Calw Salafismus gilt als eine extremistische Ideologie

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Herbert L. Müller informierte das Heumadener Männerforum. Foto: privat Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Christoph Schmitt

Calw-Heumaden. Es war ein hochaktueller und brisanter Stoff, dem das Männerforum Heumaden seine erste Veranstaltung 2016 widmete. Herbert L. Müller, Leitender Regierungsdirektor beim Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg und zuständig für den internationalen Terrorismus und Extremismus, stellte sein Referat unter den Titel "Vom Islamismus zum Djihadismus". Mehr als 85 Zuhörer und spätere Diskutanten konnte dazu Thomas Schlag begrüßen, der auch den Abend mit einem geistlichen Impuls einleitete.

Einander ertragen

Schlag stellte dabei Fragen an Christen, wie diese mit dem Fremden umgehen. Er machte deutlich, dass es für Christen keine einfachen Lösungen gebe. Vielmehr sei das einander Ertragen eine biblische Aufforderung, zu der die Liebe helfe, das Fremde, das Ungewohnte und manchmal auch das Störende an sich überhaupt einmal heranzulassen.

Müller begann seinen Beitrag mit einer wichtigen Differenzierung zwischen Islam und Islamismus. Als Islamwissenschaftler mit Arabischkenntnissen und Einblicken in die Regionen aus eigenen Studienfahrten, brachte der Referent dazu das grundlegende Wissen mit. Dass sich der Verfassungsschutz mit der dunklen Seite, dem Islamismus beschäftigt, sei ein in der freiheitlich demokratischen Grundordnung des Landes gründende Aufgabe. In den Blick geraten dabei nur eine Minderheit muslimischer Bürger.

Traditionelle Werte

Müller machte mit einer Skizze deutlich, dass es "den Islam" nicht gebe, sondern konfessionelle Gruppierungen wie Schiiten, Sunniten, Aleviten und andere, von denen er ein differenziertes Bild zeichnete. Waren im "Goldenen Zeitalter des Islam" (750 bis 1250) die islamischen Völker eine bedeutende Kultur und Wissenschaftsgröße, von der Europa Nutzen hatte, so kam es zum Ende des 19. Jahrhunderts in weiten Teilen der arabisch-islamischen Welt zu einer deutlichen Schwächung dieser Seite. Heute gebe es den Versuch in der islamischen Welt, wieder die traditionellen Werte zur Geltung zu bringen und dazu auch die staatliche Macht als Hüterin einzubinden. Islamismus lasse sich daher als ein Ergebnis einer Politik verstehen, das politisch die missionarische Tendenz legalisiere.

Besonders problematisch, so der Referent, zeige sich das an der Neigung zu einer Dschihad-Interpretation, die mit terroristischen Mitteln agiert. Der Westen müsse hier aktiver werden und dürfe nicht glauben, sich mit Nichts-Hören, Nichts-Sehen, Nichts-Sagen aus der Affäre ziehen zu können. Besonders auf den Salafismus lenkte Müller den Blick der Zuhörer, weil dieser die zur Zeit dynamischste islamistische Bewegung in Deutschland sei. Innerhalb des politischen Islam vertrete der Salafismus eine religiöse Prägung, die strikt an den Formen der Gründungszeit ausgerichtet ist. Für die Verfassungsschutzbehörden sei der Salafismus eine extremistische Ideologie, die im Mantel des Islam mit revolutionärer Gewalt agiert. Hier sei, so Müller, der Staat gefordert, entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen, die auch das Verbot nicht ausnimmt.

Politische Machtkämpfe

Salafistisch seien auch politische Machtkämpfe geprägt, wie sie in Saudi-Arabien, in Qatar, in der Türkei oder bei den Schiiten im Iran wahrzunehmen sind. Überall würden damit Radikalisierungen eintreten, die eine politische Führung durchsetzt; dabei werde auch die Rolle der Frau verschlechtert etwa durch den Verschleierungszwang.

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine lebhafte Diskussion. Müller resümierte, dass gegen diese Extreme ein Dialog mit den muslimischen Bürgern gesucht werden muss, um sie in der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung zu halten. Wer mit der Ausgrenzung beginne, trage zur gefährlichen Radikalisierung bei.

  
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