Calw Punktesammlerin auf Königsposition

Schwarzwälder-Bote, 20.07.2012 19:03 Uhr

Von Sven Heuer

Highlights im Doppelpack: Zwei Faustballerinnen des TSV Calw erleb(t)en in diesen Tagen ihre vorläufigen Karriere-Höhepunkte: Stephanie Dannecker mit der Frauen-Nationalmannschaft und Lisa Kübler bei der Jugend-Weltmeisterschaft in der Altersklasse U18.

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"Das war der Hammer", erinnert sich Stephanie Dannecker an jenen Tag im April zurück: Silke Eber, Bundestrainerin der Frauen-Nationalmannschaft, rief bei der 19-jährigen Schlagfrau an und lud sie zu Kadertrainings nach Niedernhall, Stuttgart und Niedersachsen ein. Im Juni wurde "Steffi" in der nordischen Faustballhochburg Schneverdingen für die Europameisterschaft nominiert. "Ein starkes Gefühl", so die athletische Angreiferin.

Inzwischen ist Stephanie Dannecker mit dem Nationalteam aus dem schweizerischen Diepoldsau zurückgekehrt. Im Gepäck die EM-Silbermedaille, aber auch ein wenig Gefühlschaos, irgendwo zwischen unbändiger Freude und leichtem Frust. "Das klare 0:3 im Endspiel gegen Österreich sitzt tief. Da war viel mehr für uns drin." Die gute Form hatten die deutschen Faustball-Asse in der Vorrunde eindrucksvoll bewiesen, als sie mit souveränen Siegen gegen Italien (11:4, 11:8), Tschechien (11:5, 11:1), Gastgeber Schweiz (11:6, 11:5) sowie gegen den Titelverteidiger und erklärten Favoriten Österreich (11:8, 11:6) direkt ins Finale vordrangen.

Stephanie Dannecker hatte bis dahin in drei Begegnungen eine zuverlässige Punktejägerin auf der "Königsposition" abgegeben. "Vor dem Turnier war ich sehr angespannt, aber als ich gegen Italien für mein erstes Länderspiel auf dem Platz stand, war ich gelassen. Ich weiß, was ich kann, und es hat richtig gut geklappt." So gut, dass sie im Finale als "Geheimwaffe" antreten durfte. Allerdings erst, als es fast schon zu spät war. 6:11 ging der erste Durchgang gegen die bärenstarken Österreicherinnen verloren, Mitte des zweiten Satzes wurde die 19-Jährige eingewechselt – und drehte fast noch das Match. Doch mit dem unglücklichen 14:15 war die Entscheidung vor stattlicher Zuschauerkulisse praktisch gefallen. Die routinierten Österreicherinnen ließen sich den Triumph im dritten Satz nicht mehr nehmen (8:11).

Dennoch fasst die sprungstarke und technisch begnadete Sportlerin "ihr" Turnier im Kanton St. Gallen als großartiges Erlebnis zusammen. Platz zwei in Europa, vier Länderspieleinsätze, das kann sich sehen lassen für einen "Rookie". "Das Niveau ist hier nochmals eine Stufe höher als in der Junioren-Auswahl", stellte die Bundesligaspielerin vom TSV Calw fest. Bundestrainerin Silke Eber war von der schwäbischen Powerfrau angetan und Stephanie, die von der Stadt Calw als auszubildende Verwaltungsfachangestellte die notwendigen sportlichen Freiheiten bekommt, ist sicher: "Ich habe meine Chance genützt und mich in der Nationalmannschaft etabliert. Jetzt bin ich im Kopf frei und freue mich auf weitere Turniere, die EM 2013 und vor allem die Weltmeisterschaft 2014 in Dresden."

Nicht so weit in die Zukunft blickt Lisa Kübler. Die Allrounderin aus Altburg fliegt am Samstag mit der U18-Auswahl via Frankfurt und Bogotá nach Cali. In der kolumbianischen Zweimillionen-Einwohner-Metropole steigt die U18-Weltmeisterschaft und als amtierender Jugend-Europameister zählt Deutschland beim Turnier vom 25. bis 29. Juli zu den Mitfavoriten.

Lisa Kübler, die in der Feldmitte einerseits Abwehrverantwortung übernehmen und die Angriffe mit perfekten Zuspielen vorbereiten soll, hat klare Ziele: "Ich will mindestens so stark spielen wie im letzten Jahr bei der Jugend-EM. Wenn das unserer Mannschaft gelingt, spielen wir in Südamerika sicher um den Pokal." Temperaturen um 30 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit auf über 1000 m Höhe sollten der Mannschaft von Trainerin Dorothee Schröder keinen Strich durch die Rechnung machen. Kondition wurde reichlich gebolzt und bis zum Auftaktspiel gegen Brasilien am Mittwoch im Fußballstadion des Club Confenalco ist Zeit für Akklimatisierung. Die anderen Teams kommen aus Kolumbien, Chile, Argentinien, Italien, Österreich und aus der Schweiz.

Deutschland gilt im Nachwuchssektor aber als Maß der Dinge. Vor zwei Jahren führte Lisa Küblers Vereinskameradin Steffi Dannecker ihr U18-WM-Team im spanischen Lloret de Mar als beste Spielerin des Turniers zum Gold-Coup.

 
 
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