Dormettingen - Gutes Ende nach heftigen Turbulenzen? Ganz klar: Diese Frage kann man wenige Wochen nach der Übernahme des insolventen Bauunternehmens Wochner durch die Vogel-Bau-Gruppe noch nicht abschließend beantworten. Die neue Firmenleitung ist indes mehr als positiv gestimmt und sagt: "Wir sind wieder voll da."

Arbeiten, schaffen, einfach das tun, was man am besten kann – darum soll es nun an den Standorten Dormettingen, Dotternhausen und Schömberg sowie in Leipzig wieder gehen nach der schwierigen, Nerven zehrenden, rund zwei Monate andauernden Zeit des Insolvenzverfahrens. Die ehemalige Geschäftsführung der Sebastian Wochner GmbH um Martin Wochner ist ausgeschieden, die neue Firma mit dem Namen Fertigbau Wochner (FBW) wird von alten Bekannten geleitet, beides langjährige Mitarbeiter: Rudi Mattes ist zuständig für den Geschäftsbereich konstruktive Fertigteile und Halbfertigteile, Jürgen Baumeister für den Bereich Wohn- und Industriebau.

Die Übernahme durch die Vogel-Gruppe bezeichnen Mattes und Baumeister im Gespräch mit unserer Zeitung als "ideale Lösung". Beide Unternehmen seien mittelständisch strukturiert, passten von der Produktpalette prima zusammen, beide Unternehmen seien im Südwesten zuhause. Ein wesentlicher Faktor für die Übernahme war wohl auch: Man kannte sich, sehr gut sogar.

Steffen Daum ist der Mann, der die Verbindung der beiden Unternehmen verkörpert. Der gebürtige Frommerner lernte bei Wochner, war von 1990 bis 2000 bei dem Unternehmen, ehe er zur Vogel-Gruppe nach Lahr wechselte. Dort ist der 41-Jährige heute in der Geschäftsführung für den Bereich Fertigbauteile zuständig.

Die Entwicklung bei Wochner verfolgte er weiter, auch deshalb, weil sein Vater dort bis heute beschäftigt ist, als Oberbauleiter. Als die Insolvenz kam, war Vogel-Bau vorbereitet, war im Bilde, und es gab die schnelle Entscheidung zur Übernahme, obwohl das für Vogel-Bau einen gewaltigen Schritt bedeutet, wie Daum sagt.

Als viel größer als die Risiken bewerteten die Lahrer die Chancen und Perspektiven der Übernahme: "Wir sehen enormes Potenzial im Unternehmen und in den Mitarbeitern", so Daum. Bisher war die Vogel-Gruppe nicht im privaten Wohnungsbau aktiv – mit Wochner wird das anders. Die Vogel-Gruppe besteht nun aus acht Tochterunternehmen mit 900 Mitarbeitern. Im Verbund bilde man "eine Macht im Süden".

Alle 300 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

Wie während der Übernahmeverhandlungen besprochen, sollen alle etwas mehr als 300 Arbeitsplätze erhalten bleiben, bekräftigt Daum. Und er kündigt zudem Investitionen in alle Standorte an. Anders als andere Übernahme-Interessenten wolle man sich nicht die Filetstücke herauspicken, sondern das Unternehmen im Ganzen weiterführen und weiterentwickeln, so Daum. Wichtigstes Nah-Ziel sei es, das wegen der Insolvenz entstandene Auftragsloch zügig wieder zu füllen. Daum ist da zuversichtlich: "Wochner war eine gute Marke und wird es auch bleiben."

Überaus erleichtert und froh über die Übernahme ist Anton Müller. Als Bürgermeister von Dormettingen, dem Wochner-Stammsitz, hat er das Erdbeben und die folgenden Schockwellen nach Bekanntwerden der Insolvenz erlebt. Arbeitsplätze waren bedroht, Handwerker, Zulieferer und Partnerfirmen aus der ganzen Region verunsichert. "Die Zitterpartie hat allenthalben enorme Ängste ausgelöst", so Müller. Jetzt spüre er vielerorts große Erleichterung.

Die Gemeinde hat indes die Neugründung der FBW genutzt, die Ursache für eine fast ein Jahrzehnt andauernd Verwirrung zu tilgen: Der Firmensitz liegt nun an der neu gewidmeten Straße An der Bräunegrube 2 und nicht mehr an der Birkenstraße 22. Auf der Suche nach dieser Adresse hatten sich viele auswärtige Lastwagenfahrer oft mitten im Wohngebiet verirrt. Jetzt gibt es eine klare Ansage, ein klares Ziel.