
Von Hanni Vollmer Dornhan. Zwei hochkarätige Cellisten präsentierten im Farrenstall eine außergewöhnliche und mitreißende Performance auf höchstem musikalischem Niveau.In leuchtender Akzentuierung, durch und durch maestoso-espressivo zeigte das charmante Duo "Ponticellos", dass ein Cello viel mehr sein kann als nur die tiefe Stimme im klassischen Streichquartett. Staunend verfolgte das Publikum den wandlungsfähigen virtuosen Klangduktus der beiden im Genre Klassik genau so wie bei Jazz- und Rock-Klängen.
Wieselflink modulierten Tim Ströble und Matthias Trück Jean Barrières "Allegro Prestissimo". Bei "Take Five", einer Komposition des Cool-Jazz-Saxofonisten Paul Desmond, fehlte der so typische Saxofonklang kein bisschen.
Erotisch-leidenschaftlich und mit südamerikanischem Temperament interpretierten die beiden Musiker den "Libertango" von Astor Piazzolla. Unglaublich erschienen dabei die Geschwindigkeit von Bogen und Fingern und die souveräne und lockere persönliche Ausstrahlung. Der Blickkontakt zwischen dem Duo zeigte auf, dass das Ganze auf der Bühne anscheinend ein immenses Vergnügen ist und keine Anstrengung. Die beiden Cellisten haben sich wahrlich gesucht und gefunden: Tim Ströble, Komponist und Solo-Cellist der Württembergischen Philharmonie und Matthias Trück, Mitglied des Cello-Quartetts "Quattrocelli" und Leiter der Cello-Akademie Rutesheim. Sie fühlen dieselben Pulse in der Musik, Professionalität und Können verbinden sie mit Experimentierfreudigkeit und Leidenschaft und alles "con fuoco".
Abwechselnd spielte einer der beiden Cellisten das musikalische Motiv, dann wieder die hauptsächlich gezupfte Begleitmelodie. Beeindruckend war, wie leicht die beiden die Stilrichtungen und Klangfarben ihres Instruments wechselten, ohne dabei ihre künstlerische Handschrift zu ändern. "Chan Chan" und "El Carretero" sind zwei Musikstücke aus dem Film "Buena Vista Social Club". Großartig spielten Tim Ströble und Matthias Trück die Stücke der damals über 80-jährigen Musiker, die mit der kubanischen Musik groß geworden waren.
Bei Eigenkompositionen von Ströble wie "Abschied" seufzten die Instrumente traurig, und bei "Zeitlos" pulsierten flammende Tonströme.
Wer hätte gedacht, dass sich ein Cello für Rock-Rhythmen eignet? Die "Ponticellos" bewiesen es bei ihrer zweiten Zugabe "Nothing else matters" von Metallica.