Dornstetten - Der Ampel-Planer war verblüfft: Sollte sich der Dornstetter Gemeinderat bei der Wahl zwischen Kreisverkehr und Signalanlage am Verkehrsknoten Tübinger Straße/Bahnhofstraße tatsächlich für eine Ampel entscheiden? Das Gremium tat es nicht und blieb nach langer Diskussion beim Kreisel.

In der Sitzung am 11. September hatten sich Teile des Gemeinderats noch nicht in der Lage gesehen zu entscheiden, wie die Verkehrsführung an der Kreuzung Bahnhofstraße/Tübinger Straße/Freudenstädter Straße künftig aussehen soll (wir berichteten). Zum einen sollte die vorgestellte Kreisverkehr-Variante nach Möglichkeit mit dem Landratsamt noch einmal nachgebessert und der Kreisel weiter von den unterhalb liegenden Geschäften weggerückt werden, zum anderen wurden nähere Informationen zu einer Ampel-Lösung gewünscht.

Auf eine Optimierung, was den Kreisverkehr angeht, machten Bürgermeister Bernhard Haas und Planer Sebastian Rolfes vom Ingenieurbüro Alwin Eppler nach einem Gespräch im Landratsamt nun keine Hoffnung. Das Straßenbauamt sehe nach wie vor keine Möglichkeit, den Kreisel mit einem Durchmesser von 24 Metern weiter nach oben zu versetzen, hieß es.

Auch die ausführlichen Erklärungen von Heinz Müller vom Ingenieurbüro für Verkehrstechnik (IVT) dazu, wie eine Lichtzeichenanlage an der Kreuzung aussehen würde, machten die Räte nicht glücklich. Er hatte seiner Untersuchung, die er am Dienstagabend im Bürgersaal vorstellte, Verkehrsprognosezahlen für das Jahr 2025 zugrunde gelegt und machte klar, dass für eine Ampel-Lösung gewisse "Zutaten für die leistungsfähige Signalisierung" nötig wären: eine längere Linksabbiegerspur auf der Bahnhofstraße und eine längere Linksabbiegerspur auf der Tübinger Straße mit jeweils zusätzlichem Flächenbedarf, der unter anderem einen Wegfall von mindestens zehn Parkplätzen – beim Kreisverkehr sind es 14 – in diesem Bereich zur Folge hätte. Dies alles sei nötig, um den Verkehr einigermaßen zügig abwickeln zu können. Wegen der längeren Abbiegespur würde der Fußgängerüberweg in der Tübinger Straße weit nach unten in Richtung Hauptstraße rücken, machte Müller weiter deutlich. Und er bestätigte ein weiteres Problem der Ampel, auf das zuvor schon Walter Reisbeck hingewiesen hatte: Fahrer, die aus der oder nach links in die Gartenstraße einbiegen wollten, seien auf den guten Willen anderer Verkehrsteilnehmer angewiesen.

Zudem verwies der Planer in seiner Bewertung auf Wartezeiten an der Ampel, die Fußgänger trotz prinzipiell höherer Sicherheit durch die Lichtsignalanlage dazu bewegen könnten, die Ampel beim Überqueren der Straßen zu ignorieren. Müller, der sich in seinem Arbeitsalltag damit beschäftigt, Ampelanlagen zu planen, ließ wiederholt durchblicken, dass er einen Kreisverkehr für die bessere Alternative hält. Er erlebe zum ersten Mal, dass ein Ratsgremium erwäge, eine Ampel einem Kreisel vorzuziehen.

Sebastian Rolfes hatte seine Pläne für den Kreisverkehr noch einmal anschaulicher gemacht und ließ die Räte abheben: In einer 3D-Simulation flogen sie von allen Seiten auf die Kreuzung zu, auch um einen Eindruck von den künftigen Steigungen an der Kreuzung und der Höhe der Sockelmauer hin zu den Geschäften zu erhalten, die an der engsten Stelle vier Meter von den Läden entfernt sein wird.

Doch auch nach der Flugreise kam im Rat wenig Freude auf. Vor einer "Wahl zwischen Pest und Cholera" sah sich Monika Schwarz, die sich überhaupt nicht entscheiden wollte: "Nichts ist gut." "Wir sagen auch nicht, nur der Kreisel ist das goldene Kalb", stellte Oliver Fassiotti vom Bauverwaltungsamt der Stadt fest. Allerdings seien sowohl der Kreisel mit seinen drei Überwegen als auch die Ampel für die Fußgänger besser als die jetzige Situation. "Es ist keiner glücklich", befand Walter Reisbeck und stellte erneut infrage, ob die Eile nötig sei, solange das Verwaltungsgericht über die Gestaltung der Bahnhofstraße nicht entschieden habe. Er sehe sich der Mehrheit der Gemeinderäte verpflichtet, die für die Verschwenkung der Bahnhofstraße gestimmt habe, entgegnete Bürgermeister Haas. Diese wiederum könne man erst umsetzen, wenn die Verkehrsprobleme an besagter Kreuzung gelöst seien: "Ich sehe es als meine Pflicht an, diesen Teil des Bebauungsplans voranzutreiben."

Haas sprach sich für den Kreisverkehr aus – wie die Ratsmehrheit. Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen entschied das Gremium, mit der Kreisel-Lösung in das Bebauungsplanverfahren zu gehen. Die Kosten liegen bei rund 400 000 Euro. Eine Ampel wäre etwas günstiger gekommen.