Dornstetten Aacher wollen Aacher Hexen nicht

Dirk Haier, 04.10.2012 09:55 Uhr

Dornstetten-Aach - So richtig willkommen fühlen konnten sie sich von Anfang an nicht: Seit der Gründung der Silberberghexen Aach hat das Dorf, dessen Namen sie sich einverleibt haben, den Narren nicht gerade den roten Teppich ausgerollt. Jetzt hat sich die Lage zugespitzt.

Mit einem Gästebuch auf einer Internetseite ist es so eine Sache: Als Betreiber hofft man auf freundliche Grüße von Wohlgesonnenen, doch dabei bleibt es oft nicht. Das haben auch die Silberberghexen seit ihrer Gründung erfahren.

Keine Ahnung von der Fasnet?

Mit besten Wünschen aus Urloffen, Baiersbronn, vom Kniebis, aus Oberkirch und Leipzig fing für die neue Fasnet-Interessengemeinschaft alles an. Die Wünsche aus Aach waren weniger freundlich. "Ihr habt doch überhaupt keinen Bezug zu unserem Flecken, seinen Einwohnern und schon gar nicht zu den Vereinen", stellte Markus Leonhardt fest, der Vorsitzende der örtlichen Sportfreunde, die Jahr um Jahr die dreitägige Aacher Fasnet organisieren.

Weitere Vorwürfe von anderen Bürgern folgten: Die Silberberghexen schmückten sich mit fremden Federn und hätten keine Ahnung von der Fasnet, was schon die Hästaufe im Herbst zeige. Und Fragen gab es auch: Warum hätten die Hexen keinen Kontakt zu Aachern gesucht? Warum hätten sie sich nicht mit anderen Zünften in der Gesamtstadt an einen Tisch gesetzt und sich dann noch einmal Gedanken gemacht, ob diese Sache irgendeinen Sinn mache?

Der Abend der Hästaufe kam und mit ihm eine ganze Reihe von – zunächst – quasi Vermummten in schwarzen Kapuzenpullis und mit dunklen Sonnenbrillen von den Sportfreunden. Mit Zwischenrufen störten sie laut Beobachtern die Hästaufe, zu der auch Bürgermeister Bernhard Haas gekommen war. Nun war zu hören, was es im Gästebuch bereits seit Wochen zu lesen gab: Aach brauche keine Silberberghexen. Später gab es vor der Halle Scherben, die Hexen-Gründerfamilie Pagel aus Dornstetten rief die Polizei, und die Störer zogen ab.

Manche Sportfreunde hätten sich primitiv verhalten, meint Dirk Pagel, und bei den Gästen von auswärts sicherlich keinen guten Eindruck hinterlassen. Von Anfang an sei seine Familie auf Ablehnung gestoßen, sagt er, als sie im Hinblick auf eine Zusammenarbeit das Gespräch sowohl mit den Sportfreunden als auch mit dem Fanfarenzug gesucht habe. "Der Einzige, der uns immer wieder unterstützt hat, war Ortsvorsteher Friedrich." Unterkriegen lassen wollen sich die Silberberghexen, die derzeit aus fünf aktiven und drei passiven Mitgliedern bestehen, aber nicht und in der kommenden Saison Einladungen von Zünften wahrnehmen. Im Umkreis sei allerdings nichts geplant, auch nicht in Aach.

Derweil gehen im Gästebuch die Meinungen über das Ausmaß, in dem die Störer ihre Nichtakzeptanz der neuen Narren bei der Hästaufe kundtaten, auseinander. "Wir haben nicht beleidigt, nicht randaliert und niemanden angegriffen", betont Sportfreunde-Chef Markus Leonhardt.

Auf den Seiten des Buches tummeln sich inzwischen illustre Besucher. "Mir ist nichts davon bekannt, dass Gäste beleidigt wurden, im Gegenteil, es gab da ganz nette Gespräche", schreibt etwa der "Hexenfeind". Und dass "Kein Freund" etwas gegen "Rei-gschmeckte" hat, gibt er ganz offen zu. Das, wozu der "Hexenfreund" aufruft, spricht sicherlich manch Außenstehendem aus der Seele: "Miteinander, nicht Gegeneinander!"

Mehr Informationen:

www.silberberghexen-aach.com

 
 
Kommentare (5)
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OKT
10
Heiße Hex vom Gaisberg, 18:33 Uhr

Narrenfieber

Den neuen Schultes hat wohl nicht nur das Urlaubs- sondern auch vorzeitig das Narrenfieber gepackt. Wie sonst ist es zu erklären , daß er Hexen tauft die keiner braucht ? Wir Aachdemer können alles - auch Fasnet ! Und BM Haas sollte endlich mal unseren Gaisberg ausbauen, den er uns im Wahlkampf hoch und heilig versprochen hat. Wir Wähler fühlen uns sonst von ihm verraten und verkauft. Und was ist mit unserem Bahnhöfle in Aach ? Diesen hat er so still und heimlich beerdigt wie die Jugendherberge in Hallwangen - nicht einmal die Bürgerinitiative hats gemerkt. Wir brauchen einen Macher und keinen Totengräber ! Auf jeden Fall ist die Fasnet 2013 in Aach gerettet: Die lila Kuh wird ihm ordentlich einen Marsch blasen und zur Strafe muß dazu der Schultes als Silberzahnhexe, quasi Haas im Häs, durch den Flecken fetzen.

OKT
08
Freudenstädterin, 16:20 Uhr

Fasnet

In Dornstetten ticken die Uhren eben ein bisschen anders, nicht nur bei der Fasnet, das ist ja auch schon lange bekannt.....

OKT
08
Kat.Rat, 00:03 Uhr

Fasnet

Die Fasnet ist ein uralter katholischer Brauch mit strengen Regeln. Dazu gehört, daß eine Hästaufe nicht vor dem 11.11. stattfinden darf (sonst könnte man es gleich das ganze Jahr närrisch treiben). Bürgermeister Haas, der auch katholischer Kirchengemeinderat für unsere Seelsorgeeinheit ist und dies wissen müßte, hat mit der Überlassung der Halle an die Narren und quasi Patenschaft bei der Hästaufe eine schwere Verfehlung begangen. Viele Mitbrüder und -schwestern fragen sich, ob er damit seinem Amt als moralisches Vorbild noch gewachsen, noch tragbar ist. Unser Dekan sollte hier eine schnelle und saubere Lösung zum Wohle der katholischen Kirche anstreben.

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