Dornstetten Die Bilanz: "insgesamt recht gut"

Schwarzwälder-Bote, 08.08.2012 04:00 Uhr

Von Dirk Haier Dornstetten. "Dornstetten einen!" hieß sein Wahlkampf-Slogan. Und der neue Bürgermeister Bernhard Haas hat sich auf den Weg gemacht. Heute ist er 100 Tage im Amt.Es ist einer der wenigen heißen Sommertage in diesem Jahr. Die Sonne sticht schon früh vom Himmel, der Marktplatz ist fast menschenleer – Sommerferienzeit in Dornstetten. Ruhe ist eingekehrt, selbst im Rathaus. Bernhard Haas, in kurzem Hemd und mit Krawatte, sitzt an seinem Schreibtisch, vor sich kleine Aktenstapel, wohl geordnet. Auch für ihn sind nach Monaten voller Arbeit entspanntere Tage angebrochen mit weniger Terminen und Verpflichtungen.

Unter ganz anderen Vorzeichen, geradezu turbulent hatte das Jahr begonnen. Der Bürgermeister und der Gemeinderat lagen im Dauer-Clinch, Bürger demonstrierten für zwei Bahnhaltepunkte und gegen eine Straßenverschwenkung, das Image Dornstettens war ordentlich ramponiert, und ein Wahlkampf stand ins Haus.

Als letzter von vier Bewerbern meldete Haas, damals noch Hauptamtsleiter, seine Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters an. Nach dem ersten Wahlgang lag er vorn, nach dem zweiten auch. Am 18. März stand ein strahlender, von den Wochen der politischen Auseinandersetzung aber auch etwas erschöpfter Bernhard Haas vor Hunderten von Bürgern am Rednerpult in der Stadthalle. Wie schon zuvor versprach er auch an diesem Abend nicht viel, nahm sich aber Großes vor: Brücken wolle er bauen und seinen Wahlkampfslogan in die Tat umsetzen.

"Dornstetten einen!" hatte sein Motto gelautet, und gerade dies war bitter nötig – erst recht nach dem spannenden zweiten Wahlgang, vor dem sich Teile der Bevölkerung auch noch in zwei Lager zu spalten drohten – das von Haas-Anhängern und das von Unterstützern seines Hauptkonkurrenten Rolf Straub.

Mit dem Frühling kam die Amtseinsetzung, und in den folgenden Wochen und Monaten entspannte sich die Lage – auch im Gemeinderat, der fortan in gelöster Stimmung Themen abarbeitete. Haas bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung diesen Eindruck: Er habe das Gefühl, die Zusammenarbeit laufe besser, und es herrsche eine "gute Atmosphäre", was auch Voraussetzung sei, "damit man Dornstetten nach vorne bringen und in ruhigen Bahnen arbeiten kann".

Ein kleiner Wandel war in den vergangenen Monaten auch an der Kopfseite des Ratstisches zu beobachten. Nicht selten fungierte der neue Bürgermeister zuletzt als Moderator, und das durchaus bewusst: "Der Gemeinderat ist das Hauptgremium – da bin ich doch nur einer von 17", erklärt Haas. "Wenn er anders entscheidet, muss ich das akzeptieren und mittragen." Am "Moderieren" findet der Rathauschef im Übrigen nichts Negatives. In die Rolle des "Zielvorgebers" müsse er einfach noch "hineinwachsen".

Bei aller guten Stimmung – die im Wahlkampf angekündigte Klausurtagung von Rat und Verwaltung, die auch darauf abzielen soll, den Umgang miteinander dauerhaft zu verbessern, wird es trotzdem geben – im Oktober oder November, schätzt Haas. Vielleicht keine schlechte Zeit, denn im Herbst kommt auch das eine oder andere schwierige Thema zurück auf die Tagesordnung. Die Bahnhaltepunkte etwa, bei denen vor allem die Aacher Bürger auf eine Entscheidung drängen. Ein Treffen mit Landrat Klaus Michael Rückert und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft hat Haas bereits hinter sich, weitere Gespräche zu den Haltepunkten sollen folgen, auch mit den Fraktionsvorsitzenden. Bis sich in Sachen Normenkontrollverfahren etwas tut, kann es zwar Winter werden, und doch gibt es Neuigkeiten zur Bahnhofstraße: Das Baumgutachten liegt vor. Nun sei klar, dass der Mammutbaum mit Mehraufwendungen gehalten werden könne, berichtet Haas. Die Verschwenkung der Straße sei also "auf jeden Fall möglich". Und auch in die von Anwohnern kritisierte Verbreiterung der Straße "Am Aacher Berg" kommt noch einmal Bewegung. Die Stadt sei noch im Gespräch mit Grundstückeigentümern, so der Bürgermeister. Er gehe davon aus, dass sich der Gemeinderat noch einmal mit dem Thema, das eigentlich entschieden war, befasst. Als weitere Themen für den Herbst nennt er noch abzuarbeitende Punkte beim Stadtentwicklungskonzept, die Schulentwicklung und das Ausweisen von Windkraft-Standorten innerhalb des Verwaltungsverbands.

