Von Bettina Baur Dietingen. "Das hätte ich nie gedacht, dass ich mal 90 werde", lächelte Karl Rendler verschmitzt in die Kamera, "nachdem ich im Alter von 60 Jahren Malheur mit dem Kreislauf hatte." Der sympathische Jubilar, der heute im Kreise seiner Familie seinen runden Geburtstag feiert, ist nach eigenen Angaben topfit, nur die Beine wollen nicht mehr so richtig.

Geboren wurde Karl Rendler im badischen Oberkirch. Nachdem seine Mutter schon früh Witwe geworden war, siedelte sie mit den Kindern nach Rottweil um. Die Mutter heiratete wieder, dieses Mal nach Dietingen. Hier lernte Karl Rendler seine Ehefrau kennen. Sie war bereits in jungen Jahren Witwe geworden und brachte zwei kleine Mädchen mit in die Ehe. Aus der Ehe mit dem Jubilar stammen noch ein Junge und ein Mädchen. Mit einer kleinen Landwirtschaft habe man sich nach dem Krieg über Wasser gehalten, erzählte Rendler.

Nach 32 Ehejahren starb die Ehefrau. Heute lebt Karl Rendler in einer eigenen Wohnung im Haus seines Sohnes. Karl Rendler kannte seine Frau erst ein paar Wochen, dann wurde er eingezogen zur deutschen U-Boot-Waffe, berichtete er. Die Ausbildung zum Marine-Soldaten absolvierte er in Holland. Nach seinem Kriegseinsatz und der Kriegsgefangenschaft in Marseille kam er nach fünf Jahren 1946 wieder heim. Zwei Mal sei er nur knapp dem Tode entkommen. Außerdem lag er ein Dreivierteljahr mit einer schweren Nierenentzündung im Lazarett.

Einschließlich der Militärzeit habe er 28 Jahre bei der "Rhodia" gearbeitet und weitere 20 Jahre bei der Firma Mahle in der Werkstatt. Auch sein Sohn und ein Enkel arbeiten heute bei "Mahle", erzählte er stolz. An seinem 80. Geburtstag sei der Personalchef vorbeigekommen und habe ihm einen Geschenkkorb überreicht, das hätte ihn sehr gefreut.

Der überaus rüstige Jubilar ist heute noch mit dem Auto unterwegs. Er habe eine gleichaltrige Lebensgefährtin, die jetzt allerdings im Kurstift Bad Dürrheim wohne, und zusammen hätten sie schon viele Ausflüge unternommen. Vor drei Jahren seien sie noch mit dem Auto an der tschechischen Grenze gewesen. Stolz ist Rendler auch auf sein Haus, dass er selbst gebaut habe. Es sei das erste im St.-Gallener-Ring gewesen.