
Von Rainer Bombardi
Donaueschingen. Jeden ersten Donnerstag im Monat öffnet Oberbürgermeister Thorsten Frei im Rathaus I für die Bürger sein Pforten. Was tut sich dann?
90 Minuten lang dauert die Sprechstunde, in der er ohne Voranmeldung für alle Themen, welche die Donaueschinger bewegen, ein offenes Ohr hat. Das hat er auch in der übrigen Zeit des Jahres, doch für viele ist die Schwelle niedriger, in einer Sprechstunde ihre Anliegen vorzubringen. Frei stellt sich auch zweimal jährlich auf dem Wochenmarkt und alle drei Monate in einem der Ortsteile zum Gespräch bereit.
Langweile kommt dabei keineswegs auf und die Vielfalt an Themen, mit denen die Menschen Frei bombardieren, scheint grenzenlos. "Ich bin jedes Mal aufs Neue gespannt, was die Bürgersprechstunde bietet und helfe wann immer möglich", erklärt Frei. Viele Anliegen der Bürger tangieren die Stadtverwaltung direkt. Fragen zum Winterdienst, Abrechnungsmodalitäten bei der Miete öffentlicher Gebäude oder die Möglichkeit zur Installation von Photovoltaikanlagen und anderen baulichen Angelegenheiten beantwortet Frei direkt oder leitet sie seinen Amts- oder Fachbereichsleitern weiter. Jedes Problem wird ernst genommen. Deshalb ist während Bürgersprechstunden ein Diktiergerät Freis ständiger Begleiter. Damit nichts verloren geht, hält er dort stichwortartig die Gesprächsinhalte fest.
Er könnte auch seine persönliche Referentin Beatrix Grüninger als Protokollantin an seiner seit haben. Das war auch anfangs so. Indes kristallisierte sich schnell heraus, dass die Bürger das Gespräch unter vier Augen schätzen. Ohnehin ist Vertraulichkeit oberstes Gebot. Vor allem im Falle persönlicher Angelegenheiten, in denen sich die Stadt wenig oder nur indirekt einschalten kann, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Nachbarschaftsstreitigkeiten fallen oft darunter. So war am letzten Donnerstag ein Bürger zu Besuch, der die Welt nicht mehr verstand, als eine Nachbarin zwischen einer rund 50 Jahre gemeinsam benutzten Einfahrt eine Grenze zog. "Hier ist unsere Eingriffsmöglichkeit bedingt, Einfühlungsvermögen dennoch erforderlich. Ohnehin wird in solchen Fällen kein Urteil gefällt ohne die Gegenseite anzuhören." Oftmals genügt es auch, Verbindungen zu Einrichtungen herzustellen, die in Privatangelegenheiten besser weiterhelfen können.
Die Bürgersprechstunde ist eine Institution, die im Maximalfall von bis zu zwölf Bürgern besucht wird. wird. Die Hoffnung, in den Pausen liegen gebliebene Arbeiten erledigen zu können, stellte sich für den Oberbürgermeister schnell als Illusion heraus. Die überwiegende Anzahl der Gesuche, mit denen die Menschen in die Bürgersprechstunde kommen, dreht sich um private Angelegenheiten. Eine untergeordnete Rolle spielen kommunalpolitische Fragen.
Ausnahmen bestätigen die Regel, so verweist Frei auf die zahlreichen Klagen bezüglich der vom Gemeinderat beschlossenen Verkehrsregelung in der Innenstadt. Die Resonanz in der Kernstadt ist in der Regel größer als in den Ortsteilen. Das liegt mitunter auch daran, dass die Menschen im ländlichen Raum direkter am ortspolitischen Geschehen als in der Stadt beteiligt sind. Auch erinnert sich Frei an einen Bürger aus der Kernstadt, der eine Fahrt bis nach Hubertshofen auf sich nahm, um mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Im Übrigen geht es für Frei Schlag auf Schlag in diesem Jahr. Zuerst Fasnet, dann die Heimattage und zum hoffentlich "krönenden" Abschluss die Wiederwahl als Oberbügermeister. Zwischen alledem bleibt eines oberstes Gebot: Die Anliegen der Bürger wichtig nehmen und unverzüglich zu behandeln.