
Von Cornelia Spitz
Donaueschingen. Gestempelt, aber doch ordentlich vom Briefumschlag abgelöst und sorgsam getrocknet wandert die Briefmarke per Pinzette hinter den schmalen, transparenten Streifen Papier im Briefmarkenalbum. Ein Sammlerstück. Wie aber kommt es hierher? Wer löst es ab, und wer bewahrt es überhaupt vor dem sicheren Tod im Altpapiercontainer?
Die Karl-Wacker-Schule in Donaueschingen ist die Antwort auf die letzte Frage. Schon seit acht Jahren sammelt die Donaueschinger Schule für behinderte Kinder Briefmarken für die Briefmarkenstelle im Bethel, wo wiederum 25 behinderte Menschen Arbeit fanden, indem sie Briefmarken ablösen, trocknen und für Sammler zusammenstellen.
Obwohl manche Firmen und Institutionen, aber auch Privatleute, mitmachen und der Schule Briefumschläge bringen, geht aber auch an der Karl-Wacker-Schule und ihren fleißigen Helfern das digitale Zeitalter nicht spurlos vorüber. Die Briefmarken werden immer weniger – Poststempel und elektronische Post schlagen hier zu Buche. Finden sich nicht bald wieder mehr Briefmarkenspender, dürfte sich der Einsatz der Schüler irgendwann einmal nicht mehr lohnen.
Eine einzelne Marke wiegt nur wenige Gramm, trotzdem sind es schon 31 Kilogramm Briefmarken, welche die Karl-Wacker-Schüler in den vergangenen beiden Jahren wieder gesammelt haben und die demnächst auf dem Postweg – das Porto zahlt übrigens die Klassenkasse ins Bethel gehen. In einem riesigen Karton liegen tausende der gezackten Bildchen, nachdem die Karl-Wacker-Schüler Hand angelegt haben: Die Marken werden mit einer Umrandung von etwa einem Zentimeter aus den in der Schule eingegangenen Briefumschlägen geschnitten. Ein anderes Team kümmert sich um den Datenschutz – weshalb sich übrigens kein Briefmarkenspender Sorgen machen muss – und zerreißt die übrig gebliebenen Kuvert-Reste in kleine Stücke. Apropos Datenschutz: "Darüber müssen sich die Spender wirklich gar keine Gedanken machen, zumal unsere Schüler ja im Lesen gar nicht bewandert sind", stellt Schulleiterin Claudia Knab klar. Währenddessen wird schneiden die Schüler der Berufsschulstufe mit Lehrer Gerhard Graf im Hintergrund weiterhin fleißig Briefmarken aus. Und immer wieder, wenn eine besonders gut gefällt, dann darf sie auch in das Briefmarkenalbum eines Schülers wandern. Nachschub für die Sammelaktion für’s Bethel kommt ja – eifrige neue Mitstreiter vorausgesetzt – bestimmt wieder rein.
Und so kann jeder mitmachen: Firmen oder Institutionen – die Stadtverwaltung Singen ist einer der eifrigsten Helfer –, die Lust haben mitzumachen, können mit der Karl-Wacker-Schule Kontakt aufnehmen und bekommen dann einen Sammelkarton, der von der Schule voll wieder abgeholt wird. Privatpersonen oder sonstige Spender können ihre Briefmarkenspenden oder Kuverts auch im Lädele an der Karlstraße abgeben – und auch im Altenheim St. Michael sammelt man eifrig für behinderte Menschen mit.
Weitere Informationen: Karl-Wacker-Schule, Telefon 0771/42 41.