Dietingen Geschichten aus dem Rathaus

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Fotos: Riedlinger Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Thomas Riedlinger

Nach drei Jahren Theaterpause präsentierte sich die Laienspielgruppe des Turnvereins neu aufgestellt und deutlich verjüngt mit herrlicher Spielfreude dem Publikum in der Graf-Gerold-Halle.

Dietingen. Mit dem Dreiakter "Der Geist im Rathaus" zeigte die Laienspielgruppe ein tolles Stück, das in den Pausen von den "5 Zylindern" musikalisch umrahmt wurde.

In dem Stück schieben Marlies Hirt als einfältige Beamtin Elfriede Schwarz und Alexander Ettwein als herrlich trotteliger Theobald Müller eine besonders ruhige Kugel im Rathaus. Regelmäßig gestört in ihrem Nichtstun werden sie von Eva Beiter als ehrgeizige neue Bürgermeisterin Sieglinde Haselbusch, die unbedingt den Nachbarort eingemeinden und damit Oberbürgermeisterin werden will.

Dafür hat sie sich der Hilfe des windigen Unternehmensberaters Roland Hein, gespielt von Ferdinand Bissingen, versichert. "Habe schon viel von ihnen gehört." – "Ja, aber man hat mir nie etwas beweisen können". Der hat schon einen Käufer, der gegen eine fette Provision das Rathaus abreißen und einen Supermarkt bauen lassen will. Zusätzliche Unruhe bringen Stefanie Ettweil als Bürgerin Rita Knopf und deren Kontrahentin Sansara Schneider in der Rolle der Karla Gutknecht, die sich dauernd wegen Nichtigkeiten in den Haaren liegen.

Klischees über Beamte

Immer über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden ist Franka Ettwein in der Rolle der Putzfrau Regine Nussbaum, die überall die Nase hineinsteckt. Und geradezu Hans-Peter Rieble auf den Leib geschrieben war die Rolle des grünen Geistes Nikolaus Nachtigall, der an das alte Gemäuer gefesselt ist und einen Abriss sowie seine Umsiedlung auf einen Schuttberg in der Trichtinger Stuttgart-21-Deponie verhindern will.

Er wird freilich nur von Theobald Müller gehört und gesehen, nicht einmal die angebliche Wahrsagerin Emma Schwein (Petra Weisser) mit all ihren Utensilien kann ihn wahrnehmen. Zur Freude des Publikums wurden alle gängigen Klischees über Beamte breitgetreten: "Kannsch du dich mit dem Frühstück beeilen, es isch in fünf Minuten Mittagspause." Antwort: "Wenn ich den Kopf beim Zeitungslesen zu schnell hin und her bewege, bekomme ich Schwindelanfälle." Natürlich galt es die "obersten Beamtentugenden" immer im Blick zu behalten: "Dei Frau hot erzählt, dass du in letzter Zeit immer so unausgeschlafen nach Hause kommst." Höchst Ungewöhnliches erhielt eine völlig neue Blickrichtung: "Die Katze hat den Rottweiler getötet: Er ist an ihr erstickt, als er sie erwischt hat."

Weisheiten fürs Leben

Der Zuschauer bekam Weisheiten für sein ganzes Leben serviert ("Heidemarie, liebst du hübsche oder intelligente Männer?" – "Weder noch, ich liebe nur dich!") und wurde doch wieder auf den Boden der Tatsachen herunter geholt: "Wer glaubt, dass ein Amtsleiter ein Amt leitet, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet." Und überhaupt: "Die Thermoskanne hält im Winter den Tee schön heiß und im Sommer den Tee schön gekühlt. Aber woher weiß jetzt die Thermoskanne, wann Winter und wann Sommer ist?"

Dem Publikum wars egal, es amüsierte sich köstlich über die tolle Spielfreude der Akteure und die sich immer wieder neu ergebenden Verwicklungen. Und selbst einen kleinen Seitenhieb an die benachbarte Reichsstadt konnten sich die Dietinger Akteure nicht verkneifen, denn der Geist wollte einen "Stein zum Hineinschlupfen mit zum Antrittsbesuch beim Oberbürgermeister mitnehmen, weil ich glaub, dass die auch einen guten Geist im Rathaus brauchen".

Wer Lust darauf bekommen hat, kann sich das Stück ein letztes Mal am heutigen Dienstag ab 19.30 Uhr in der Dietinger Halle anschauen. Spaß ist garantiert.

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