Von Tina Eberhardt

Dornstetten. "Hosianna" – vielstimmig und im Solo, leise und im Crescendo, klang es am ersten Advent durch das Schiff der Dornstetter Martinskirche. Zum Auftakt der Vorweihnachtszeit hatte die evangelische Kirchengemeinde zum festlichen Kantatengottesdienst eingeladen.

Unter der Leitung von Wolfgang Meusel, unterstützt von Gastsängern und einem Streicherensemble, gestaltete der Chor der Martinskirche eine Andacht der besonderen Art. Hohe Erwartungen und das Anbrechen der heiligen Weihnachtszeit waren Leitmotive der Feier. Viel Mühe hatten sich Sänger und Gemeinde deshalb auch gemacht, um der Veranstaltung zur rechten Wirkung zu verhelfen.

Mit Anprobe und Soundcheck wurde noch am i-Tüpfelchen gefeilt, während sich die Bänke mit Besuchern füllten. In der Woche zuvor war, passend zum besonderen Ereignis, eine neue Lautsprecheranlage installiert worden.

Pfarrer Siegfried Schanz und Wolfgang Meusel hatten ein fein ausbalanciertes Programm für die feierliche Veranstaltung zusammengestellt. Musik war das starke Element und Medium, dem sich Predigt und Liturgie anpassten. Mit der feierlichen Kantate "Gelobet sei, der da kommt" von Constantin Christian Dedekind eröffnete der Chor den Gottesdienst. Sauber und klar gesungene Solo-Arien reihten sich in flüssiger Folge aneinander und sammelten sich schließlich in einem vollen aber fein kontrollierten Tutti.

Es war eine erhebende Atmosphäre, die sich mit den barocken Klängen im Kirchenschiff ausbreitete. Der Schnee vor den Fenstern der Martinskirche tat sein Übriges zur adventlichen Stimmung. Mit Kirchenliedern und Lesung wurde die Gemeinde in den Gottesdienst eingebunden, dessen Thema vom Chor immer wieder aufgegriffen wurde. Wolfang Meusel und seine Sänger verstanden es dabei, die getragenen Werke mit Leben zu füllen. In der Briegel-Kantate "Siehe, Dein König kommt zu Ehre" zogen sich zunächst wieder melodiöse Klangbögen durch die Kirche, bevor der Chor langsam in ein rhythmisches "Hosianna" verfiel und die dynamische Atmosphäre gelungen im nachfolgenden "Mach Dich auf und werde Licht", forttrug. Sauber strukturiert aber nie starr traten die Register in einen Dialog, der immer wieder von feinen Streicherpassagen durchbrochen wurde. Das Gotteslob wurde bei den Akteuren nicht nur aus gutem Willen gespeist, sondern von solidem Können getragen.

Lebendig und stilvoll wurden Bibeltexte und Predigtbotschaften in Klangbildern visualisiert. Während sich das Streicherensemble sonst bescheiden dem Chor unterordnete, durften auch die drei Musikerinnen in "Freuet Euch im Herren allewege" schließlich in kurzem Glanz erstrahlen, bevor der Chor zum spätmittelalterlich anmutenden Refrain ansetzte und mit einem kraftvollen Dur-Akkord das finale "Amen" in der Kirche verklingen ließ.

Hohe Erwartungen waren das Leitthema gewesen. "Der Chor hat sie übertroffen", lautete Siegfried Schanz‘ sichtlich erfreutes Urteil. Und statt schweigender Andacht hallte aus den Kirchenbänken an diesem Sonntag lang anhaltender Applaus.