Calw Streit um Hermann-Hesse-Museum

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Felicitas Günther, Leiterin der städtischen Museen Calw, stößt mit der geplanten Neukonzeption des Hermann-Hesse-Museums auf erheblichen Widerstand von Hesse-Herausgeber Volker Michels. Foto: Fritsch

Calw - Zwischen Hesse-Herausgeber Volker Michels und der Stadt Calw droht ein tiefgreifendes Zerwürfnis. Auslöser ist die Neukonzeption des Hermann-Hesse-Museums.

Dazu muss man wissen, dass der Herausgeber der Werke des 1877 in Calw geborenen Literaturnobelpreisträgers beim Suhrkamp-Verlag das Museum 1990 konzipiert und eingerichtet hat. Dass nach nunmehr mehr als einem Vierteljahrhundert die Stadt eine Neukonzeption plant – davon hat Michels aus unserer Zeitung erfahren. Und ist nun, wie er sagt, "schwer beleidigt".

Das sei, gesteht Calws Oberbürgermeister Ralf Eggert ein, sicherlich ein Fehler gewesen. Andererseits kann der OB nicht verstehen, dass Michels sich weitestgehend gegen eine Neukonzeption wehre, ohne Details zu kennen. Die gibt es nämlich noch gar nicht. Es ist noch nicht einmal ein Gestaltungsbüro beauftragt.

Es soll nicht mehr allein um Leben und Werk gehen

Gleichwohl gibt es seitens der städtischen Museen Calw erste Vorstellungen. Die Neukonzeption soll sich, so Museumsleiterin Felicitas Günther, nicht mehr allein an Leben und Werk Hesses orientieren, sondern eher themenorientiert sein. "Liebe und Leidenschaft" oder "Vergnügen und Vergänglichkeit" seien ihm bei einem Besuch Günthers und ihres Stellvertreters Timo Heiler genannt worden, sagt Michels. Das seien "verschwommene Themen", die Leben und Werk Hesses nicht gerecht werden. Auch ein Gespräch mit Eggert, der ihn vor etwa vier Wochen in Offenbach aufgesucht hat, blieb ohne Ergebnis. Wobei auch Günther betont, dass natürlich Leben und Werk eine tragende Rolle auch im neu konzipierten Museum spielen sollen.

Zwischenzeitlich existiert ein Schriftwechsel zwischen Eggert und Michels. Dabei greife der Literaturexperte zu durchaus scharfen Formulierungen, wie Eggert gegenüber unserer Zeitung sagt. Er jedenfalls finde Michels’ Ton "nicht angemessen".

Für den Hesse-Herausgeber lässt sich der Schriftsteller letztlich nur aus seinem Leben und seinem Werk heraus verstehen. Das sei, so sagen es auch andere Hesse-Kenner, bei keinem anderen Autor der Fall. Auch verliere dadurch die Aktualität, die Hesse noch immer habe, an Wert. Nur ein paar Optimierungen, die heute mittels digitaler Medien möglich sind, würde Michels zulassen. Weil es, auch daran lässt er keinen Zweifel, an seiner bisherigen Konzeption schlichtweg nichts zu verbessern gibt. Wichtiger sei vielmehr, dass das Museum einen barrierefreien Zugang und einen Aufzug erhalte. Unverhohlen droht der Hesse-Herausgeber damit, Ausstellungsstücke, die er besorgt oder von sich aus dem Museum zur Verfügung gestellt hat, zurückzufordern. "Falls es zu keiner Lösung kommt", fügt er hinzu.

Noch scheint das Tuch nicht endgültig zerschnitten

Damit scheint das Tuch zwischen Stadt und Michels noch nicht ganz zerschnitten. Schließlich gehe es, so Michels, um das Erbe Hermann Hesses, der zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern zählt.

Eggert fände es schade, würde der Herausgeber seine Drohung wahr machen. Sollte es trotz aller Bemühungen dazu kommen, wäre man jedoch durchaus in der Lage, im neuen Museum eine attraktive Ausstellung zu bieten. Zumal die Beziehungen der Stadt zu Hermann Hesses Enkel Silver Hesse, Bevollmächtigter für den literarischen Nachlass, ausgezeichnet seien.

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