Donaueschingen Aufgaben des Kommandanten im Ehrenamt kaum leistbar

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Donaueschingen (jak). Acht Feuerwehrabteilungen und über 200 Einsätze im vergangenen Jahr bringen jede Menge Arbeit mit sich. Seit einem halben Jahr ist nun Edgar Schiesel für die Führung der Donaueschinger Gesamtwehr verantwortlich und zieht ein erstes Fazit über seine Arbeit als Kommandant.

Der Kommandant als Ehrenamt: Schon bei seiner Wahl war Edgar Schiesel überzeugt: Die Aufgaben, die der Donaueschinger Gesamtskommandant bewältigen muss, lassen sich heute kaum noch im Ehrenamt leisten – besonders dann nicht, wenn der Amtsinhaber voll berufstätig ist. Nach einem halben Jahr im Amt hat sich der Eindruck nur verfestigt. "Als Kommandant hat man mittlerweile so viel Aufgaben, dass sich das Ehrenamt und der Beruf nicht mehr vereinbaren lassen", sagt Schiesel. Er selbst ist bereits in Rente und hat so genügend Zeit, denn meist ist er jeden Tag mit irgendwelchen Aufgaben, die die Donaueschinger Feuerwehr betrifft, befasst. "Die Bürokratie nimmt ein Großteil der Zeit in Anspruch", erklärt der Gesamtkommandant. Einsatzberichte, Rechnungen, Anschaffungen, Instanzsetzung von Gebäuden, Brandbegehungen – die Aufgaben sind äußerst vielfältig. Hinzu kommt der enge Kontakt zum Rathaus, in dem oft zwei Mal die Woche Besprechungen anstehen. Und vor den Haushaltsberatungen gibt es noch intensive Gespräche über Investitionen: Neue Fahrzeuge sind wichtig, doch oft muss die Notwendigkeit erklärt werden. Schließlich ist Fahrzeug nicht gleich Fahrzeug und bloß, weil auf dem Papier zehn Stück stehen, ist der Bedarf nicht abgedeckt. "Wir haben im vergangenen Jahr auch mit jeder Fraktion Gespräche geführt", so Schiesel. Dies soll auch in den kommenden Jahren so fortgeführt werden.

Mit Blick über die Gemarkungsgrenzen hinaus wäre es auch nichts Ungewöhnliches, wenn Donaueschingen den Weg gehen würde und sich vom ehrenamtlichen Feuerwehrkommandanten verabschieden würde. Städte, die kleiner sind, hätten diese Entscheidung bereits getroffen und die Leitung in die Hände von jemandem gegeben, der bei der Kommune arbeitet: Der Geisinger Kommandant Andreas Benz ist beispielsweise beim Zweckverband Wasserversorgung "Unteres Aitrachtal" beschäftigt. In Blumberg ist der neue Gesamtkommandant Stefan Band beim Bauhof angestellt. Immendingens Kommandant Andreas Heitzmann ist Hausmeister. Die Stadt Titisee-Neustadt geht noch weiter: Bei der Stellenbesetzung im Bauhof wird den Bewerbern der Vorzug gegeben, die sich in der Feuerwehr engagieren. Noch ist ausreichend Zeit, sich darüber Gedanken zu machen: ­Schiesel ist bis 2020 gewählt.

Ortsteilwehren: "Es ist sehr in meinem Interesse, dass diese Wehren in den Ortsteilen erhalten bleiben", sagt der Gesamtkommandant. Die Abteilungen würden eine wichtige Funktion innerhalb des Dorfgeschehens übernehmen und wären natürlich bei einem Notfall auch als erstes vor Ort, wobei die Ortskenntnisse, die sie besitzen, von unschätzbarem Wert für das weitere Einsatzgeschehen wären.

Einsätze: Nicht nur der Kommandant hat mehr Arbeit: Auch die Feuerwehr-Einsätze nehmen zu. So waren es im vergangenen Jahr über 200 Einsätze. Die Jahre davor lag der Wert meist zwischen 120 und 130 Einsätzen. Ein Grund lässt sich nicht wirklich finden. Zwar kam es im Frühjahr zu mehreren Unfällen aufgrund der Baustellensituation und den überlasteten Umleitungsstrecken, doch nicht so viele, dass der Anstieg sich damit erklären lässt. "Die Einsätze haben in allen Bereichen zugenommen", so Schiesel. Eine Spezialisierung sei damit nicht möglich. Ein Trend lasse sich jedoch erkennen: Die Einsätze gehen weg vom Brand und hin zu immer mehr Technik-Einsätzen. Brandmeldeanlagen sind Fluch und Segen zugleich. Zum einen warnen die technischen Helfer zwar frühzeitig vor der Gefahr, zum anderen gebe es jedoch auch zahlreiche Fehlalarme. Für die Feuerwehrmänner ist es jedoch egal, ob Brand oder Fehlalarm. Da das im Vorfeld nicht klar ist, müssen sie auf jeden Fall ausrücken. Neben den Brandmeldeanlagen im Gewerbe können auch die vorgeschriebenen Rauchmelder in privaten Wohnräumen Alarm auslösen. Noch führen diese nicht zu vermehrten Einsätzen. "Im Lauf der Jahre kann sich auf der Linse jedoch Staub ansammeln. Da diese auf Helligkeit reagiert, kann der Rauchmelder auch ohne Anlass hochgehen", erklärt Schiesel. Gibt es einen Fehlalarm und der Bewohner ist nicht zuhause, wird wohl irgendein Nachbar die Feuerwehr verständigen.

Nachwuchs: Den demographischen Wandel merkt die Feuerwehr auch. In Kindergarten und Grundschule soll der Nachwuchs über die Arbeit der Feuerwehr informiert werden. "Die mangelnde Bindung an Vereine ist schon spürbar", sagt Schiesel. Wobei Ortsteile wie Wolterdingen und Pfohren keine Nachwuchssorgen haben, sind in Grüningen hingegen die Versuche weniger erfolgreich sind. Woran es liegt? Die Verantwortlichen wissen es nicht wirklich. Von Zukunftssorgen um die Wehr will Schiesel jedoch nichts wissen.

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