Calw Persönlicher Erfahrungsbericht wird besonderer Moment

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Karl Rom sieht das Erzählen als seine Pflicht an. Foto: Schwarzwälder-Bote

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Von Sandra Müller

Calw-Stammheim. "Es ist meine Pflicht zu erzählen, wie es war. Denn ich bin es meiner Familie schuldig", antwortet Karl Rom auf die Frage, was es ihm bedeutet, vor 60 Schülern zu sprechen. Es herrscht Stille im Saal, als Rom, Überlebender des KZs Dachau, den Raum betritt, und diese Stille hält die gesamten 90 Minuten an, die der Zeitzeuge spricht und von seinen Erlebnissen erzählt.

Rom, 1926 in Litauen geboren, erlebte seine Kindheit und Jugend unter dem NS-Regime und teilt dies immer wieder Schülern aus ganz Deutschland mit, dieses mal zwei neunten Klassen des Maria von Linden-Gymnasiums, die drei Studientage in Dachau verbringen. Das Zeitzeugengespräch stellt mit dem Besuch der Gedenkstätte einen Höhepunkt der Fahrt dar.

Rom erzählt von dem Beifall in Litauen, als Hitler einmarschiert ist, unwissend, was noch auf die jüdische-litauische Gesellschaft zukommen wird, den ersten öffentlichen Ermordungen der Juden und vom Beifallklatschen der restlichen Bevölkerung zu den Tönen der litauischen Hymne. Bei seinen Berichten legt er Quellen auf, die die Einsatzbefehle der Gestapo zeigen, wie zum Beispiel der Befehl NR. 1 für die jüdische Bevölkerung vom 28. Juli 1941 zum Umzug ins Ghetto. Massenerschießungen wurden minuziös festgehalten, was eine Tabelle zeigt. Rom weist auf den als Überschrift stehenden Zusatz "keine besonderen Meldungen" hin, der die Grausamkeit des Systems verdeutlicht. Er berichtet von seinem Leben im Ghetto, von den Selektionen, denen vor allem Ältere und kleine Kinder zum Opfer fielen, und auch von einer Begegnung mit seinem ehemaligen Schulkameraden, jetzt beim NS-Kraftfahrerkorps, der ihm im Ghetto fragte, wie es ihm gehe, worauf Rom antwortetet: "Es geht mir gut, ich lebe noch."

Bis August 1944 lebte und arbeitete der junge Karl Rom im Ghetto, wurde dann über Danzig nach Deutschland verschickt und landete schließlich im Außenlager des KZs Dachau in Kaufering. Er berichtet von dem menschenunwürdigen Prozess, wie man als Häftling aufgenommen wurde. Auf die Frage eines Schülers, wie oft man sich in solch einem Lager duschen konnte, huscht Rom ein Lächeln über die Lippen und er gibt zu Antwort, dass sie als Häftlinge froh waren, wenn man überhaupt entlaust wurde. Mit großer Spannung erzählt er von den letzten Tagen, als die Häftlinge zum so genannten „Todesmarsch“ geschickt wurde, diese aber parallel die Flugzeuge der Amerikaner schon hörten und auf die Befreiung hofften.

Karl Rom ist 19, als er als Häftling zusammen mit seinem Vater befreit wird. Große Teile seiner Familie sind dem NS-System zum Opfer gefallen.

Die Schüler hatten zwar schon viel zum Thema "Jugend im Nationalsozialismus" im Unterricht gelernt, doch dieser persönlicher Erfahrungsbericht bedeutet für sie schon ein besonderer Moment, auf den sie auch in den Arbeitskreisen, in denen sie in dem Seminar aufgeteilt waren, vorbereitet wurden.

Das Zeitzeugengespräch mit Karl Rom ist Bestandteil des dreitägigen Studienseminars, das das Max-Mannheimer-Studienzentrum im Dachau anbietet, und das das Maria von Linden-Gymnasium seit 2005 jährlich mit allen neunten Klassen in Anspruch nimmt.

 
 

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