Deißlingen - Mit Speck auf den Rippen, so Bürgermeister Ralf Ulbrich bei der Jahresabschlusssitzung des Gemeinderats, geht Deißlingen ins neue Jahr. Das ist auch notwendig angesichts des Aufgabenkatalogs für die kommenden Jahre.Die Verbesserung und Sanierung des Schulbereichs, auch im Hinsehen auf das Vorhaben Gemeinschaftsschule zusammen mit Niedereschach, Sanierung des Kanalbereichs, Erweiterung Nahwärmenetz, Friedhoferneuerung und ersten Schritte zur Umgestaltung des Kehlhof-Areals (unter anderem mit einem barrierefreien Bürgerbüro im Rathaus) und der Aussiedlung des DRK in ein zunächst mit Unterstützung der Gemeinde aufwändig zu sanierendes Gebäude an der Bahnhofstraße sind Stichworte, die verdeutlichen, dass Millionenausgaben auf dem Plan stehen.

Der neue Gemeindepfleger Daniel Bayer hat sich als Nachfolger des viele Jahre geschickt die finanziellen Belange der Gemeinde managenden Edwin Maier gleich in seinem ersten Jahr auch mit Einführung des neuen aussagekräftigeren Buchführungssystems Dopik gut in Szene gesetzt. Dank Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von fast vier Millionen Euro und Einnahmen aus Zuweisungen und Umlagen in Höhe von 2,65 Millionen Euro durfte Bayer für 2012 sogar einen Rekordhaushalt mit ordentlichen Erträgen in Höhe von etwa 12,64 Millionen Euro und einem Gesamtergebnis von knapp 2,49 Millionen Euro vermelden.

Klingt gut, aber bereits mit den Vorhaben in 2013 mit einem geplanten Investitionsvolumen von 2,87 Millionen Euro soll sich der Stand der liqiden Mittel um 1,6 Millionen Euro reduzieren. So bliebe – ohne Berücksichtigung der Fondseinlagen (7,5 Millionen Euro) – Ende 2013 noch ein Finanzpolster von 3,6 Millionen Euro übrig. Das geplante Investitionsvolumen für den Zeitraum bis 2016 beläuft sich aber auf 14,2 Millionen Euro.

Dass die Pro-Kopf-Verschuldung 2013 von 354 auf 357 Euro steigt, ist nicht nur für CDU-Sprecherin Karin Schmeh, sondern wohl für alle am Ratstisch ein Warnsignal, die Kirche im Dorf zu lassen. "Wir gehören zu den steuerschwachen Gemeinden", sagt sie im Wissen, dass 2008 auch schon mal Gewerbesteuereinnahmen von knapp sechs Millionen Euro in die Gemeindekasse flossen. So gibt es zu den mittelfristig angedachten Vorhaben durchaus zwiespältige Gefühle.

Leisten können will sich Deißlingen aber auf jeden Fall ein attraktives Angebot im Kindergarten- und Krippenbereich. Nach umstrittener Diskussion wurde mit zwölf zu fünf Stimmen auf Vorschlag der Verwaltung beschlossen, die Betreuung von Kindern unter drei Jahren in Kinderkrippen für monatlich 190 Euro (bisher 220) monatlich möglich zu machen, bei altersgemischten Gruppen wurde der Elternbeitrag auf 130 Euro festgelegt.

Diese Gebührensätze sind Familienbeiträge, weitere Kinder in einer Kinderbetreuungseinrichtung der Gemeinde somit beitragsfrei.

Der Wald ist in Deißlingen ein wertvolles Refugium, wie Forstamtsdirektor Uwe Sperlich bei der Verabschiedung des Haushalts deutlich machte. Dabei hat nicht die wirtschaftliche Komponente, sondern der Erhalt des wertvollen Bestands Priorität. So ist auch zu erklären, dass der sich 2013 in der Gemeindekasse niederschlagende Waldgewinn voraussichtlich "nur" bei 72 000 Euro bewegt.

Ein großes Vorhaben ist für Deißlingen das zusammen mit Niedereschach auf den Weg gebrachte Klimaschutzkonzept, mit dem sich die beiden Nachbargemeinden bis 2050 mit vielen verschiedenen Maßnahmen energie-autark aufstellen wollen. – Ein ambitioniertes Vorhaben, das neben großer ideeller Bereitschaft in der Bevölkerung auch Millionen-Investitionen fordert, die sich nachhaltig im Sinne von Ressourcenschonung und umweltschonenderer Energiewirtschaft bemerkbar machen.