Calw Schlummernde Rohstoffquellen sind die Deponien kaum
Schwarzwälder-Bote, 18.05.2012 20:30 Uhr
Saskia Esken (Zweite von rechts) erläuerte vor Ort den Stand der Dinge bei der Tälesbachsanierung aus der Sicht der gleichnamigen Bürgerinitiative. Foto: HölleFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Hans-Jürgen Hölle
Calw. "Eigentlich", sagt Joachim Bley, der Leiter des Dezernats 3 – Umwelt und Ordnung im Calwer Landratsamt, "gibt es in Sachen Deponiensanierung am Tälesbach nichts Neues." Auch nicht nach der Petition, die die Bürgerinitiative Tälesbach jetzt im Landtag eingereicht hat (wir berichteten).
Außer, so Bley weiter, dem Informationsbedürfnis der Bevölkerung, dem sich auch das Landratsamt als zuständige Behörde bei der Sanierung nicht verschließen wolle. Aber um die Notwendigkeit der Maßnahme und den geplanten Ablauf komme man nicht herum. Seine Behörde müsse tätig werden.
Bley geht davon aus, dass im Juni die Verbindlichkeitserklärung fertig ist. Und dann müsste mit den vorbereitenden Maßnahmen begonnen werden. Ein Jahr dürften Ausschreibung und Baustelleneinrichtung in Anspruch nehmen, fünf Jahre die eigentliche Sanierung, und wiederum ein Jahr die Renaturierung des Gebiets.
Die Umweltbehörde müsse die Sanierungspflichtigen, also die Stadt Calw und die DB AG, zu einer echten Sanierung mit einem Recycling der Wertstoffe und der Entsorgung der Reststoffe aus dem Deponiekörper verpflichten. Sollte eine echte Sanierung zurzeit nicht möglich sein, müsse die Umweltbehörde für die Stabilisierung der Böschungen die Variante der teilweisen Umlagerung der mächtigen Erdabdeckschichten der Deponie zur Errichtung eines Stützkörpers anordnen. Und wenn der Transport des Auffüllmaterials schon unvermeidlich sei, so müsse er auf der Schiene erfolgen. Das sind, wie berichtet, einmal mehr die Kernpunkte, die die Bürgerinitiative in ihrer Petition vorgebracht hat, und die sie jetzt vor Ort den drei Landtagsabgeordneten Nikolaus Tschenk und Thomas Marbein (Die Grünen) sowie Gabi Rolland (SPD) erläuterten.
Tschenk ist Mitglied des Petitionsausschusses und auch grüner Betreuungsabgeordneter für den Wahlkreis Calw. Er will, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betonte, zusammen mit seinen Kollegen sich der Sache annehmen. Es scheine in der Tat bedenklich zu sein, wenn man sich nicht sicher ist, was da im Tälesbach alles herumliegt. Das könne man doch nicht einfach zuschütten.
Kann man doch, sagen Joachim Bley und Matthias Kreuzinger, der Leiter der Abteilung Umwelt- und Arbeitsschutz im Landratsamt. So wie die dort gelagerten Altstoffe liegen, seien sie ungefährlich. Das hätten Untersuchungen ergeben, die von externen Fachbehörden durchgeführt worden seien. Wie auch die anderen Forderungen der Initiative genau unter die Lupe genommen worden seien. Eine Gefahr würde von dem gelagerten Müll erst ausgehen, wenn er bewegt wird. Und eine schlummernde Rohstoffquelle seien die beiden Deponien auch nicht. "Was dort zu finden wäre, ist verrostet oder verfault", so Bley. Gewinnbringend könne das keinesfalls weiterveräußert werden. Und verbrannt werden auch nicht.
Aus arbeitsrechtlichen Gründen, so Kreuzinger, könne man sowieso niemand in die Deponie schicken, um die Hänge umzugraben. Das sei viel zu gefährlich. An der Maßgabe, dass bei einer solchen Sanierung nur die wirtschaftlichste Lösung in Frage kommt, sei auch nicht zu rütteln, merkte Bley an. Unter diesem Gesichtspunkt komme der Transport des Auffüllmaterials nur über die Straße in Frage. Woher dieses herangefahren wird, sei übrigens noch völlig offen. Das könne erst im Rahmen der Ausschreibung geklärt werden.


