Deißlingen Bischof weiht Lauffener zum Priester

Marc Herwig, 09.07.2012 09:04 Uhr

Deißlingen-Lauffen/Rottenburg - Eigentlich wollte Kilian Krug aus Lauffen einfach nur Priester werden. Doch dann hat er der katholischen Kirche eines ihrer größten Probleme vor Augen geführt: den Priestermangel. Als einziger in ganz Württemberg ist er zum Priester geweiht worden.Das Bild hat Symbolkraft: Ganz alleine steht Kilian Krug, der in Lauffen aufgewachsen ist, am Samstag vor dem Altar im Dom von Rottenburg (Kreis Tübingen). Es ist die feierliche Messe, in der die Diözese Rottenburg-Stuttgart in diesem Jahr ihre neuen Priester weiht. Doch Krug ist der einzige, der dasteht, schließlich niederkniet und von Bischof Gebhard Fürst zum Priester geweiht wird.

Das gab es noch nie in der württembergischen Diözese, die immerhin die viertgrößte unter den 27 deutschen Bistümern ist. Und so ist der 32-jährige Krug wider Willen zu einem Symbol für den Priestermangel in der katholischen Kirche geworden.

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Immer seltener sind junge Theologen in Deutschland bereit, das zölibatäre Leben eines Priesters zu führen. 108 Priester wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz bundesweit geweiht – nicht einmal halb so viele wie noch vor 15 Jahren. Im Bistum Rottenburg-Stuttgart ist der Rückgang noch stärker.

Einst schmiedete er Hochzeitspläne

Auch Kilian Krug hatte eigentlich ein ganz anderes Leben vor Augen. Als Student war er fast bei jeder Party dabei und hatte mit seiner Freundin sogar schon Hochzeitspläne geschmiedet. Doch im Laufe des Theologie-Studiums entwickelte sich alles anders. "Da habe ich dann gemerkt, dass mich dieser Anruf Gottes immer wieder getroffen hat. Und einfach, weil ich Gott vertrauen wollte, habe ich gesagt: Ich mach's", erzählte er einmal.

Alle Pläne für die Zukunft, alle Gedanken an Hochzeit und Kinder waren plötzlich zerschlagen. Als er seinen Entschluss bei einer Studentenfeier verkündete, habe minutenlang betretenes Schweigen geherrscht.

Dass immer weniger Männer diesen Ruf Gottes hören und bereit sind, ein Leben als katholischer Priester zu führen, bekommen die Gemeinden seit Jahren zu spüren. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sank die Zahl der Priester in den vergangenen 20 Jahren um ein Drittel auf rund 650. Bundesweit gibt es noch rund 15 000 Priester – ein Viertel weniger als vor 20 Jahren. Laien fordern seit Langem Konsequenzen.

Bis 2020 – so eine Schätzung der deutschen Bistümer – wird es in zwei Dritteln der Gemeinden keinen Priester mehr geben. Das heißt: keinen regelmäßigen Sonntagsgottesdienst mit Eucharistie, kein Spenden der Sakramente. An der Basis wächst der Unmut.

Johannes Warmbrunn, der als Diözesanratssprecher der oberste Vertreter der 1,9 Millionen Katholiken in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist, sieht deshalb auch Krugs Weihe mit gemischten Gefühlen. "Wir freuen uns natürlich über jeden einzelnen neuen Priester. Aber dass es nur einen einzigen gibt, das ist schon ein Zeichen, dass wir einem spürbaren Priestermangel entgegengehen."

Zahlreiche Katholiken fordern deshalb immer wieder, auch verheiratete Männer und Frauen als Priester zuzulassen. Aber solche Forderungen sind auch im Dialogprozess, der im Moment deutschlandweit in den Gemeinden läuft, ohne Chance.

Kilian Krug weiß von einigen Kommilitonen im Theologie-Studium, dass das Zölibat sie vom Priesteramt abgehalten hat. Dabei würde er es selbst nie infrage stellen. Als Priester Jesus nachzufolgen und für die eigene Familie zu sorgen, das schließe sich aus. "Entweder das eine oder das andere würde immer zu kurz kommen."

Im Priesterseminar in Rottenburg ist es unterdessen fast ungewohnt voll geworden. Wo Krug lange Zeit ganz allein gewohnt und gelernt hat, sind zehn Männer eingezogen, um sich auf ihre Priesterweihe im nächsten Jahr vorzubereiten. So viele Kandidaten für das Priesteramt gab es seit acht Jahren nicht mehr. Und auch im Erzbistum Freiburg bereiten sich fünf Männer auf die Priesterweihe im kommenden Jahr vor. Laien-Vertreter Warmbrunn sieht das mit großer Hoffnung: "Das zeigt, dass man die Situation auch nicht überzeichnen sollte."

Übrigens mag Kilian Krug als einziger zum Priester geweiht worden sein. Allein war er deshalb aber noch lange nicht: Die katholische Kirchengemeinde St. Georg in Lauffen hatte eine gemeinsame Fahrt nach Rottenburg organisiert.

 
 
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