Donaueschingen - Auch in der Donaustadt ist die große Krise des kleinen und mittleren Einzelhandels offenkundig. Im Gewerbeverein sprüht man jedoch vor Kreativität und entwickelt ein "Rettungskonzept" nach dem anderen. Schnäppchenmarkt, kulinarische Nacht, Autosalon, verkaufsoffener Sonntag, Weihnachtsbaumaktion, Kinder- und Jugendtag – das kennt man bereits. Während ihrer Hauptversammlung gaben sich die heimischen Händler anhaltend lebhaft, sogar geheimnisvoll, und legten nach. Laut Oliver Kaltenbach befindet sich etwas im "Köcher", das sogar das Herbstfest überbieten könnte.

Was es ist, dazu schwiegt das Vorsitzenden-Trio Patrick Schmoll, Gerhard Werb und Oliver Kaltenbach eisern. Primär deshalb, weil noch nicht alles in trockenen Tüchern ist. "Wenn wir jetzt groß ankündigen würden und es aus irgendeinem Grund doch nicht klappt, stehen wir wie die Deppen da", so Kaltenbach.

Städtische Weihnachtsbeleuchtung mit LED-Leichtkörpern, eventuell sogar grellweiß scheinend, und blaue Zeltdächer vor den Geschäften sind der neueste Output der "Gedankenschmiede" Gewerbeverein. Die Klappzelte könnten beim Schnäppchenmarkt oder auch beim verkaufsoffenen Sonntag zum Einsatz kommen und sollten möglichst konzentriert an einem Ort stehen. Darunter und, je nach Wetter, nebenan: Ware, die mindestens um 50 Prozent reduziert ist. Schmoll hat die "Zelt-Idee" beim Besuch eines Bekannten aufgeschnappt und war begeistert: "In Sachen Low-Budget bin ich davon einfach überzeugt. Unsere Alternative ist doch das Anmieten der Donauhalle mit ganzem Aufwand und mit allen Kosten. Die Zelte würden vor den Geschäften stehen, im Laden kann normal gearbeitet werden."

Ob die Donaueschinger Innenstadt zur Weihnachtszeit tatsächlich LED-illuminiert wird, bleibt abzuwarten, diese Überlegungen wurden auch schon im Rathaus angestellt. Am 12. Dezember nimmt sich der Gewerbeverein auf jeden Fall eine Fahrt nach Friedrichshafen vor und setzt einen Ortstermin an. Schmoll: "Dort gibt es eine LED-Beleuchtung. Wenn über den Verein ausreichend Interesse vorhanden ist, könnten wir auch einen Bus einsetzen."

Kreativitätsschübe einerseits, bittere Realität, gar Existenzangst sowie mehr oder weniger intensive Befürchtungen andererseits: Schmoll beispielsweise ist es beim Gedanken an die Arbeiten im Bereich der Stadtkirche St. Johann und der Josefstraße, dem "neuen Residenzbereich", mehr als mulmig. "Ich kündige es an. Jedes Mal, wenn ich einen Arbeiter mit Schaufel in der Hand sehe, der nichts tut, rufe ich an. Diese Sperrung kann für uns an der Karlstraße ganz bitter werden." Ex-Vereinschef und Gemeinderatsmitglied Johannes Fischer (CDU) trat den Befürchtungen bei der Hauptversammlung entgegen. "Die Karlstraße bleibt nach Arbeitsbeginn von drei Richtungen erreichbar, wenn auch mit Aufwand. Lediglich an die Geschäfte direkt an der Kirche kann man nicht mehr direkt gelangen. Mir wurde von Oberbürgermeister Thorsten Frei schon mehrfach zugesichert, dass die Neugestaltung so schnell wie möglich abgewickelt wird."

Die Existenzangst ist für zahlreiche Donaueschinger Händler bereits Vergangenheit – sie haben es nicht mehr geschafft und mussten aufgeben. Wie sehr sich auch der zentrale Handelsplatz verändert hat, zeigt der Blick auf das ehemals florierende Donaucenter. Die mittelpreisige "Pyramidenlandschaft" war kommunalpolitisch mit ordentlich Vorschuss versehen, man genehmigte vor Ort beispielsweise den ersten Werbeturm der Stadt.