auch der Aacher Ortsvorsteher und Gemeinderat Hermann Friedrich. "Heselwiesen-neu" sei für viele zwar nicht das "i-Tüpfelchen obendrauf", aber gut für die Schüler am Schulzentrum mit Einzugsbereich bis Alpirsbach und Bittelbronn, die beide an der Schiene lägen. "Wenn wir für ›alt‹ stimmen, ist es gegen Aach", sagte Monika Schwarz und bat ihre Kollegen "inständig, noch mal zu überlegen", zumal sie keinen Anhaltspunkt sehe, dass bei der AVG noch etwas anderes zu erreichen sei. Auf ihre Initiative erfolgte die Abstimmung namentlich.
Ob das Patt das endgültige Aus für den Haltepunkt Aach bedeutet, ist nicht klar. Wie berichtet, hatte Reinhard Bickelhaupt unserer Zeitung gesagt, dass die AVG den Fall Dornstetten erst einmal ruhen lasse, wenn sich der Gemeinderat für "Heselwiesen-alt" entscheidet. Das Buch sei dann nicht zu, aber es werde erst einmal weggeschoben.
Sieben lange Jahre hat der Dornstetter Gemeinderat über zwei Bahnhaltepunkten gebrütet. Was dabei herauskam? Nichts. Durch Beharren auf einem Standort, den die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) ausschließt, nimmt die Ratsmehrheit in Kauf, dass Aach über die Klinge springt. Dies den Bürgern zu vermitteln, dürfte schwierig werden. Bürgermeister Dieter Flik hat es nicht geschafft, den Gemeinderat zu einer mehrheitsfähigen Lösung zu führen. Wie viel Vertrauen zerstört ist, zeigt auch dieser Beschluss. Und nun? Selbst wenn mancher nach dem Motto "Neuer Bürgermeister, neues Glück" verfährt, ist nicht gesagt, dass die AVG umschwenkt. Sollte sie neue Gespräche anbieten, müssen alle Alternativen auf den Tisch und ergebnisoffen geprüft werden, um zu einem Gesamtkonzept für die Stadt zu kommen – Bahnhofstraße und Busbahnhof inklusive.
Von Dirk Haier