Von Hans-Peter Zepf Dornstetten. 14 Mädchen haben am Gymnasium eineinhalb Jahre lang mit Theater-AG-Leiterin Judith Witzke und Deutschlehrer Johannes Wolff geübt. Da trifft es sich gut, dass im Stück "Creeps" hauptsächlich Mädchencharaktere vorkommen. Und die fünf männlichen Rollen spielten sie ebenfalls ohne Mühe.

Es ist der Traum vieler junger Mädchen, unter Hunderten ausgewählt zu werden und eine schillernde Karriere als Moderatorinnen einer coolen TV-Show zu beginnen. Dieser scheint für die drei Protagonistinnen des Stücks "Creep" wahr geworden zu sein. Im Funkhaus stellt sich aber Ernüchterung ein. Lilly, die abgehobene Tochter aus bestem Haus, kapiert es als Erste: Hier hat noch keine den Job, hier geht es erst mal um das Casting dafür.

Zunächst entwickelt sich aber ein Zickenkrieg, hauptsächlich zwischen der angeberischen Lilly in rekordverdächtigen High-Heels ("Wenn Ihr in einen Shop kommt und ich bin nicht da, ist klar, dass der Shop out ist") und ihrem Gegenpol, der unscheinbaren Maren, ein Umweltfreak mit Hang zur Esoterik. Der ausgeglichene Typ dazwischen ist Petra aus Freudenstadt, "der heißesten Stadt im coolen Schwarzwald". Ihr flippiger HipHop-Stil passt irgendwie am besten zum Klischee der Jugendshow. Natürlich hat sie auch einen Freund: Conny, gespielt von Julia Heinrich. Maren hat keinen, sie wird von allen sowieso nur gemobbt. Und auch Lilly ist nicht wirklich an Beziehungen interessiert.

Die Fernsehprofis bekommen die Castingkandidatinnen nicht zu sehen, sondern nur das Auge der Kamera. Brav befolgen Sie die Kommandos von "Off-Voice"-Arno, souverän gespielt von Emilia Schaaf, bis sie merken, wie sie von den Fernsehmachern gegeneinander ausgespielt werden. Dann verbrüdern sich die Konkurrentinnen und sind sich einig: "Hier will ich gar nicht Moderatorin werden!" Wird auch keine, denn natürlich gibt es längst die Profi-Moderatorin Kathleen, gespielt von Corinna Schätzle, die wie die meisten Darstellerinnen eine Doppelrolle zu bewältigen hat. Zwischendurch verteilt sie als Lehrerin Fünfen an Maren. Aber alle drei kommen zu ihrer ersten Fernsehrolle und zum ersten Honorar. Erstmals hat Maren nicht versagt und kann sich doch noch nach Hause trauen, wo ihre Mutter (Annika Emmanuel) große Hoffnungen in sie setzt.

Die drei jugendlichen Hauptdarstellerinnen spielen ihre anspruchsvollen Rollen, als seien sie es selbst. Kann Laura Genkinger im zivilen Schülerleben wirklich anders sein als Discoqueen Petra und Patricia Fischer nicht immer so souverän überlegen wie Lilly? Anna Ziefle möchte man zur Hilfe eilen, wenn sie als Maren von ihren Mitschülerinnen und Lehrerin Corinna gemobbt wird. Dabei zeigt sie, was sie drauf hat, wenn sie ihren Song allein vor der Kamera – oder vor großem Theaterpublikum – singt.