
Dornstetten. Dem komplexen Drama "Woyzeck" von Georg Büchner widmete sich der Oberstufenkurs des Wahlfachs Literatur und Theater des Dornstetter Gymnasiums in einer Werkschau, die einem kleinen Publikum in der Aula präsentiert wurde.Büchners "Woyzeck", eines der meistgespielten Dramen der deutschen Literatur, erzählt eine scheinbar einfache Geschichte: Ein junger und verarmter Soldat wird von seiner Freundin Marie betrogen und bringt sie aus Eifersucht um. Doch hinter diesem simplen Plott steckt viel mehr. Büchner hat mit dem Fragment gebliebenen Stück aus dem Jahr 1836 ein offenes Drama geschaffen, das sich auf für damalige Zeiten völlig unübliche Weise eines einfachen Mannes aus dem Volk annimmt und diesen zur Haupt- und Titelfigur macht.
Neben einem Liebesdrama ist es vor allem ein Sozialdrama, das zeigt, wie und warum ein von seinen Vorgesetzten geschundener und psychisch labiler Mensch zum Mörder wird.
Für die Schüler des Dornstetter Gymnasiums ging es an diesem Abend zugleich, wie sie vor Beginn der Vorstellung verkündeten, um die Benotung ihrer eigenständig erarbeiteten Inszenierung durch die Kursleiterin.
In rascher Szenenfolge und mit einfachen Mitteln gelang den acht Schülern eine sehenswerte, wenn auch mit 40 Minuten kurze Inszenierung mit zum Teil überzeugenden schauspielerischen Leistungen. Marie (Anna-Mareike Meinecke, Sarah Seidt) und Woyzeck (Lukas Müller, Johannes Schmidt) traten in zweifacher Ausführung auf. Bei Marie, einer zwiegespaltenen Figur, war das eine durchaus plausible Möglichkeit, während das Rollensplitting bei Woyzeck weniger nachvollziehbar war. Die Peiniger der Titelfigur, der Hauptmann (Louisa Hess, Sascha Skowronnek, Moritz Kläger, Fabian Zähringer) und der Doktor (Sascha Skowronnek), die ungewollt komische und zugleich bestürzend menschenverachtende Texte von sich geben, traten zum Teil gedoppelt auf, was die Abhängigkeit Woyzecks von diesen scheinbar gebildeten Männern noch deutlicher hervorheben sollte.
Woyzeck muss nicht nur einen, sondern gleich vier Hauptmänner rasieren und auf Befehl Wasser lassen, man freut sich über seine Halluzinationen, die aufgrund einer verordneten Erbsendiät auftreten, und verurteilt ihn wegen seines unmoralischen Lebenswandels, denn Woyzeck hat ein uneheliches Kind mit Marie. Aber die Wahnvorstellungen sind auch hausgemacht. Woyzeck leidet unter Schizophrenie, wie sein Kumpel Andres (Moritz Kläger) deutlich zu spüren bekommt. Auch der kann ihm aber nicht helfen, und so sieht Woyzeck zum Schluss nur noch die Möglichkeit, seine Wut, Enttäuschung und Demütigung durch Maries Geliebten, den Tambourmajor (Fabian Zähringer) zu besiegen – er führt Marie vor die Stadt und tötet sie.
Das bestürzende "Anti-Märchen", das im Stück eigentlich eine Großmutter erzählt und das die universale Kälte und Verlorenheit des Menschen darin zum Thema hat, wurde von den Schülern als Rahmen gewählt und entfaltete, im Wechsel beziehungsweise im Chor gesprochen, seine eindrucksvolle Wirkung.