Dauchingen - Die Gemeinde muss im Gewerbegebiet Riesenburg investieren, um Flächen für die Ansiedlung neuer Betriebe im rechtlichen Sinne als erschlossen bezeichnen zu können. Insbesondere wasserrechtliche Auflagen schlagen dabei finanziell zu Buche.

Schwere Kost und hartes Brot kündigte Bürgermeister Torben Dorn den Ratsmitgliedern an, als er den Tagesordnungspunkt "Riesenburg" in der jüngsten Sitzung aufrief. Und auch nach 90-minütigem Vortrag und Diskussion war aus dem harten Brot noch kein Stück Sahnetorte geworden: 1,9 Millionen Euro wird die Gemeinde bis voraussichtlich 2018 in die weitere Erschließung des Gewerbegebietes Riesenburg investieren müssen.

Da lediglich etwa 962 000 Euro aus Grundstücksverkäufen zu erzielen sind, werde ein Zuschussbedarf von mehr als einer Million Euro entstehen, rechnete Siegfried Hellwig von der Standentwicklung GmbH STEG (Stuttgart) vor. Über diesen Dienstleister läuft die Finanzierung des Gewerbegebietes. Hinzuzurechnen seien noch geschätzt 200 000 Euro an Finanzierungskosten.

Dorn, dessen Sitzungsführung im ersten Jahr seines Wirkens stark vom Willen der Moderation geprägt war, hielt nun ein geradezu flammendes Plädoyer für eine mittlere Ausbau-Variante: Um im Wettkampf der Gemeinden um ansiedlungswillige Unternehmen und damit zukünftige Gewerbesteuerzahler bestehen zu können, müsse man die Planungen jetzt vorantreiben und gegebenenfalls zeitnah investieren, um die Grundstücke tatsächlich veräußern zu können.

Sascha Messmer vom beratenden Ingenieurbüro Breinlinger führte gleich vier verschiedene Varianten aus, wie die an die derzeitige Bebauung angrenzenden Grundstücke erschlossen werden könnten – und wie in diesem Zuge gleich Vorkehrungen getroffen werden könnten, einen zweiten Bauabschnitt zu erleichtern. Da die Erweiterung des Gewerbegebietes nach Süden und Osten nach Lage der Dinge erhebliche Diskussionen in der Verwaltungsgemeinschaft verursachen wird und auch von der Nachfrageseite her nicht gesichert ist, folgte der Rat dem Vorschlag des Bürgermeisters.

Bau eines Abwassergraben

Dies bedeutet, das auf weitere Entwässerungsmulden im Gebiet verzichtet wird, dafür aber eine größer dimensionierte Regenwasserbehandlung auf einem bereits gemeindeeigenen Grundstück gebaut wird. Das liegt allerdings 400 Meter entfernt im Riesenburgtal. Es muss also ein Kanal dorthin verlegt werden. Der Vorteil liegt darin, dass so auch die Entwässerungsmöglichkeit bereits gegeben ist, wenn der angestrebte Ringschluss der Bogenstraße zur neu anzulegenden Vogtstraße realisiert wird. Den Straßenverlauf muss man sich so vorstellen, dass die Bogenstraße hinter dem Bauhof eine Rechtskurve macht und dann als Vogtstraße kurz unterhalb der Firma Heinrich AG auf die verlängerte Riesenburgstraße trifft.

Gemeinsam war allen vier Szenarien, dass ein Abwassergraben bis hinunter zum Neckar gebaut werden muss. Die Flächen rechts und links dieses Ringschlusses betragen etwa 19 000 Quadratmeter.

Letztlich fiel die Entscheidung einstimmig, da die Ratsmitglieder der Meinung waren, dass die Gemeinde so bei mittlerem Kapitaleinsatz handlungsfähig bleibt.

Dorn stellte fest, dass es Gewerbegebiete nun mal nicht zum Nulltarif gebe, wenngleich es ihn sehr ärgerte, knapp 500 000 Euro für einen Entwässerungsgraben bis zum Neckar ausgeben zu müssen: "Dafür, dass da einmal im Jahrhundert Wasser fließt." Messmer machte aber klar, dass dieser Graben bereits bei der ersten wasserrechtlichen Genehmigung vor acht Jahren durch das Landratsamt gefordert worden.