Dauchingen Verkehrshelfer werden Mangelware
Schwarzwälder-Bote, 17.04.2012 08:00 Uhr
Die Verkehrshelfer Ivan Bosnjak (links) und Frank Ohnmacht hielten gestern Mittag in Dauchingen die Straße für ihre Mitschüler frei. Foto: WendeFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Andreas Wende
Dauchingen. Improvisation ist alles: Das gilt besonders für die Organisation des Schülerlotsendienstes an der Grund- und Hauptschule. Die traditionelle Einrichtung droht ein Opfer des demografischen Wandels zu werden.
Wenn sie an die kommende Woche denkt, packt Schulleiterin Gabriele Krieger der Frust. "Die Achtklässler gehen 14 Tage ins Praktikum, da wird es eng mit dem Schülerlotsenpersonal", weiß die Rektorin aus Erfahrung. Üblicher Weise stehen die Teams aus jeweils zwei Siebt- und Achtklässlern morgens vor der ersten und zweiten Stunde und mittags parat, um ihre jüngeren Mitschüler sicher über die Vordere Straße im Bereich der Einmündung des Birkenwegs zu geleiten.
Angesichts der stetig sinkenden Schülerzahlen wird die Personaldecke für das seit gut 15 Jahren eingerichtete Ehrenamt immer dünner. Hätte sich nicht eine Mutter bereitgefunden, mittwochs einzuspringen, wäre die Situation noch kritischer, als sie ohnehin schon ist. Zumindest bis zum Schuljahresende soll das jetzige Angebot beibehalten werden.
Als vor rund anderthalb Jahrzehnten die Schülerlotsen ihren Dienst aufnahmen, herrschte noch kein Mangel an älteren Schülern, die für diese Aufgabe in Frage kamen. Heute engen Fortbildungen, Praktika und schrumpfende Klassenstärken den Spielraum für den Freiwilligendienst ein. "Der Einsatz der Schülerlotsen geht uns am Unterricht ab", bringt Gabriele Krieger die Probleme auf den Punkt. Erste Konsequenz: Die Schülerlotsen-Teams wurden von vier auf zwei Leute halbiert.
Die Ausbildung der künftigen Verkehrsshelfer beginnt in der siebten Klasse. Ivan Bosnjak und Frank Ohnmacht, die gestern Mittag nach der fünften Stunde am Zebrastreifen in der Vorderen Straße in Aktion traten, wurden von der Polizei auf ihre Aufgabe vorbereitet. "Wir wurden einen Tag lang theoretisch und praktisch geschult", erzählen die beiden Neuntklässler, während sie auf die jüngeren Kinder warten. Als die eintreffen, stoppen die beiden Neuntklässler mit ihren Kellen den Verkehr und schaffen den Kleinen eine sichere Gasse. Insgesamt, so Bosnjak und Ohnmacht, seien zehn Neunt- und sieben Achtklässler als Schülerlotsen eingeteilt.
Gabriele Krieger muss an manchen Unterrichtstagen auf Helfer aus ihrem Kollegium zurückgreifen, um ihren Schülern einen sicheren Heimweg zu bieten. Und manchmal steht überhaupt niemand zur Verfügung. "Dann schärfen wir den Jungen und Mädchen ein, wie sie sich beim Überqueren der Straße verhalten sollen." Bislang hat sich noch kein Unglück ereignet.
Matthias Hummel, Hauptamtsleiter der Gemeinde, weiß um die Probleme. "Wir haben im Gemeindeblatt darauf hingewiesen, dass Schülerlotsen gesucht werden." Laut Gabriele Krieger hat sich der Elternbeirat mit der Bitte um Abhilfe bereits an die Verwaltung gewandt.


