
Donaueschingen-Aasen. (ewk). Karl Bäurer feiert heute auf dem Aasener Siedlerhof seinen 90. Geburtstag. Der im Familienbetrieb über Jahrzehnte engagierte Landwirtschaftsmeister kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken.
Als der Junglandwirt im Alter von 18 Jahren seine Ausbildung abgeschlossen hatte, wurde er 1940 eingezogen. Der Zweite Weltkrieg führte den jungen Mann nach der Gebirgsjägerausbildung in Kufstein an die Eismeerfront nach Nordfinnland. Als der Vormarsch in der Tundra steckenblieb und Finnland kapitulierte, ging es nach Griechenland auf die Pelepones und zurück über den Balkan nach Schlesien. Mit dem Nahen der Ostfront wurde auch der kriegsverletzte junge Soldat schließlich Ende April 1945, zwei Wochen vor Kriegsende, mit Marschverpflegung für zwei Tage aus dem Lazarett entlassen. Über Stuttgart erreichte er in den Wirren des Zusammenbruchs des Dritten Reiches schließlich seinen Heimatort Aasen, wo er bald den väterlichen Hof übernahm. In diesem Wälderhaus gegenüber der Pfarrkirche St. Blasius, das der Großvater in den 1880er Jahren gekauft hatte, gründete er mit Erna Erndle eine Familie.
Neben der Landwirtschaft engagierte sich Karl Bäurer schnell standespolitisch, er gründete mit anderen Aasener Bauern den BLHV Ortsverband und leistete im Kreisverband und im Kreisverbandsausschuss wesentliche Entwicklungsarbeit.
Dazu kam ein Vorstandsamt beim Milchwerk Radolfzell. Leitungsverantwortung übernahm Bäurer als Vorstandvorsitzender der Flurbereinigung Aasen/Heidenhofen Anfang der 1960er Jahre als es galt, den Flächenbedarf für den Autobahnzubringer und die Bedürfnisse der bäuerlichen Familienbetriebe, von denen auch einige aussiedeln wollten, in Einklang zu bringen.
Da es für Bäurer um das Wälderhaus im Ortskern keine Entwicklungsmöglichkeiten für den Betrieb gab, baute er den Siedlerhof auf, wo inzwischen die Enkelgeneration einen Milchviehbetrieb nach neustem Stand von Technik und Viehhaltung betreibt. Unter inzwischen vier Generationen erlebt der Jubilar hier mit seiner Frau Erna, mit der er bald 60 Jahre verheiratet ist, einen beeindruckend zufriedenen, immer noch etwas tätigen Ruhestand unter dem Goldenen Meisterbrief, der im Ur-Altenteil an der Wohnzimmerwand hängt.