Andere Projekte hat Bernhard Haas dagegen bereits auf den Weg gebracht – etwa mit dem Spatenstich für das Baugebiet Sonnenrain, wo von 2013 an auf neuem Gelände gebaut werden kann, und der Grundsteinlegung für die neue Sporthalle. Außerdem sei die Stadt zurzeit mit Sanierungen beschäftigt: Das Hallenbad erhält eine neue Lüftungsanlage, die Turn- und Festhalle in Hallwangen einen neuen Boden.

"Insgesamt recht gut", so lautet das persönliche Fazit des Bürgermeisters nach seinen ersten 100 Tagen im Amt. Die Zeit seit dem 1. Mai habe er als angenehm empfunden, gerade auch im Hinblick darauf, wie ihm die Bürger begegnet seien. Der Arbeitskreis Altstadt ist eingeladen, bei der Sitzmöbel-Aktion in der Hauptstraße seine Gedanken einzubringen, die Vertreter der Initiative "Bürger für Dornstetten" waren bereits zu einem Gespräch im Rathaus, ein Treffen mit der Bürgerinitiative in Aach über die Bahnhaltepunkte ist geplant: Auf seinem Weg, die Stadt zu einen, geht Haas auch auf die Bürger zu. Genauso wie an diesem heißen Morgen in Dornstetten. Als er beim Verlassen des Rathauses gerade eine Frau passiert hat, die an den Infotafeln am Eingang des Rathauses nach Orientierung sucht, macht er noch einmal kehrt: "Kann ich Ihnen vielleicht weiterhelfen?"

 
 
Kommentare (1)
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AUG
09
Leichtgewicht, 02:58 Uhr

Hamburg-Mann.

'Insgesamt recht gut' - oder wie im Arbeitszeugnis bei uns im Betrieb stehen würde 'hat sich bemüht', also mangelhaft, das ist die wahre Bilanz ! Gleich bei seiner ersten Bewährungsprobe, dem Erhalt der Jugendherberge - die im Artikel nicht einmal erwähnt wurde - hat Haas kläglich versagt, unsere Ortschaftsräte wurden zu Statisten degradiert, die Bürgerschaft schon gar nicht gefragt. Versteht das der neue Schultes unter Demokratie oder ist dies bereits Haas`sche Diktatur ? Wer sind dann die neuen Herren der Hallwanger Herberge ? Religiöse Fanatiker oder kriminelle Banden ? Das Wettbüro im Adler ist eröffnet ! Auch auf ein Rettungsschirmchen unseres CDU-Abgeordneten Fuchtel warten wir wohl vergebens, stattdessen reist er auf Kosten der Steuerzahler durchs Urlaubsparadies Griechenland um den Euro zu retten. Im Gegensatz zu unserem (durch seine Diäten ?) dicken Volksvertreter ist Haas ein Hänfling, ein Leichtgewicht. Aber seine dicken Brocken kommen erst noch: Bahnhofstraße, Bahnhaltepünktchen usw.; ein heißer Herbst steht ihm und uns bevor, bisher war es die Ruhe vor dem Sturm ! ! Und unsere Abgeordneten scheinen ihm dabei nicht zu helfen, wie man am Stadtfest sah - kein einziger Prominenter - wann gab`s das schon ! Hat unser neuer Schultes die Krätze. weil sie einen weiten Bogen um ihn machen ? Einsam stand er da und mußte sich beim Einmarsch mit der Begleitung durch seine Frau und einer älteren Dame begnügen.