Donaueschingen Lebensmittelchemiker lästert über Vegetarier

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Fleisch rein, Rohkost raus: Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer haut mit einem polemisch-ironischen Vortrag beim Agrartag in Aasen die Veganer in die Pfanne. Foto: Beathalter Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Manfred Beathalter

Schwarzwald-Baar-Kreis. Mit stechender Polemik und einem Schuss Ironie würzt er seine Vorträge: Udo Pollmer, Lebensmittelchemiker und Buchautor, provoziert. Diese Eigenschaften blitzen auch am Samstag zur Mittagsessenszeit auf, als er den gut 250 baaremer Landwirten beim Agrartag von Maschinenring und Badischem Landwirtschaftlichem Hauptverband (BLHV) in Aasen seine Aufwartung macht.

Pollmer stellt den Vegetarismus auf den Prüfstand und lästert unter dem Titel "Müssen wir alle ins Gras beißen?" eineinhalb Stunden lang in der Aasener Bürgerhalle gegen Körner- und Rohkostesser und gegen "veganes Leben, das zu einer Art Weltreligion geworden ist". Natürlich hat der 62-jährige Udo Pollmer, der genialer Weise in Himmelpforten geboren wurde, also im Landkreis Stade, dem niedersächsischen Massentierhaltungsland, die Besucher des Agrartags mit Lachen und Beifall auf seiner Seite.

Eine politische Strategie zur Abschaffung der Landwirtschaft

Einer, der mit seinem Buch "Iss und stirb", das er 1982 mit Eva Kapfelsperger veröffentlichte und in dem er gegen Chemie, Pestizide, Hormonfleisch und Zusatzstoffe in unserer Nahrung und gegen die Agrargroßindustrie ins Feld zog, vertritt nun in Aasen eine andere Position.

Wenn heute Gutachten das radikale Ende der Massentierhaltung forderten, so Pollmer, dann sei dies eine politische Strategie zur Abschaffung der Landwirtschaft: Importe von Fleisch und Lebensmitteln ließen eine bessere Kontrolle und Besteuerung zu. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werde zur Stimmungsmache genutzt. Demnach habe der Verzehr von fünf Scheiben Salami am Tag eine Erhöhung des Darmkrebsrisikos um 20 Prozent zur Folge. "Aber es gibt diese Studie nicht", behauptet Pollmer.

Referent widerlegt Ausweitung der Tierhaltung in Deutschland

Die Ausweitung der Tierhaltung in Deutschland, wie sie vielfach kritisiert werde, widerlegt Pollmer mit Zahlen. So gab es 1913 bei einer Bevölkerung von 67 Millionen Menschen rund 24 Millionen Großvieheinheiten in Deutschland. 100 Jahre später würden bei 80 Millionen Einwohnern heute noch 13 Millionen Großvieheinheiten gezählt. Zum Hintergrund: Eine Großvieheinheit entspricht etwa einer Milchkuh oder etwas mehr als 100 Masthühnchen oder gut acht Mastschweinen.

Pollmer kritisiert die vom Umweltbundesamt ins Gespräch gebrachte Klimasteuer für Fleischproduzenten: Der Ausstoß von Methangasen durch Rinderherden, lange Transportwege und der hohe Verbrauch von Wasser – für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch würden angeblich 15 000 Liter Wasser verbraucht – belasteten Umwelt und Klima. "In den Kindergärten erzählt man, dass in Afrika Kinder verdursten, weil hier zu viel Fleisch gegessen wird", lästert Pollmer gegen "Vegetarismus". Dabei sei Rohkost schwer verdaulich und mikrobiologisch belastet. Und: Die ganze Welt könne nicht vegan leben, weil laut WHO 64 Prozent der weltweit verfügbaren Agrarfläche nur für Tierhaltung geeignet sei.

Zum Programm des ganztägigen Agrartags gehörten neben Pollmers Auftritt auch berufsspezifische Vorträge für die Landwirte, eine Ausstellung von Organisationen und Anbietern rund um die Landwirtschaft sowie eine Fortbildung.

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