Donaueschingen - Historisches und Histörchen gab es gestern zu Hauf beim großen Umzug durch Donaueschingens Innenstadt anlässlich 100 Jahre Hanselbrunnen.

Ein willkommener Anlass für Donaueschingens Narrenzunft einen alten Wagen aus dem Frohsinn-Fuhrpark aufzupolieren und an den Zug der insgesamt 66 Aufstellungsnummern mit seinen schätzungsweise 1500 Hästrägern anzuhängen. »Das Wetter ist schön, wie wir es gewohnt sind, und wir erwarten bis zu 20.000 Zuschauer«, freute sich Zunftmeister Michael Lehmann vor dem Start. Mittendrinn im bunten Lindwurm auch fünf Pferdekutschen, davon vier aus dem Bestand des Frohsinn, ebenso auch der klassische Schwan, in dem sich der Narrensamen das bunte Treiben ganz von oben ansehen konnte, oder der historische Leiterwagen, in dem früher die alten Hansel-Häser präsentiert wurden und die zum Teil bis zu 80 Jahren alt sind. Lange bevor es das Museum der Zunft in der Sennhofstraße gab, wie Brigitte Schlatter als Brauchtumsexpertin der Zunft anmerkt. Seit 56 Jahren im Häs. Für ist für sie bis heute jeder Umzug ein großes Ereignis geblieben.

Fotostrecke408 Fotos

Auch für Gaby und Nelly war der gestrige Tag ein großer Moment, weil sie Narrenvater Alois Käfer als Engel begleiten konnten. Eigens aus dem Löffinger Ösch gekommen war als Zuschauer Rudolf Gwinner, der seine Narrensprüche zum Besten gab.

Kommentiert wurde der bunte Lindwurm, der sich um 14 Uhr in Bewegung setzte und von der Bürgerkavallerie und ihrem Marschall Friedbert Gleichauf angeführt wurde, von Michael Hügle vom Kanstinger-Balkon.

In der ersten Kutsche hatten Christel und Ralf Gleichauf sowie Wolfgang Reiter und Siliva Engesser von der Zunft die ehrenvolle Aufgabe, die die Begrüßung vorzunehmen.

Neben den historischen Wagen der Frohsinn-Zunft wurden vor allem politische Themen aus dem Alltag der Kreisstadt in Szene gesetzt, nicht zuletzt der Sprung von Donaueschingens OB Thorsten Frei nach Berlin in die große Politik. Ob dabei der Griff nach den Diäten der einzige Grund gewesen ist, das bleibt weiterhin reine Spekulation.

Nach dem spektakulären Diebstahl von leeren Bierfässern um sie als Altmetall zu verkaufen, wurde kurzerhand das Gelände zum Hochsicherheitstrakt erklärt, wie es auf einem anderen Wagen zu sehen war, und natürlich durfte auch das Thema Schützenbrücke nicht fehlen, auf der offensichtlich von Kunstbanausen schon wieder gezündelt wurde. »Rettet die Fasnet« hieß es für Professor Bächle, der auf seinem Wagen einer Hansel-Gruppe Nachhilfe in Sachen Brauchtum gab und der angesichts der Zuschauermassen am Straßenrand auch erleichtert aufatmen konnte: Die Fasnet ist gerettet!

Dann wieder traditionelle Wagen, wie das »Hansel-Hislii« der Zunft. Die jungen Hästräger der Zunft warfen derweil eifrig Süßigkeiten in die Menge und viele Hände reckten sich in die Luft, um sie zu fangen. Insgesamt zog das bunte Treiben die Zuschauer über zwei Stunden in den Bann und dürfte angesichts der milden Temperaturen in bester Erinnerung bleiben.