
Von Sylvia Wiegert Dornstetten. Die Dornstetter Resolution, in der sich neun Gemeinderatsmitglieder für einen künftigen Bahnhaltepunkt "Heselwiesen alt" aussprechen, stößt der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) sauer auf. Sie hat kein Verständnis für die Haltung der Räte.Reinhard Bickelhaupt, Chefplaner der AVG, scheint ziemlich genervt: "Heselwiesen alt kommt für uns als Haltepunkt nicht in Frage", die Gründe dafür habe man ausführlich dargestellt. Sollte der Gemeinderat sich dennoch für diesen Haltepunkt entscheiden, treffe er ein Votum, für das es kein Planfeststellungsverfahren geben wird.
Am kommenden Dienstag soll der Gemeinderat darüber abstimmen, wo die Bahn künftig in Dornstetten halten soll. Während die AVG und Bürgermeister Dieter Flik den Haltepunkt "Heselwiesen neu" in Kombination mit einem weiteren Haltepunkt in Aach realisieren wollen, halten die neun Gemeinderäte den Standort "Heselwiesen alt" für geeigneter.
In einem Schreiben an Bickelhaupt teilte die CDU-Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Bürgermeisterin Pascale Peukert der AVG im Namen ihrer Ratskollegen mit, man wolle zwei Haltepunkte für Dornstetten, einer davon soll "Heselwiesen alt" sein, und diesen Empfehlungsbeschluss werde man dem Dornstetter Rat vorlegen. Gleichzeitig schlägt Peukert neue Gespräche mit der AVG vor, da bei den bisherigen teilweise eine "schlechte Stimmung" geherrscht habe.
Ob sich die Stimmung durch die Resolution bessert, darf allerdings bezweifelt werden. "Wir haben durch die langen Diskussionen schon viel Zeit verschenkt, die Fakten liegen auf dem Tisch, und eine Entscheidung ist überfällig", wettert der Chefplaner der AVG. Auch von einer Vertagung der Entscheidung hält er wenig: "Es gibt keine neuen Aspekte, es ist alles gesagt."
Das sieht die Bürgerinitiative "Bürger für Dornstetten", wohl auch mit Blick auf die bevorstehende Bürgermeisterwahl, anders. Sie forderte schon im Zusammenhang mit der geplanten Verschwenkung der Bahnhofstraße, nicht immer nur mit Teilentscheidungen städtebauliche Fakten zu schaffen, sondern endlich ein schlüssiges Gesamtkonzept für die künftige Stadtentwicklung zu erstellen. Eine zentrale Rolle in diesem Konzept würden auch die Bahnhaltepunkte spielen. Schließlich steht noch immer die von der Fraktion der Freien Bürger ins Spiel gebrachte Variante im Raum, den Busbahnhof an den alten Bahnhof zu verlegen, auf die Verschwenkung der Bahnhofstraße zu verzichten und stattdessen Norma und den geplanten Drogeriemarkt in der Innenstadt auf dem Gelände des jetzigen Busbahnhofs anzusiedeln.
Eine Variante, die bisher nicht geprüft wurde und von der auch Reinhard Bickelhaupt nichts weiß. "Wir richten uns nach den Rahmenbedingungen, die mit der Verwaltung abgesprochen sind", sagt der AVG-Planer, und es gebe keine Mitteilung, dass es alternative Planungen gibt. Sollte die Verwaltung eine neue Variante aufgreifen, sehe dies anders aus. Maßgeblich, so Bickelhaupt, sei, was der Bürgermeister vorlegt, er sei Ansprechpartner für die AVG. Für Verärgerung im Gemeinderat sorgte unterdessen die Nachricht von Bürgermeister Flik, dass der Umbau des Bahnübergangs in Schopfloch, der aus Taktungsgründen beim Bau von zwei Haltepunkten für Dornstetten nötig wäre, komplett von Dornstetten bezahlt werden müsste. 108 000 Euro würde der Umbau kosten, so Flik, und die Nachbargemeinden hätten eine Beteiligung an der Finanzierung abgelehnt.
Sollte der Gemeinderat am Dienstag für "Heselwiesen alt" oder für eine Vertagung der Entscheidung bis zum Vorliegen eines Gesamtkonzepts votieren, will die AVG den Fall erst mal ruhen lassen. Man werde sich dann um andere Haltepunkte kümmern und Dornstetten in der Prioritätenliste weiter nach unten setzen. "Das Buch ist dann nicht zu, aber es wird erst einmal weggeschoben", so Bickelhaupt.