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Donaueschingen Hochbegabt: ganz normal, nur schlauer

(ewk), vom 27.01.2012 09:44 Uhr
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Was da wohl drin steckt? Eine gehörige Portion Neugier und der Drang, ihr nachzugeben, ist typisch für hochbegabte Kinder. Foto: sb-Archiv
Was da wohl drin steckt? Eine gehörige Portion Neugier und der Drang, ihr nachzugeben, ist typisch für hochbegabte Kinder. Foto: sb-Archiv

Donaueschingen - Hochbegabte sind kein Phänomen von Eliteschulen und auch nicht extrem selten. Hochbegabung ist ein Thema mitten aus dem Leben, das viele interessiert – wie 180 Zuhörer beim Vortrag in Donaueschingen belegen – und es spielt an der Eichendorffschule eine besondere Rolle.

Die Donaueschinger Grund- und Werkrealschule ist eine von drei Schulen im Kreis, die spezielle Kurse für Hochbegabte anbieten und damit eine der ersten Anlaufstellen für Eltern solcher Kinder.

Besonders begabte Kinder brauchen besondere Förderung, damit sich ihre Begabungen entwickeln können. Im Alltag ist es gar nicht so einfach zu erkennen, ob das eigene Kind, der Junge im Kindergarten oder das Mädchen in der Grundschulklasse zu den Hochbegabten zählt. Immerhin sind das zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. Kein Wunder, dass es im Festsaal der Eichendorff-Schule am Mittwoch schnell eng wurde, als die Diplom-Psychologin Regine Lang vom Tübinger Institut für Hochbegabung (TüIHb) dieses sensible Thema erörterte.

Wann ist ein Kind hochbegabt? Wie kann man das erkennen und wie kann man Verhaltensauffälligkeiten, die aus einer Unterforderung entstehen, angemessen entgegenwirken? Rund 180 Mütter und Väter, Lehrer und Erzieher ließen sich von der Fachfrau über die Merkmale von hochbegabten Kindern informieren, wie sich eine Hochbegabung entwickelt, wie man sie diagnostizieren und wie man angemessen fördern kann.

Es gibt vielerlei Begabungen, beispielsweise musikalische, sportliche oder künstlerische. Unter Hochbegabung wird heute intellektuelle Begabung im sprachlichen und mathematischen Bereich wie im räumlichen, figuralen Denken verstanden. Regine Lang testet seit 15 Jahren am TüIHb Kinder mit auffälligen intellektuellen Fähigkeiten.

Statistisch gesehen stellt sich Intelligenz entsprechend der Gau’schen Normalverteilungskurve dar: zwei Drittel der Deutschen haben eine durchschnittliche Begabung. Die drei Prozent Hochbegabten bewegen sich im IQu-Bereich ab 130. Dazu gehören derzeit bundesweit 450 000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren – pro Jahrgangsklasse ein bis zwei Schüler.

Die Umwelt, Familie, Kindergarten und Schule sind für ihre Entwicklung entscheidend, fördernd ist der Zugang zu Literatur, ein Computer, das Heranführen an Kunst und Kultur, vor allem aber Akzeptanz. Wenn alles passt, kann ein hochbegabtes Kind außergewöhnliche Leistungen entwickeln.

Dabei bleibt die Frage, wie so eine Hochbegabung sich zeigt und wie sie gefördert werden kann. Am TüIHb arbeitet man mit speziellen Diagnosetests. Auf die Spur führen kann aber schon ein Merkmalkatalog. Regine Lang führt da auffälliges Blickverhalten schon ab der Geburt auf, geringes Schlafbedürfnis, Beharrungsvermögen, Unabhängigkeit und Eigenwilligkeit, Spaß am Denken und Lernen, hohe Beobachtungsgenauigkeit, schnelles Erfassen von Strukturen und Regeln, überragende Lern- und Begriffsleistungen, Perfektionismus, schneller und früher Spracherwerb und außergewöhnliche Gedächtnisleistungen. Frühes Lesen ist ein Leitsymptom für Hochbegabung.

Für Eltern sind hochbegabte Kinder eine Herausforderung, der Alltag mit ihnen kann sehr anstrengend sein. Sie brauchen besondere Wahrnehmung und unter Umständen andere Zuwendung als Normalbegabte. Dazu kommen Entscheidungen über Einschulungstermine, gegebenenfalls das Überspringen einer Klasse, die richtigen Weichenstellungen für die Zukunft des Kindes.

Aber auch für die Betroffenen hat so eine außergewöhnliche Begabung Auswirkungen. Man fühlt sich anders und als Außenseiter, unterfordert und gelangweilt. Weil man ohnehin alles so schnell kapiert, besteht die Gefahr, dass man nicht lernt wie man lernt und sich schließlich nur durchmogelt. So kann man trotz hoher Begabung schnell zum Schulversager werden. Solche Kinder neu für das Lernen zu motivieren ist schwierig, weiß die Psychologin.

Beim TüIHb werden die Intelligenztests durchgeführt und hier können sich Eltern ganz individuell beraten lassen, welche speziellen Schulen sich für ihre Kinder anbieten und was man im Alltag für sie tun kann. Ansonsten, so Lang, "sind hochbegabte Kinder wie alle, nur schlauer". Wichtig sei, ein offenes Herz für sie zu haben, ihnen entgegen zu kommen, sie zu erziehen wie andere Kinder, aber eben mit höheren Anforderungen.

Veranstalter dieses Informationsabends war das Staatlichen Schulamt Donaueschingen. Nach dem "spannenden, informativen und humorvollen Vortrag", wie Eichendorff-Schulrektor Reinhard Zatschler es formulierte, fragten noch etliche Eltern Regine Lang persönlich um Rat.

Die Kinder- und Jugendakademie Schwarzwald-Baar (Kijak) arbeitet entwickelt mit Schulen Konzepte zur individuellen Förderung von Hochbegabten mit dem Ziel, Freude an intellektueller Herausforderung zu wecken. Infos: www.schulamt-donaueschingen.de, Menüpunkt Kijak, und Telefon 0771/8 96 70 19.

Der Förderverein Kinder- und Jugendakademie Schwarzwald-Baar e.V. unterstützt die KIJAK finanziell und individuell, um besonders begabten Kindern und Jugendlichen eine freie Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu ermöglichen, und entwickelt ein Netzwerk regionaler Bildungseinrichtungen, Industrie, Wirtschaft und Experten. Infos unter www.kijak-foerderverein.de. Ansprechpartner für Grundschulen ist Renate Eppler vom Staatlichen Schulamt und für weiterführende Schulen Karl-Heinz Suske unter e-mail: su@feintechnikschule.de.

Drei Standortschulen, darunter die Eichendorffschule Donaueschingen, bieten im Kreis in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendakademie Schwarzwald-Baar und dem Staatlichen Schulamt spezielle Förderkurse für Hochbegabte an.

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