Calw Nationalpark-Gegner unter sich
Hartmut Breitenreuter, 30.01.2012 06:01 Uhr
Auch der Freudenstädter LandtagsabgeordneteNorbert Beck (CDU) machte keinen Hehl daraus, dass er von den Nationalparkplänen der grün-roten Landesregierung nichts hält. Foto: dpa
Seewald-Besenfeld - Nicht erst abwarten, bis zum geplanten Nationalpark ein Gutachten erstellt ist, will der Waldbesitzerverein Nordschwarzwald. Er positionierte sich bei seiner Hauptversammlung ohne Gegenstimme gegen das Projekt.
Bereits vor der Seewaldhalle in Besenfeld wurde deutlich, wer da tagte.
Auf jedem zweiten Auto prangte der Aufkleber mit dem durchgestrichenen Nationalpark-Schriftzug. Ebenso deutlich fiel auch das Votum für einen Antrag aus, der Waldbesitzerverein möge sich bereits vor Vorliegen des Gutachtens der Landesregierung gegen den Nationalpark aussprechen. Rund 70 Mitglieder des Vereins unterstützten den Antrag, nur zwei enthielten sich der Stimme.
Die Ablehnung eines Nationalparks zog sich denn auch wie ein roter Faden durch den anschließenden Holz- und Waldtag, zu dem der Verein vier Redner – alles Gegner des Nationalparks – eingeladen hatte. Auch der Freudenstädter LandtagsabgeordneteNorbert Beck (CDU) machte keinen Hehl daraus, dass er von den Nationalparkplänen der grün-roten Landesregierung nichts hält. Baden-Württemberg habe in Sachen Naturschutz seine Hausaufgaben längst gemacht. "Ich brauche keinen Nationalpark, weil wir einen funktionierenden Naturpark haben", sagte Beck.
Den Auftakt der Redner machte der ehemalige Forstpräsident Peter Weidenbach, der nach dem Sinn fragte, zuerst den Wald für viel Geld umzubauen, um ihn dann in 30 Jahren als Nationalpark sich selbst zu überlassen. Keine Aussagen würden bisher gemacht, wie die Jagd im Nationalpark aussehen soll, kritisierte er. Weidenbach prophezeite für den Nationalpark Kosten für den Waldumbau von einer Million Euro pro Jahr, für den Nutzungsverzicht 3,9 Millionen Euro pro Jahr und fünf Millionen Euro pro Jahr durch den Verzicht auf CO2-Einsparung, weil 50 000 Festmeter Holz weniger eingeschlagen werden.
"Keine Vorteile für Nationalpark erkennen"
Peter Dombrowsky, ehemaliger Landrat des Kreises Freudenstadt und Vorsitzender des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, machte vor allem die Unterschiede zwischen Naturpark und Nationalpark deutlich. Der Naturpark sei von "unten nach oben", sprich von den einzelnen Mitgliedsgemeinden und -kreisen, entwickelt worden. Der Nationalpark werde rechtsverbindlich festgesetzt. Eine Mitwirkung der Region sei nicht vorgesehen. Sanfter Tourismus, eine vielfältige Nutzung und eine nachhaltige Entwicklung seien Ziele des Naturparks. Ein Nationalpark werde weitgehend der Natur überlassen. "Ich kann keine Vorteile für einen Nationalpark erkennen", betonte Dombrowsky.
Touristische Aspekte gegen den Nationalpark tischte Hotelier Martin Zepf aus Hinterlangenbach auf, betonte aber, dass er nicht für alle seine Kollegen und auch nicht für den Hotel- und Gaststättenverband spreche. Die Region brauche keinen großen Tages- oder Massentourismus.
Jochen Bier, Vorsitzender des Waldbesitzervereins setzte den Statements gegen einen Nationalpark noch die Krone auf, in dem er betonte, es sei zwar gerade recht ruhig bei den Gegnern, doch es werde noch "relativ laut werden". Er nahm dabei in Kauf, dass zwischen Befürwortern und Gegnern Gräben aufgerissen werden könnten, die schwer wieder zu schließen seien.
Ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Sachlichkeit hielt zum Schluss der ehemalige Nagolder Oberbürgermeister und SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Prewo. Traurig fand er, dass Drohworte in den Saal geworfen worden und nur Gegner des Nationalparks zu Wort gekommen waren. Nicht gut fand er auch, dass sich die Waldbesitzer bereits jetzt gegen einen Nationalpark ausgesprochen haben. Mit Offenheit komme man viel besser aus, meinte Prewo, der auch die Zahlen von Peter Weidenbach anzweifelte. Zwischenrufe und Unmutsbekundungen der Waldbesitzer begleiteten seinen Redebeitrag.



Mut zur Sachlichkeit ist gefragt!
Herr Prewo plädierte für mehr Sachlichkeit, nicht für den Nationalpark an sich. Ich bin schokiert, dass die Versammlung so ablief. Herr Prewo hat Recht wenn er bedauert, dass Beführworter nicht einmal eingeladen wurden. Zu einer Entscheidungsfindung gehört immer ein Abwägen von Pro und Kontra und eine sachliche Diskussion. Stattdessen werden Menschen, die sich für mehr Sachlichkeit und Toleranz einsetzen ausgebuht. Das ist beschämend! Das hat nichts mehr mit Prävention gegen den Nationpark und einer Politik von oben zu tun. Das ist pure Stimmungsmache! Zerkratzen wir doch demnächst die Autos von vermeintlichen Befürwortern, das hätte ähnliches Niveau!!
Nationalpark kommt!
Man muss eigentlich nicht mehr sagen: die sog. 'Nationalparkgegner' rekrutieren sich aus ein paar 'Großkopfeten', die den Regierungswechsel in BaWü noch nicht verkraftet haben und deren Gefolge mit 'einfachem Gemüt'. So jedenfalls konnte man die Leute bei den einschlägigen Versammlungen erleben. Wirklich fundierte Argumente gibt es nicht. Stimmungsmache ist angesagt. Und wenn's brenzlig wird: schnell die Schilder verstecken. Feine Bürger! Aber mit wirklichem 'hinter der Sache stehen' hat das ja nix zu tun. grins! Es geht auch nicht um die Sache, sondern einfach nur darum, den Anführern zu folgen. Aber bloß in nix 'reinkommen. Und bei einer Nationalparkinitiative der alten Regierung hätten diese ganzen Statisten ebenso fröhlich mitgejubelt. Das ist der wahre Hintergrund. Also, vielleicht einfach nicht so ernst nehmen! Die definitive Mehrheit der BaWüer denkt anders darüber. Und die Waldbewohner sowieso.
zu 'Achne'
Lieber 'Achne': Mit Deinem Kommentar hast Du Dich ja nun selbst geoutet und der Öffentlichkeit gezeigt, wie hier bislang die Projektgegener sachlich und mit Fakten arbeiten. Hast dann auch noch gleich eine verbale Entgleisung draufgepackt. Wirklich ein 1-A Statement, kann ich da nur sagen. Gratulation dazu. Für die Projektgegner hoffe ich sehr, dass Du nicht einer der Macher bist. Schließlich will so ein Projekt auch konstruktiv kritisch begleitet werden. Dazu bedarf es aber etwas mehr Tiefgang, als Du hier öffentlich zu Schau stellst.