Dornstetten-Aach - So richtig willkommen fühlen konnten sie sich von Anfang an nicht: Seit der Gründung der Silberberghexen Aach hat das Dorf, dessen Namen sie sich einverleibt haben, den Narren nicht gerade den roten Teppich ausgerollt. Jetzt hat sich die Lage zugespitzt.

Mit einem Gästebuch auf einer Internetseite ist es so eine Sache: Als Betreiber hofft man auf freundliche Grüße von Wohlgesonnenen, doch dabei bleibt es oft nicht. Das haben auch die Silberberghexen seit ihrer Gründung erfahren.

Keine Ahnung von der Fasnet?

Mit besten Wünschen aus Urloffen, Baiersbronn, vom Kniebis, aus Oberkirch und Leipzig fing für die neue Fasnet-Interessengemeinschaft alles an. Die Wünsche aus Aach waren weniger freundlich. "Ihr habt doch überhaupt keinen Bezug zu unserem Flecken, seinen Einwohnern und schon gar nicht zu den Vereinen", stellte Markus Leonhardt fest, der Vorsitzende der örtlichen Sportfreunde, die Jahr um Jahr die dreitägige Aacher Fasnet organisieren.

Weitere Vorwürfe von anderen Bürgern folgten: Die Silberberghexen schmückten sich mit fremden Federn und hätten keine Ahnung von der Fasnet, was schon die Hästaufe im Herbst zeige. Und Fragen gab es auch: Warum hätten die Hexen keinen Kontakt zu Aachern gesucht? Warum hätten sie sich nicht mit anderen Zünften in der Gesamtstadt an einen Tisch gesetzt und sich dann noch einmal Gedanken gemacht, ob diese Sache irgendeinen Sinn mache?

Der Abend der Hästaufe kam und mit ihm eine ganze Reihe von – zunächst – quasi Vermummten in schwarzen Kapuzenpullis und mit dunklen Sonnenbrillen von den Sportfreunden. Mit Zwischenrufen störten sie laut Beobachtern die Hästaufe, zu der auch Bürgermeister Bernhard Haas gekommen war. Nun war zu hören, was es im Gästebuch bereits seit Wochen zu lesen gab: Aach brauche keine Silberberghexen. Später gab es vor der Halle Scherben, die Hexen-Gründerfamilie Pagel aus Dornstetten rief die Polizei, und die Störer zogen ab.

Manche Sportfreunde hätten sich primitiv verhalten, meint Dirk Pagel, und bei den Gästen von auswärts sicherlich keinen guten Eindruck hinterlassen. Von Anfang an sei seine Familie auf Ablehnung gestoßen, sagt er, als sie im Hinblick auf eine Zusammenarbeit das Gespräch sowohl mit den Sportfreunden als auch mit dem Fanfarenzug gesucht habe. "Der Einzige, der uns immer wieder unterstützt hat, war Ortsvorsteher Friedrich." Unterkriegen lassen wollen sich die Silberberghexen, die derzeit aus fünf aktiven und drei passiven Mitgliedern bestehen, aber nicht und in der kommenden Saison Einladungen von Zünften wahrnehmen. Im Umkreis sei allerdings nichts geplant, auch nicht in Aach.

Derweil gehen im Gästebuch die Meinungen über das Ausmaß, in dem die Störer ihre Nichtakzeptanz der neuen Narren bei der Hästaufe kundtaten, auseinander. "Wir haben nicht beleidigt, nicht randaliert und niemanden angegriffen", betont Sportfreunde-Chef Markus Leonhardt.

Auf den Seiten des Buches tummeln sich inzwischen illustre Besucher. "Mir ist nichts davon bekannt, dass Gäste beleidigt wurden, im Gegenteil, es gab da ganz nette Gespräche", schreibt etwa der "Hexenfeind". Und dass "Kein Freund" etwas gegen "Rei-gschmeckte" hat, gibt er ganz offen zu. Das, wozu der "Hexenfreund" aufruft, spricht sicherlich manch Außenstehendem aus der Seele: "Miteinander, nicht Gegeneinander!"

Mehr Informationen:

www.silberberghexen-aach.com