
Von Alexandra Alt
Donaueschingen. Wussten Sie eigentlich, dass es in Donaueschingen einen Polioverein gibt? Diese Frage, die der Vorsitzende des Poliovereins Regionalgruppe Donaueschingen/Bühl Manfred Kemter im Gespräch mit unserer Zeitung stellt, ist mehr als berechtigt.
Denn genauso in Vergessenheit geraten wie die Kinderlähmung sind die Einrichtungen und Vereine, die sich immer noch stark für die Bekämpfung der Polio – auch in Donaueschingen – einsetzen.
"Wir sind eine aussterbende Art", sagt Manfred Kemter. Seit in den 1960er-Jahren flächendeckend die Impfung gegen Kinderlähmung in Deutschland eingeführt wurde, gibt es hierzulande fast keine Polioerkrankungen mehr. Für Kemter und seine Frau Gudrun ist das kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Beide sitzen seit Kindesalter im Rollstuhl, weil es damals auf dem Land eben noch nicht die Möglichkeit gab, mit einem Picks oder einem Schluck vorzusorgen.
Nun, da der Donaueschinger Rotary Club am Sonntag sein 20-jähriges Bestehen mit einem Konzert des Sinfonischen Orchesters Hochschwarzwald begeht (ab 17 Uhr, Donauhallen), tritt auch das Engagement in Sachen Impfkampagne gegen Polio wieder ins öffentliche Bewusstsein. Seit Jahren arbeiten die beiden Organisationen sowohl auf kommunaler als auch auf Bundesebene zusammen und stellen Geld für Impfkampagnen auf der ganzen Welt zur Verfügung. Weshalb mit dem Erlös des Benefizkonzerts die Stiftung "End Polio Now" finanziell unterstützt werden soll. Der Hintergrund: Rotary hat es sich zur Aufgabe gemacht, 200 Millionen Dollar aufzubringen, um damit die Herausforderung der "Bill & Melinda Gates Foundation" zu erfüllen, die ihrerseits 355 Millionen Dollar bereitstellt. Die sich daraus ergebende Summe von 555 Millionen Dollar wird direkt für Immunisierungskampagnen gegen Kinderlähmung in Entwicklungsländern eingesetzt.
Kemter legt eine Tabelle der "Polio Global Eradication Initiative" auf den Tisch, die alle paar Wochen die Zahlen der an Polio Erkrankten aktualisiert. Im Kongo, Chad und Pakistan klettern die Zahlen nach oben. "Die WHO befürchtet eine neue Polio-Epidemie in Afrika", erklärt der Vorsitzende. "Höchste Zeit also, dass das Geld für flächendeckende Schutzimpfungen bereitgestellt wird." Seine Frau schüttelt den Kopf: "Wissen sie, wenn ich so etwas lese, ärgert es mich, wie manche Menschen auf unsere Arbeit reagieren." Oft seien es Impfgegner, die der Meinung sind, das die Impfung ihren Kindern schaden würde.
Viele Mitglieder des Poliovereins, die heute im Rollstuhl sitzen oder sonst eine Behinderung aufgrund der Polioerkrankung haben, hatten nicht die Möglichkeit sich impfen zu lassen. "Wir treffen uns sechs Mal im Jahr in Donaueschingen und Bühl für einen Nachmittag. Dann gibt es neue Informationen und Möglichkeiten zum Austausch", erzählt Manfred Kemter. Spezielle Seminare sollen Wissen vermitteln – über neue Behandlungsmöglichkeiten, Medikamente, und die Verbandsarbeit. "Wir sehen die Notwendigkeit zu impfen immer noch", sagt Kemter. Deshalb ist der Polioverein auch auf Marktständen vertreten und betreibt Aufklärungsarbeit. Dass nun der Donaueschinger Rotary-Club mit seiner Aktion wiederum für Aufmerksamkeit sorgt, kommt dem Polioverein da sehr gelegen.