Dobel Seit 40 Jahren ein schöner Brauch

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Die Blaskapelle des Musikvereins Dobel trotzte auch an diesem Heiligabend dem Wetter und intonierte weihnachtliche Lieder im Ort. Foto: Gegenheimer Foto: Schwarzwälder-Bote

Ungeachtet des böigen Windes und des Nieselregens positionieren sich die Bläser des Musikvereins zum Weihnachtsblasen in Dobel. Aus allen Ecken kommen mit einem Mal Zuhörer.

Dobel. Als die Kapelle mit der Vereinsvorsitzenden Martina Naumann auf Einsatz von Jugendleiter Stefan Böttinger "Es ist ein Ros entsprungen" erklingen lässt, lauschen alle auf die traditionellen Weisen. Selbst die Jugend ist diesmal dabei.

Ob Tenor- oder Flügelhorn, Saxofon, Trompete, Klarinette oder Querflöte, alle trotzen sie dem unwirtlichen Wetter, das die Finger rot und die Instrumente eisig werden lässt. "Seit mehr als 40 Jahren ist das unser Weihnachts-Nachmittagsprogramm!", erzählt Sieglinde Böttinger, deren Ehemann, Tochter und Sohn mitspielen. Marina und Klaus Garke haben gleich drei Kinder am Start – also sind auch sie selbstverständlich unter den Zuhörern.

Gäste erzählen

Von "Oh Tannnenbaum" bis "Kling Glöckchen" transportieren die Bläser Weihnachtsstimmung – und die älteren Gäste kommen ins Erzählen: "Schon mehr als 40 Jahre ist das Zusammenkommen hier ein schöner Brauch. Die Selma Kraft hat seinerzeit damit begonnen, die Zuhörer zu bewirten, wenn die Bläser weiterzogen", wissen Christel Rieth und Schwägerin Helga Ruff.

Sie selbst hätten die Tradition später weitergeführt, ganz egal ob hoher Schnee lag, ob die Sonne schien oder es stürmte. "Die Sabine war damals noch ein Mädele!" Gemeint ist Sabine Seibold, Tochter von Selma Ruff, die heute die Tradition ebenso weiterführt wie alle die, die Körbe mit "fester oder flüssiger Verpflegung" mitgebracht haben. "Wir feiern im Bienenhäusle drüben nachher gemeinsam. Die Lachshäppchen und der Kartoffelsalat sind schon dabei!", grinst sie. Der klare Himbeergeist steht in einer Gallone im Kofferraum. Man muss nicht zwangsläufig Kraft oder Ruff heißen oder als solche geboren sein – aber es sind zahlreiche Ur-Dobler, die hier am Weihnachtsabend zusammenkommen.

Der Wind zerrt unterdessen an den Kapuzen der Bläser, als sie mit "Stille Nacht" ihren Auftritt beenden. "Es hat Jahre gegeben", verrät Rolf Böttinger, "da war es viel kälter. Da sind die Ventile an den Instrumenten eingefroren."

Abschluss in Waldklinik

Und es bleibt wenig Gelegenheit für den wärmenden Eierlikör oder Punsch: Weiter geht es zur Seniorenresidenz, wo die Bewohner jeder Etage sich auf den musikalischen Gruß freuen, die Lieder gerne mitsingen.

Den Abschluss des Weihnachtsblasens macht dann der Auftritt im Foyer der festlich dekorierten Waldklinik. Mit Gedichtvorträgen und einer kleinen Grußrede von Bürgermeister Christoph Schaack. Wobei er nicht der erste Bürgermeister ist, der die Tradition des Musikvereins solcherart unterstützt.

In den 1970er-Jahren förderte erstmals Gerhard Westenberger die Auftritte am Rathaus. Ab den 1980er-Jahren, so weiß Westenberger, gab es dann das Platzkonzert an der Waldklinik, bei dem er selbst Süßigkeiten verteilte und welches zusätzlich zur einheimischen Bevölkerung auch die Kurgäste in der Klinik in die musikalische Runde einschloss.

Bereits etliche Jahre früher, nämlich ab 1963/1964 direkt am Weihnachtstag, so stöberte es Musikvereinsvorsitzende Martina Naumann in den alten Protokollbüchern des Vereins auf, fand das erste "Weihnachtsständchen im Hubertusheim" statt, damals noch Seniorenheim. Aus Dankbarkeit bekamen die Musiker beim ersten Auftritt übrigens einen Kasten Bier gespendet.

Das Weihnachtssingen oder -blasen, auch Kurrendeblasen, ist ein alter Brauch. Ein "Laufchor" zog bei Festen von Haus zu Haus. In der Reformationszeit erfolgte die schwerpunktmäßige Bindung an die evangelische Kirche. Martin Luther wird häufig als Vorbild des Kurrendesängers dargestellt.

War das Kurrendeblasen oder -singen bis ins 19. Jahrhundert mehr dem Erwerb eines Nebenverdienstes gewidmet, wurde es im 20. Jahrhundert in verschiedenen Ausprägungen wiederbelebt. Dabei stehen Kultur, Tradition und christliches Gedankengut im Vordergrund.

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